Österreich

Lawinentote in Vorarlberg und Niederösterreich

Zwei seit dem 5. Jänner in Hohenberg (Niederösterreich) vermisste Tourengeher im Alter von 54 und 58 Jahren sind am Mittwoch tot geborgen worden. Die beiden Männer wurden auf rund 1.000 Metern Seehöhe entdeckt. In Lech am Arlberg (Vorarlberg) gab es ebenfalls einen Lawinen-Toten zu beklagen. Ein seit Samstag vermisster 28-jähriger Deutscher wurde im freien Skiraum verschüttet und tot geborgen.

Michael Hochgerner von der niederösterreichischen Alpinpolizei bestätigte einen "NÖN"-Onlinebericht, wonach die Männer aus dem Bezirk Krems rund drei Meter unter den Schneemassen entdeckt wurden. Ein fünfköpfiger Trupp aus Hochgerner, drei Bergrettern und einem alpinerfahrenen guten Freund der Vermissten war am Mittwoch Richtung Hohenberger Gschwendt aufgebrochen. Die Suchgeräte schlugen auf einer etwas entlegenen Abfahrt in Richtung Steinparztal an. Die beiden Männer wurden ausgegraben und geborgen, berichtete Hochgerner.

Die Wintersportler waren am 5. Jänner von einer Tour Richtung Gschwendthütte nicht zurückgekommen und als vermisst gemeldet worden. In Folge war tagelang nach den beiden Männern gesucht worden, beteiligt waren Bergrettung, Alpinpolizei und Bundesheer. Auch ein Hubschrauber war dabei zum Einsatz gekommen, hatte die Vermissten aber nicht orten können. Die Suchaktion war vergangenen Freitag wegen der großen Lawinengefahr und der Witterung unterbrochen und am Mittwoch wieder aufgenommen worden.

Der in Lech am Arlberg verunglückte 28-jährige Deutsche wurde laut Polizei in einer Tiefe von zweieinhalb Metern gefunden. Seine Ortung sei mit einer Lawinensonde erfolgt. Eine langsame Beruhigung der Schneelage in den Bergen hatte sich zuvor am Mittwoch abgezeichnet.

Eine Lawine hatte am Samstag auf der gesperrten Skiroute "Langer Zug" vier Wintersportler verschüttet. In der Nacht auf Sonntag gelang es den Suchmannschaften drei der Männer aus Deutschland im Alter von 57, 32 und 36 Jahren zu orten, sie konnten jedoch nur noch tot geborgen werden. Trotz Airbags lagen sie bis zu drei Meter unter den Schneemassen. Die Suche nach dem 28-Jährigen musste gegen 1.30 Uhr wegen des schlechten Wetters abgebrochen werden.

Zwar wurde die Suche am Dienstag wieder aufgenommen, allerdings musste sie erneut erfolglos abgebrochen werden. Mittwochfrüh brach schließlich ein Großaufgebot an Personen zur Unglücksstelle auf. Daran beteiligt waren 40 Mann des Lawineneinsatzzuges des Bundesheeres, zehn Mitglieder der Bergrettung Lech mit drei Lawinensuchhunden sowie zehn Alpinpolizisten.

Verbreitet herrschte in sechs Bundesländern nach einer ersten Entspannung aber weiterhin Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. Zahlreiche Straßen konnten indes nach Abklingen der Schneefälle wieder freigegeben werden. Zahlreiche freiwillige Helfer standen bei der Schneeräumung im Einsatz. Das Bundesheer half mittlerweile mit 1.700 Soldaten. In der Steiermark war die Lawinengefahr weiterhin "groß" (Stufe 4), im Randgebirge "erheblich" (Stufe 3).

Eine deutliche Entspannung wurde von den Meteorologen ab Donnerstag prognostiziert. Indessen gingen in der Obersteiermark die Aufräumarbeiten weiter. In der Ramsau waren insgesamt rund 140 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. In Eisenerz und Johnsbach wurde der Assistenzeinsatz beendet, Evakuierungen wurden aufgehoben und Straßen freigegeben. Dafür mussten in Hohentauern im Bezirk Murtal zwei Gebäude wegen Lawinengefahr evakuiert werden. Die Gesäusestraße zwischen Hieflau und Admont wird wohl noch für weitere vier Wochen gesperrt bleiben.

Die Versicherungen erwarten hohe Schäden durch die Schneemassen. Man könne es mit dem Jahr 2006 vergleichen, "wo die österreichische Versicherungswirtschaft bei einem ähnlichen Schneedesaster rund 260 Millionen Euro an Zahlungen für Schneedruck und Schäden aus dem Schneedruck leistete", sagte der Präsident des Versicherungsverbandes und Uniqa-Österreich-Chef Kurt Svoboda im Ö1-Mittagsjournal. Die ersten Schadensbegutachtungen werden in den nächsten Tagen stattfinden. Das gesamte Ausmaß der Schäden wird aber erst Ende März abschätzbar sein.

Mehrere Lawinensprengungen durch das Bundesheer sind am Mittwoch in der Obersteiermark geglückt. In der Folge wurde die Sperre der Ennstalbundesstraße (B320) aufgehoben. Die Region Kleinsölk ist ebenfalls wieder ohne Gefahr erreichbar. Das gesamte Sölktal soll Donnerstagfrüh offen sein, hieß es aus dem Büro von Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ).

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) plädierte dafür, dass beim Betreten von Sperrgebieten die bestehenden Strafrahmen ausgeschöpft werden sollten. Er meinte aber, dass Dummheit auch nicht durch höhere Strafen auslöschbar sei: "Auch ich ärgere mich, wenn es so etwas gibt, insbesondere, weil auch die Bergretter selber in Gefahr gebracht werden."

Sein Stellvertreter und Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) trat im Zusammenhang mit der Dienstfreistellung für freiwillige Feuerwehrleute für die Einführung eines Anreiz- und Bonussystems ein: "Unsere Ehrenamtlichen investieren Hunderte Stunden ihrer Freizeit bei Ausbildungen und Übungen, es geht nicht, dass sie für Einsätze dieser Art Urlaub nehmen müssen." Eine Dienstfreistellung bis zu fünf Tage sollte auf freiwilliger Basis erfolgen, eine Vergütung für den Arbeitgeber aus dem Katastrophenfonds könnte dies fördern, so Schickhofer.

Mit der Wetterbesserung entspannte sich die Lawinen- und Verkehrssituation auch in Salzburg. Es herrschte verbreitet "erhebliche", in den Nordalpen teils noch "große" Lawinengefahr. Die meisten Straßensperren wurden mittlerweile aufgehoben. Damit waren wieder alle Orte im Land mit Fahrzeugen erreichbar. Allerdings sollte die Tauernautobahn zwischen dem Reittunnel und dem Tauerntunnel im Pongau wegen "Downwash"-Hubschraubereinsätzen voraussichtlich zwischen 15.00 und 16.00 Uhr in beiden Richtungen gesperrt werden.

Das Kleine Deutsche Eck wurde am Vormittag für den Verkehr freigegeben, die Pinzgauer Gemeinden Unken, Lofer und St. Martin waren wieder erreichbar. Die B311 zwischen Saalfelden und St. Martin sowie die B99 über den Radstädter Tauern wurden ebenfalls geöffnet. Damit war auch das Skigebiet Obertauern von der Außenwelt nicht mehr abgeschnitten. Allerdings blieben noch 13 Bundes- und Landesstraßen gesperrt, darunter die B159 zwischen Pass Lueg und Tenneck, die B164 im Bereich Filzensattel, die Felbertauernstraße und die Gaisbergstraße ab dem Hotel Kobenzl.

In Tirol wurden ebenfalls wichtige Verkehrswege wieder geöffnet. Die gesamte Fernpassstrecke sollte ab 15.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden, teilte das Land mit. Die Pitztal- und die Ötztal-Straße sowie die Venter Straße waren wieder frei, auch St. Anton am Arlberg war auf dem Straßenweg wieder erreichbar. Indes sollten am Mittwoch noch einige Flüge mit dem Landeshubschrauber, drei Bundesheer-Helikoptern und mehreren privaten Hubschraubern erfolgen. Trotz der langsamen Entspannung herrschte weiterhin verbreitet "große" Lawinengefahr, also Stufe 4. Diese gelte vor allem oberhalb der Waldgrenze, teilte der Lawinenwarndienst mit. In den Hauptniederschlagsgebieten und an steilen Ost-, Süd- und Westhängen seien mit der tageszeitlichen Erwärmung weiterhin große und vereinzelt sehr große Lawinen zu erwarten. Für Wintersport abseits gesicherter Pisten seien die Verhältnisse sehr gefährlich, hieß es.

In Vorarlberg ging die Lawinengefahr zwar etwas zurück, sie war oberhalb von 2.200 Metern aber auch am Mittwoch weiterhin "groß" (Stufe 4). Nach der Freigabe der Bregenzerwaldstraße (L200) am Mittwochvormittag waren wieder alle Vorarlberger Ortschaften auf dem Straßenweg erreichbar, die Arlbergbahnstrecke zwischen Bludenz und Landeck blieb aber weiterhin gesperrt. In Lech wurde die Suche nach dem vermissten Tourengeher fortgesetzt, der am Samstag von einer Lawine verschüttet worden sein dürfte. Die Suche war tags zuvor ergebnislos abgebrochen worden.

In Niederösterreich wurde die Lawinengefahr in den Hochlagen der Ybbstaler Alpen weiterhin als "groß" beurteilt. Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala galt oberhalb der Waldgrenze, darunter und in den übrigen Regionen Niederösterreichs wurde das Risiko als "erheblich" (Stufe 3) eingeschätzt. "Die Lawinengefahr nimmt deutlich ab", hieß es zur Tendenz. Für Donnerstag wurde ein Absinken auf Stufe 3 erwartet. Die Hochkar Alpenstraße im Bezirk Scheibbs war am Mittwoch wieder für Einsatzkräfte befahrbar. "Die Räumungsarbeiten haben bis 3.00 Uhr in der Früh gedauert", sagte Göstlings Bürgermeister Friedrich Fahrnberger (ÖVP). Am Vormittag wurden 150 Feuerwehrleute auf den Berg transportiert. Die Wetterlage verbesserte sich indessen. "Der Wind hat nachgelassen, es ist wolkenlos und schön", gab der Bürgermeister in Sachen Schneefall Entwarnung. Am Hochkar selbst waren umfangreiche Räumungsarbeiten im Gange. Die Alpenstraße blieb für den öffentlichen Verkehr weiterhin gesperrt.

In Oberösterreich entschärfte sich die Lage ebenfalls etwas. Die Lawinengefahr ging großteils zurück, war aber noch "erheblich" (Stufe 3). Das Bundesheer beendete etliche seiner Assistenzeinsätze, war allerdings noch in Gosau (Bezirk Gmunden) dabei, Schnee von Dächern zu schaufeln. Das Landesfeuerwehrkommando wollte am Donnerstag wieder mit 100 Mann, zwei Katastrophenzügen aus dem Bezirk Vöcklabruck, helfen. Die Arbeiten seien personell nicht mehr so aufwendig, verlangten aber Spezialgeräte, hieß es zur APA. Die großen Pässe im Süden des Landes - Pyhrnpass, Hengstpass, Koppenpass - waren weiterhin gesperrt, Obertraun war auf der Straße nicht erreichbar, Gosau nur von Salzburg aus.

Quelle: APA

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