Österreich

Höchststand bei Kinderpornografie im Netz

Meldestelle "Stopline": Mehr als die Hälfte aller verdächtigen Seiten befanden sich im Darknet.

Jahresbericht der ISPA-Meldestelle Stopline SN/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
Jahresbericht der ISPA-Meldestelle Stopline

Es sei eine überaus nervenaufreibende und psychisch belastende Tätigkeit, die ihre lediglich zwei Mitarbeiterinnen tagtäglich bewältigen: Barbara Schloßbauer, Projektleiterin von "Stopline", einer Meldestelle für Internetseiten mit kinderpornografischen oder nationalsozialistischen Inhalten, gab am Donnerstag einen Höchststand an Meldungen von verdächtigen Seiten bekannt. 43.495 waren es 2021 - und in 8156 Fällen bestätigte sich der Verdacht. "Großteils handelte es sich um die sexuelle Darstellung Minderjähriger. Der Anteil an NS-Wiederbetätigung ist nur ein kleiner", berichtete Schloßbauer.

1999, im ersten Berichtsjahr von Stopline, gingen 363 Meldungen ein, 93 davon waren tatsächlich relevant. Acht Jahre später waren es bereits 2769 Meldungen und 930 bestätigte Verdachtsfälle. So ging es weiter: 2015 zählte man 5849 Meldungen (788 tatsächliche Fälle), 2020 bereits 26.992 (7731).

Entscheidend für die schlussendlich erfolgreiche Löschung einer Internetseite mit kinderpornografischen Inhalten ist die Rückverfolgung. Soll heißen: Wo befindet sich der Provider, also der technische Dienstleister, der es der betreffenden Website erst ermöglicht, überhaupt online zu sein? 2021 stammten 26 Prozent jener Provider, auf denen sich Seiten mit strafrechtlich relevanten Inhalten befanden, aus den USA und 13 Prozent aus den Niederlanden. Das sind Länder, in denen die IT-Infrastruktur besonders leicht und günstig zu bekommen ist. Aus Österreich ist 2021 nur ein einziger Fall bekannt. "Wir sind diesbezüglich ein überschaubares Land, alle Provider sind Mitglieder der Interessensvertretung der Internetprovider ISPA, man kennt sich gut, es herrscht ein amikales Verhältnis", betonte ISPA-Vorstand Peter Oskar Miller.

Der Großteil an verdächtigen Websites stammt aus dem Darknet, also jenem Teil des Internets, in dem vorwiegend Kriminelle ihr Unwesen treiben - vom Waffenschmuggel über Drogen bis hin zum Menschenhandel. 52 Prozent waren es im Vorjahr. "Es war ein schlagartiger Anstieg", zeigte sich auch Stopline-Leiterin Schloßbauer überrascht. Kurioses Detail: Die Meldungen von Kinderpornoseiten müssen somit von Darknetnutzern gekommen sein. "Ja, das ist wohl so. Wir wissen es nicht, weil die Meldungen anonym eingehen."

Für Stopline mit ihren beiden Mitarbeiterinnen, die ohnehin täglich hunderte Websites sichten müssen, ist somit nicht feststellbar, aus welchem Land der Provider stammt. Deshalb werden Meldungen aus dem Darknet an das Bundeskriminalamt sowie den Verfassungsschutz weitergereicht. Man müsse "langfristig beobachten", ob der Darknet-Anteil derart hoch bleibt, bekräftigt Schloßbauer.

Zufrieden zeigten sich die Stopline-Leiterin und ISPA-Vorstand Miller mit der internationalen Vernetzung der Meldestellen. "In 46 Ländern gibt es mittlerweile 50 Partner-Hotlines. 3719 Fälle wurden im Vorjahr weitergeleitet." In mehr als 70 Prozent aller Fälle wurden kinderpornografische Inhalte binnen drei Tagen gelöscht, innerhalb von sieben bis zehn Tagen seien nahezu 100 Prozent der Inhalte entfernt worden.

Im Jahr 2022 sind bisher 11.961 Meldungen bei Stopline eingangen, 1790 waren tatsächlich illegal. Die meisten Meldungen stammen laut Schloßbauer aus dem klassischen World Wide Web: "Der Anteil der Sozialen Medien ist überschaubar." 20 Fälle fanden sich auf Facebook & Co., einer auf Youtube.

Aufgerufen am 28.05.2022 um 09:02 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/hoechststand-bei-kinderpornografie-im-netz-120898915

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