Österreich

Freie Fahrt für Elektroautos auf Busspuren und der Autobahn

Die Regierung schafft Privilegien für E-Autos, um deren Verkauf anzukurbeln. An diesen Plänen gibt es aber auch Kritik, selbst von den Grünen.

Für Elektroautos soll auf der Autobahn künftig der Luft-hunderter nicht mehr gelten. SN/Robert Ratzer
Für Elektroautos soll auf der Autobahn künftig der Luft-hunderter nicht mehr gelten.

E-Autos werden es auf den österreichischen Straßen bald leichter haben. Die Regierung wird am Mittwoch im Ministerrat ein Maßnahmenpaket beschließen, durch das die Elektromobilität forciert werden soll.

Ein Blick auf die Zahlen der heimischen Autoflotte verdeutlicht, warum. 4,9 Millionen Autos waren im Jahr 2017 in Österreich zugelassen, davon 2,77 Millionen mit einem Dieselantrieb. 2,08 Millionen fuhren mit Benzin. 14.618 waren reine Elektroautos, 26.039 Fahrzeuge waren Hybridautos.

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) schlagen nun vor, dass österreichweit die Busspuren für Elektroautos geöffnet werden. Dadurch könnten E-Autos vor allem in den Ballungszentren am Stau vorbeifahren und die Lenker Zeit sparen.

Die Möglichkeit, Busspuren für E-Autos zu öffnen, hätten Städte und Gemeinden bereits jetzt, sagt der ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried. Allerdings haben nicht viele diese Möglichkeit umgesetzt. Durch die Änderung der Straßenverkehrsordnung ist dies nun flächendeckend und ausnahmslos erlaubt und sicher ein Anreiz, sich ein E-Auto zuzulegen. Busspuren waren schon bisher nicht ausschließlich dem öffentlichen Verkehr vorbehalten. Auch Taxis, Radfahrer und die Fahrzeuge der Müllentsorgung durften die Busspuren benutzen.

Weiters schlagen Köstinger und Hofer vor, dass sich Elektroautos auf der Autobahn nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkungen, die aus Umweltschutzgründen erlassen worden sind, halten müssen. Beim Luft-Hunderter dürfen elektrisch angetriebene Fahrzeuge dann 130 Stundenkilometer fahren. In Österreich betrifft dies 440 Kilometer Autobahn.

Keine Parkgebühren mehr für Elektrofahrzeuge

Außerdem fordern die Ministerin und der Minister Städte und Gemeinden dazu auf, von Elektrofahrzeugen keine Parkgebühren mehr zu verlangen. In einigen Städten ist dies bereits jetzt der Fall. Die Ausnahmen werden für alle Fahrzeuge mit einer grünen Nummerntafel gelten, dadurch sind E-Fahrzeuge zweifelsfrei identifizierbar, auch für allfällige Kontrollen.

Die neuen Regeln für die E-Mobilität sollen nach Köstingers und Hofers Angaben dazu beitragen, dass Österreich seine Klimaziele erreichen kann. Im Verkehrsbereich ist bis zum Jahr 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von rund 7,2 Millionen Tonnen vorgesehen. Eine Offensive bei der E-Mobilität sei dazu ein wichtiger Schritt. Österreich liege bei der E-Mobilität derzeit bereits im Vorderfeld der EU. Was bisher vor allem auch auf die guten Förderungen für E-Autos zurückzuführen sei.

Allerdings gibt es nicht nur Befürworter dieser Pläne. Ausgerechnet die Grünen melden Bedenken an, vor allem in Bezug auf die Öffnung der Busspuren für E-Autos. Die grüne Bürgermeisterkandidatin in der Stadt Salzburg, Martina Berthold, bringt diese Bedenken auf den Punkt: "Die Busspuren sind dazu da, dass die öffentlichen Busse schnell vorankommen und attraktiv sind." Wenn dort auch E-Autos fahren dürften, bestehe die Gefahr, dass die Busse langsamer würden. "Auch E-Autos sind Autos und sie brauchen Platz. Gegen den Stau helfen E-Autos überhaupt nicht", sagt Berthold. Die Idee höre sich zwar gut an, wenn man sie aber genauer betrachte, habe sie aber erhebliche Nachteile. Außerdem sei dieser Vorschlag für Norbert Hofer, der ja das Tempolimit auf den Autobahnen auf 140 Stundenkilometer hinaufsetzen will, vor allem ein schönes Ablenkungsmanöver. Noch dazu, da ja die Experten des Umweltbundesamts erst vor Kurzem in einer Studie festgestellt hätten, dass für die Erreichung der österreichischen Klimaziele eigentlich Tempo 100 auf der Autobahn notwendig wäre.

Derzeit werden die Auswirkungen von Tempo 140 auf zwei Autobahnteststrecken in Ober- und Niederösterreich untersucht. Die Ergebnisse werden in ein paar Monaten vorliegen.


Aufgerufen am 24.01.2021 um 03:33 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/freie-fahrt-fuer-elektroautos-auf-busspuren-und-der-autobahn-41020027

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