Österreich

Hunderte Firmen mit Sexfilm unter Druck gesetzt

Eine riesige Abmahnwelle schwappt über Österreich. Hunderte Firmen wurden mit einem Anwaltsschreiben bombardiert.

Hunderte Firmen mit Sexfilm unter Druck gesetzt SN/sn
So sieht das Abmahnschreiben aus.

Das Schreiben wirkt auf den ersten Blick durchwegs seriös. Die Berliner Kanzlei Schmidt mahnt per Fax an, dass sich der Empfänger einen Erotikfilm illegal im Netz angeschaut beziehungsweise diesen über seinen Internetanschluss "verfügbar gemacht hat". Um die Urheberrechtsverletzung vergessen zu machen, bietet die Kanzlei einen Vergleich an. Wenn der Empfänger eine Unterlassungserklärung unterschreibt und einen Vergleichsbetrag von 950 Euro überweist, sei das Thema erledigt.

Ein solches Schreiben ging am heutigen Donnerstag an Hunderte österreichische Firmen. Allein bei Wirtschafts- und Arbeiterkammer Salzburg langten innerhalb von eineinhalb Stunden 50 entsprechende Anfragen ein, bis zum Nachmittag seien es "einige hundert" gewesen. "Es sind vor allem Unternehmen betroffen, die ihre Faxnummer in Telefonbüchern oder online hinterlegt haben", sagt Christian Obermoser, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer Salzburg. Hinter dem Schreiben steht jedoch nicht eine gerechtfertigte Abmahnung, sondern ein perfider Betrugsversuch. Obermoser ist sich sicher, dass das Schreiben "völliger Blödsinn" ist.

Schreiben ist mit Sicherheit gefälscht

Und es gibt auch einen eindeutigen Beweis, dass es sich um ein gefälschtes Abmahnschreiben handelt: Wie Maximilian Schubert, Generalsekretär der Interessenvertretung der heimischen Internetanbieter (ISPA), auf SN-Anfrage bestätigte, kann die Berliner Anwaltskanzlei nie das Hintergrundwissen haben, um solch ein Schreiben aufzusetzen. Denn die heimischen Internetanbieter schlüsseln Filmfirmen oder deren Anwaltskanzleien nicht auf, welcher Internetnutzer hinter einer Internetadresse, einer sogenannten IP, steht. Die Kanzlei könnte also gar nicht wissen, wer sich den Film illegal angeschaut hat.

Was Betroffene tun sollen

Das Bundeskriminalamt (BK) warnte am Donnerstagnachmittag ebenso vor der Betrugsmasche. Das BK rät allen Empfängern, das Schreiben nicht zu beantworten und die Summe auf keinen Fall zu bezahlen. Wer das Schreiben erhalten hat und bereits Kontakt zu den Absendern aufgenommen hat, soll diesen sofort abbrechen. Wer bereits gezahlt hat, solle hingegen über seine Bank eine Rückforderung des Geldes erwirken.

Die Wirtschaftskammer nahm indes am Nachmittag die Aufforderung zurück, Ihnen die entsprechenden Fälle zu melden. "Es reicht, wenn man das Schreiben einfach ignoriert", sagte Gerd Raspotnig, Leiter der Stabstelle Service und Recht bei der WKS. Und Raspotnig ergänzte: "Wir haben öfters mit solchen Abmahnschreiben zu tun. Aber solch einen massiven Fall hat es nur selten gegeben."

Die Kanzlei gibt es wohl nicht

Die Kanzlei Schmidt selbst war für die "Salzburger Nachrichten" weder via Telefon noch per Mail erreichbar. Wer es telefonisch versucht, wird in eine Warteschleife gereiht, bevor das Telefonat abgebrochen wird. Die deutsche Anwaltskammer geht auf Anfrage davon aus, "dass es sich um keine offiziell eingetragene Kanzlei handelt". Und spricht ebenso von einem massiven Fall: "Die Telefone stehen bei uns nicht mehr still."

Quelle: SN-Hill

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