Österreich

Zwei tote Flüchtlinge in Kastenwagen an burgenländischer Grenze

An der burgenländisch-ungarischen Grenze sind am Dienstag zwei Flüchtlinge tot in einem Kastenwagen entdeckt worden. Die beiden Männer dürften die Schlepperfahrt über die Grenze nicht überlebt haben, bestätigte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland.

Die Lage an den europäischen Grenzen eskaliert. Immer mehr Migranten wollen nach Europa, auch auf illegalen Wegen. Am Dienstag hat es bei einem Schleppertransport an der österreichisch-ungarischen Grenze zwei Tote gegeben. In einem Kastenwagen, in dem sich 29 Männer aus Syrien befanden, erstickten zwei von ihnen. Soldaten des Bundesheeres hatten das Fahrzeug in der Siegendorfer Puszta im Bezirk Eisenstadt-Umgebung angehalten und kontrolliert, weil es ihnen verdächtig vorgekommen war. Als das Auto stoppte, wurde die hintere Tür des Kleintransporters aufgestoßen und gerufen: "Help, help!"

Daraufhin ergriff der Fahrer zu Fuß die Flucht. Die Soldaten bemerkten die beiden reglosen Flüchtlinge und versuchten sie zu reanimieren, allerdings ohne Erfolg. Die beiden Männer waren offensichtlich in dem Kastenwagen, in dem sie mit 26 anderen Personen gesteckt waren, erstickt. Die beiden ums Leben gekommenen Männer waren laut Polizei wohl bereits vor der Fahrt in einem schlechten körperlichen Zustand und dehydriert. Den anderen Flüchtlingen gehe es den Umständen entsprechend gut. Die 26 Männer benötigten keine ärztliche Hilfe. Sie wurden mit Wasser versorgt.

Nach dem Lenker wird gefahndet

Die Polizei leitete eine Großfahndung nach dem Lenker ein, an der auch Einsatzkräfte aus Ungarn beteiligt waren. Laut Polizeisprecher Heinz Heidenreich handelt es sich bei den Flüchtlingen um Syrer, allesamt Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren. Im Fahrzeug befanden sich keine Frauen und Kinder.

Die Siegendorfer Puszta, ein Landschafts- und Naturschutzgebiet unmittelbar an der Grenze zu Ungarn gelegen und nur wenige Kilometer vom Westufer des Neusiedler Sees bei Mörbisch entfernt, glich am Dienstagnachmittag einem Sperrgebiet. Von der Polizei weitgehend abgeriegelt, kreisten Hubschrauber über den Wäldern und Suchhunde waren unterwegs, um den flüchtigen Schlepper zu stellen. Man ging vorerst davon aus, dass er bewaffnet sein könnte.

Pro Woche werden mehrere hundert Flüchtlinge aufgegriffen

Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, sagte im Gespräch mit den SN: "Schlepper verwenden zurzeit vermehrt Kastenwagen, um über die Grenze zu kommen. Dabei sind sie leider sehr sorglos. Wir konnten Schlimmeres verhindern, weil die Schlepper normalerweise Flüchtlinge erst nahe Wien quasi rauswerfen. Da weiß man nicht, wie die Sache ausgegangen wäre." Denn die Fahrt hätte rund eine zusätzliche Stunde gedauert. Derzeit werden in Österreich mehrere Hundert Flüchtlinge pro Woche aufgegriffen, dieses Jahr bereits rund 30.000 - womit man auf dem Niveau von 2014 angekommen sei. Tatzgern: "Das Burgenland ist absoluter Schwerpunkt." Dies habe mit der Grenze zu Ungarn zu tun, über das die Balkanroute führe. Jene Flüchtlinge, die über Slowenien kämen, wollten nach Italien.

Migranten kommen über Belarus und Polen nach Deutschland

Aber nicht nur Österreich kämpft mit der illegalen Migration. Polen hat im September entlang der Grenze zu Belarus den Ausnahmezustand, angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen, verhängt. Die EU beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko als Reaktion auf Sanktionen Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern einzufliegen. In Belarus sollen sie dann den Weg in die EU antreten, um die Lage dort zu destabilisieren. Viele der Migranten kommen über Polen nach Deutschland. Seit August waren es laut Bundespolizei rund 4500 Flüchtlinge. Nun reagiert der deutsche Innenminister Horst Seehofer. In einem Schreiben an seinen polnischen Amtskollegen plädiert er für gemeinsame Grenzpatrouillen


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