Österreich

Verwirrung über Schicksal des Hitler-Geburtshauses

Innenminister Wolfgang Sobotka will den jahrelangen Diskussionen um das umstrittene Gebäude ein Ende setzen. Doch wie das genau geschehen soll, ist weiter unklar.

Verwirrung über Schicksal des Hitler-Geburtshauses SN/APA (Fesl)/MANFRED FESL
Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau.

Das Schicksal des Geburtshauses Adolf Hitlers in Braunau sorgt für Verwirrung. "Das Hitler-Haus wird abgerissen", hatte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) in einem Interview mit der "Presse" erklärt. Er folge damit der Empfehlung der Expertenkommission. Diese erklärte hingegen, sie empfehle keinen Abriss.

"Die Kellerplatte kann bleiben, aber es wird ein neues Gebäude errichtet", wurde Sobotka zitiert. Dieses soll dann karitativ oder behördlich genutzt werden. Noch gibt es allerdings keinen Enteignungsbeschluss. Bereits am Dienstag werde Sobotka den parlamentarischen Prozess für die Verwirklichung dieses Vorhabens einleiten. Für die im Ministerrat Mitte Juli grundsätzlich abgesegnete Enteignung und Entschädigung der Besitzerin des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ist der Beschluss eines Bundesgesetzes erforderlich.

"In der Empfehlung steht nichts von einem Abriss", entgegnete der Braunauer Bürgermeister Hannes Waidbacher (ÖVP), Mitglied der Kommission. Tatsächlich empfehle die Kommission "eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung", die den "Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden" soll. Auch Cornelia Sulzbacher, die Leiterin des oberösterreichischen Landesarchivs, zeigte sich überrascht von der Abriss-Interpretation des Innenministers: "Wir haben empfohlen, das Geburtshaus in seinem Aussehen so zu verändern, dass es nicht mehr als Symbol verwendet werden kann und zu keiner Pilgerstätte wird."

Sobotka selbst erklärte am Abend in einer Aussendung, er teile die Ansicht der Kommission, "wonach eine tief greifende architektonische Umgestaltung sinnvoll ist, um sowohl den Wiedererkennungswert als auch die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft zu unterbinden". Dabei wäre nach Neugestaltung des Gebäudes eine soziale oder behördliche Nutzung denkbar. In jedem Fall solle aber keinerlei Verbindung zur Person Adolf Hitlers bestehen bleiben, da ansonsten der Mythos des Geburtshauses fortgeschrieben werden würde, so der Innenminister in der Aussendung.

Die Frage, ob Österreich mit dem Schleifen von Hitlers Geburtshaus in Braunau nicht eine Möglichkeit für das Aufarbeiten der NS-Zeit zunichte mache, beantwortet Sobotka so: "Wir haben eine funktionierende Gedenkkultur beispielsweise im KZ Mauthausen und werden sie auch im Haus der Geschichte in St. Pölten und in Wien haben. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit wird weiter gefördert werden."

Schon einmal, nämlich im Juni, hatte Sobotka den Abriss des Hauses angekündigt.

Quelle: SN, Apa

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