Österreich

Projekt soll Nachbarn bei häuslicher Gewalt sensibilisieren

In Wien gibt es ein neues Projekt, das häuslicher Gewalt entgegenwirken soll. Die Initiative "StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt", die im und rund um den Gemeindebau Reumannhof in Margareten angesiedelt ist, will die Nachbarschaft im Rahmen regelmäßiger Frauen- und Männertische für das Thema sensibilisieren, wie bei einer Pressekonferenz am Montag erklärt wurde.

Das Projekt soll das Bewusstsein für Gewalt an Frauen erhöhen SN/APA (dpa)/Maurizio Gambarini
Das Projekt soll das Bewusstsein für Gewalt an Frauen erhöhen

"Frauen, die von ihrem Partner geschlagen und misshandelt werden, tun sich oft sehr schwer, zu einer offiziellen Beratungsstelle zu gehen. Viele schweigen viel zu lange", sagte Maria Rösslhumer vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, die die Initiative leitet. Das Projekt setze deshalb auf diejenigen, die den Opfern und Tätern am nächsten seien: ihre Nachbarn.

"Engagierte Nachbarn können Präsenz zeigen, sie schauen hin, sie drehen den Fernseher nicht lauter, wenn Schreie aus der Nachbarwohnung kommen, sondern hören hin", meinte Rösslhumer: "Manchmal kann ein Klingeln an der Tür schon Schlimmes verhindern."

Die Nachbarn wüssten oft, was sich in der Nebenwohnung abspiele, allerdings fehle vielen das Wissen oder der Mut, um einzugreifen, sagte Claudia Huemer vom Nachbarschaftsservice "Wohnpartner". Im Rahmen des Projekts werden daher regelmäßige Treffen organisiert, bei denen die Bewohner geschult werden und sich austauschen können.

Die Frauentische wird es ab 8. April alle zwei Wochen montags im Wohnpartner-Lokal im Reumannhof geben. Die Männertische starten in der ersten Aprilwoche, sie finden zweiwöchentlich am Donnerstag im nahe gelegenen Neunerhaus-Cafe statt.

Um das Bewusstsein für Gewalt an Frauen zu erhöhen, schlagen die Initiatoren weitere Maßnahmen vor: So könnten Schulen das Thema in den Unterricht integrieren und die Bezirksvertretung bzw. Sportzentren Deeskalationstrainings anbieten. Ein Platz im Bezirk könnte nach einer Frau, die von ihrem Mann ermordet wurde, umbenannt werden.

Die Initiative will eng mit der Polizei zusammenarbeiten. Hier brauche es mehr Personal, forderte Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery (SPÖ). Denn die Anzahl der Wegweisungen sei in Margareten um 25 Prozent gesunken. "Ich finde das Projekt unglaublich wichtig, denn ich glaube, es liegt alles an der Prävention", betonte sie.

Das Vorbild stammt aus Deutschland, wo es mittlerweile in vier Städten, darunter Hamburg, erfolgreich eingesetzt werde, erklärte die stellvertretende Bezirksvorsteherin Nikola Furtenbach (Grüne). In Margareten ist es vorerst auf drei Jahre angelegt. Die Kosten dafür betragen 270.000 Euro. Das Pilotprojekt ist allerdings noch nicht ausfinanziert. "Wir hoffen, dass uns die Stadt Wien noch unterstützt", sagte Rösslhumer. Langfristiges Ziel ist, die Initiative auf ganz Wien auszuweiten.

Quelle: APA

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