Österreich

Hitler-Geburtshaus: Historiker gegen Abriss

Innenminister Wolfgang Sobotka musste seine Aussagen über einen bevorstehenden Abriss des Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau relativieren. Mehrere Mitglieder der Expertenkommission stellten vor der Debatte des Themas im Innenausschuss des Nationalrates klar, dass das Gremium gegen einen Abriss ist.

Hitler-Geburtshaus: Historiker gegen Abriss SN/APA (Manfred Fesl)/MANFRED FESL
Hitlers Geburtshaus in Braunau steht unter Denkmalschutz.

Was soll mit dem Geburtshaus des NS-Diktators Adolf Hitler in Braunau geschehen? Es steht unter Denkmalschutz, aber auch seit vielen Jahren leer. Pro Monat zahlt das Innenministerium der Eigentümerin, die nicht verkaufen will, 4700 Euro Miete - auch, um zu verhindern, dass das Gebäude mit der Adresse "Salzburger Vorstadt 15", in dem Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, zu einer Art Pilgerstätte wird. Die Bundesregierung will die Besitzern nun enteignen und entschädigen, dazu ist aber eine Gesetzesänderung nötig. Diese wird am Dienstag im Innenausschuss des Nationalrates beraten.

Im Vorfeld beauftragte Innenminister Wolfgang Sobotka eine Kommission aus Historikern und Denkmalschutzexperten, Vorschläge für eine Umgestaltung oder einen Abriss zu unterbreiten. Vor wenigen Tagen erhielt er nun den Bericht des Gremiums. Die Lesart des Ministers, dass nun der Abriss des Gebäudes fix sei, hielt am Montag aber nur wenige Stunden. Bereits im Juni hatte der ÖVP-Innenminister den Abriss des historisch belasteten Gebäudes erstmals angekündigt.

"Abriss käme einer Verleugnung der NS-Geschichte Österreichs gleich"

Am Dienstag stellten nun auch zwei prominente Mitglieder der Expertenkommission klar, dass sie gegen einen Abriss des Hitler-Geburtshauses in Braunau sind. Die Kommission habe in ihrem Bericht festgehalten, "dass ein Abriss einer Verleugnung der NS-Geschichte in Österreich gleichkommen würde", erklärten etwa Ex-Verwaltungsgerichtshofpräsident Clemens Jabloner und der Historiker Oliver Rathkolb.

Wie zuvor schon der Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) und die Leiterin des oberösterreichischen Landesarchivs, Cornelia Sulzbacher, betonten auch Jabloner und Rathkolb am Dienstag in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Kommission mehrere Vorschläge zur konkreten Entmystifizierung dieses Ortes gemacht habe, unter anderem durch eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung, die den "Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden soll", und einer administrativen oder sozialen Nutzung.

Bei der Übergabe des Berichts an Innenminister Sobotka am 11. Oktober "wurde insbesondere die architektonische Umgestaltung thematisiert, wobei es um eine Fassadenveränderung zur Dekonstruktion der historischen Wiedererkennung ging und natürlich nicht um einen Abriss. Die Option Abriss wurde in dem ursprünglichen Auftrag an die Kommission ausdrücklich erwähnt und von uns nicht befürwortet - ebenso wenig wie die angefragte museale Nutzung", stellten Jabloner und Rathkolb klar. Sie ersuchen den Minister nun um sofortige Veröffentlichung ihres Berichtes.

Die Tageszeitung "Die Presse" hatte den Innenminister zunächst unter Berufung auf den Kommissionsbericht mit den Worten zitiert: "Das Hitler-Haus wird abgerissen." Kurz danach hatte Sobotka dann in einer Aussendung erklärt, er teile die Ansicht der Kommission, "wonach eine tief greifende architektonische Umgestaltung sinnvoll ist, um sowohl den Wiedererkennungswert als auch die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft zu unterbinden".

Sobotka: Architektenwettbewerb für die Umgestaltung

Vor der Ministerratssitzung am Dienstag präzisierte Sobotka nun, das Haus dürfe künftig "vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein". Ob man dies als Abriss bezeichnen kann, darüber könne man diskutieren, sagte er zur aktuellen Debatte. Er sei über die Empfehlungen der Expertenkommission sehr froh, betonte er. Wesentlich sei, dass das Haus kein Gedenk- oder Versammlungsort für Neonazis sein kann. Der Ort solle keine Erinnerung an die Person Hitlers mehr zeigen, so Sobotka.

Es werde für die Umgestaltung einen Architektenwettbewerb geben, sagte der Ressortchef. Hinsichtlich der Nachnutzung komme eine soziale Einrichtung oder eine behördliche Nutzung in Betracht, dies werde man gemeinsam mit der Stadt Braunau entscheiden. Fix ist, dass der Ort keine museale Erinnerungsstätte werden soll. Dazu habe man mit dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eine hervorragende Dokumentationsstelle.

Quelle: APA

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