Österreich

Jahrhundert-Hochwasser 2002 - Katastrophe begann schleichend

Als es am 6. August 2002 in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg sintflutartig zu regnen begann, hat kaum jemand mit einer Katastrophe gerechnet. Doch in den folgenden Wochen sollte ein Jahrhunderthochwasser eine Spur der Verwüstung ziehen: Ortschaften wurden überflutet und waren von der Außenwelt abgeschnitten. Opfer mussten in teilweise dramatischen Rettungsaktionen aus ihren Häusern evakuiert werden. Insgesamt entstand ein Schaden von mehreren Milliarden Euro.

Am 7. August konnte man das Ausmaß der ersten Katastrophe des Sommers ahnen. In Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg - aber auch in Tirol und Vorarlberg - traten Gewässer über die Ufer. Besonders betroffen war das untere Mühlviertel, das nördliche Machland sowie das Krems- und Kamptal. Und das Wasser kam so schnell, dass die Betroffenen kaum Zeit hatten ihre Habseligkeiten zusammenzutragen. In Zöbing retteten sich die Menschen auf die Dächer ihrer Häuser und wurden von Hubschraubern des Innenministeriums mit Seilen geborgen.

In Niederösterreich wurden die Bezirke Horn, Gmünd, Zwettl, Krems sowie die Orte im Unterlauf des Kamp wie Grafenwörth im Bezirk Tulln zu Katastrophengebiete erklärt. Die Feuerwehren waren mit Mann 5.000 im Einsatz. Unterstützung kam vom Bundesheer.Drei Mal Katastrophenalarm in SalzburgIn Salzburg wurde in drei Städten Katastrophenalarm ausgerufen, und zwar in der Landeshauptstadt, in Hallein und in Zell am See. In der Stadt Salzburg überkletterte der Pegelstand der Salzach die Acht-Meter-Grenze. In Hallein stand die Altstadt unter Wasser.

Wie hoch der Schaden des Jahrhunderthochwassers genau war, lässt sich nur schwer feststellen. Nach einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) belief sich die Summe auf rund 7,5 Milliarden Euro. Jeweils zumindest drei Milliarden Euro entstanden dabei in Niederösterreich und Oberösterreich.Mühlviertel schwer betroffenIn Oberösterreich gab es vor allem im Mühlviertel Katastrophenalarm. Ganze Ortschaften waren von den Wassermassen eingeschlossen. Zahlreiche Flüsse traten in den Nachtstunden über die Ufer. Dazu kam, dass die Kanalisation das Regenwasser nicht mehr aufnehmen konnte. Straßen wurden überflutet, in mehreren Fällen gingen auch Muren und Erdrutsche ab.

Im Bezirk Perg war die 5.000-Einwohner-Gemeinde Schwertberg durch das Hochwasser des Aist-Flusses praktisch von der Umwelt abgeschlossen, auf dem Straßenweg konnte man nicht mehr in die Marktgemeinde gelangen. Auch Teile der Bezirkshauptstadt Perg wurden durch den Naarn-Fluss überflutet. Die Bewohner "flüchteten" in die oberen Stockwerke ihrer Häuser oder überhaupt zu Bekannten und Verwandten. Allein in diesem Raum waren rund 3.000 Feuerwehrleute und andere freiwillige Helfer im Einsatz.Zweite Hochwasser-WelleKaum waren die ersten Aufräumarbeiten vorbei, kam am es am 12. August zur nächsten Katastrophe: Ein Adriatief ließ erneut vernichtende Regenmassen über die Katastrophengebiete niedergehen. In Niederösterreich, Oberösterreicher und Salzburg sahen sich die ausgelaugten Helfer wieder mit einer dramatischen Situation konfrontiert. Diesesmal sollten zudem mehrere Menschen ihr Leben verlieren.

Die zweite Hochwasser-Welle war noch schlimmer als die erste. Im Mühlviertel konnte der Boden kein neues Wasser mehr aufnehmen. Es kam erneut zu schweren Überflutungen. Schwertberg, das nur wenige Tage zuvor von der Umwelt abschnitten war, versank noch tiefer im Wasser. Landeshauptmann Josef Pühringer (V) sprach von der "größten Umweltkatastrophe der Zweiten Republik in Oberösterreich".Flut in NiederösterreichIn Niederösterreich sah es nicht besser aus. Der ohnehin hochwasserführende Kamp schwoll durch die neuen Regenmassen weiter an und sorgte erneut für schwere Überflutungen. Es standen noch mehr Ortschaften unter Wasser als eine Woche zuvor. Den Helfern eröffnete sich zudem eine neue Hochwasserfront: Der Pegel der Donau stieg und stieg, die Durchflussmenge entsprach bald jener des letzten großen Hochwassers im Jahr 1954.

Von der Flut im Donauraum besonders stark betroffen war Ybbs. Mehr als 3.000 Bewohner konnten nur mehr mit Zillen erreicht und versorgt werden. Weite Teile der Stadt standen unter Wasser. Auch in Melk war der Hauptplatz überflutet. Schlimm traf es auch Grafenwörth, das an der Mündung des Kamp in die Donau liegt. Aus der Gemeinde selbst und drei Katastralgemeinden mussten mehr als 600 Menschen evakuiert werden.

Quelle: APA

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