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Älteste Stiege Europas wird zum Kino

Das kostbare Fundstück aus der Bronzezeit ist zurück im Salzstollen des Hallstätter Bergwerks. Nun dient die ehemalige Steighilfe der Bergleute als Kulisse für eine einmalige Inszenierung.

Der Fund der Holzstiege war weltweit eine Sensation.  SN/APA (Archiv/Gindl)/BARBARA GINDL
Der Fund der Holzstiege war weltweit eine Sensation.

Er heißt Udlo und arbeitet im Bergwerk. Heute wäre er für eine solche Arbeit zu jung. Doch vor 3000 Jahren gab es keine Arbeitsschutzgesetze. Im Salzbergwerk von Hallstatt war vom Kind bis zum Greis jeder für bestimmte Handgriffe und Arbeitsschritte verantwortlich. Die Bergleute bauten das Salz ab, sortierten es und transportierten die Brocken mithilfe von Tragesäcken ans Tageslicht. Kinder sorgten für die Ausleuchtung der Wege mit Leuchtspänen. Udlo zeigt dies.

Wie und wo er das macht, ist einzigartig: 400 Meter tief im Salzstollen können die Besucher von heute in einem Kino eine Zeitreise in die Bronzezeit machen. Die Spezialisten für Erlebniswelten der Firma Scenomedia haben gemeinsam mit den Archäologen des Naturhistorischen Museums Wien Geschichte und Wissenschaft spannend inszeniert. "Bühne" dafür ist die berühmteste Holzstiege der Welt.

Wir spulen den Film kurz zurück: In Hallstatt lässt sich bereits ab der Bronzezeit, spätestens ab 1500 v. Chr., der Salzabbau in großem Umfang nachweisen. Das Salz konserviert unter Luftabschluss im dunklen Berg leicht verrottbare Materialien wie Holz, Fell und Textilien. Das ermöglichte Archäologen, die seit 1960 den prähistorischen Bergbau untersuchen, immer wieder spektakuläre Funde. Zu diesen gehörte 2001 eine Holzkonstruktion. In der Bronzezeit befand sich die Stiege in einer riesigen Abbaukammer rund 100 Meter unter der Oberfläche. Über sie transportierten die Bergleute das Salz zum unteren Ende eines Förderschachts.

Die Stiege ist maßgeschneidert

Die Stiege ist etwas ganz Besonderes. Sie ist simpel, aber funktionell und maßgeschneidert für Hallstatt konstruiert. Sie ist einfach zu reparieren. Aufgrund ihres Baukastensystems kann sie jederzeit zerlegt und an einer anderen Stelle im Bergwerk wieder aufgebaut werden. Weltweit gibt es einen solchen Fund kein zweites Mal. Um diese bronzezeitliche Steighilfe erhalten und erforschen zu können, wurde sie in Teile zerlegt und aus dem Berg gebracht. "Der Bergdruck hätte die Stiege zerstört", sagt Hans Reschreiter, Grabungsleiter und Archäologe der Prähistorischen Abteilung des NHM. Da Luftfeuchtigkeit und Temperatur sowie Lichtverhältnisse unter Tage aber für das Holz optimal sind, sollte die Stiege an den Fundort zurückkehren. Gemeinsam mit den Salzwelten, der Salinen Austria AG, der Universität für Bodenkultur und dem Bundesdenkmalamt wurde nach einem Zukunftskonzept für sie gesucht.

Das Ergebnis ist ab jetzt zu sehen: Der Showblock im Bronzezeit-Kino, für das eine neue Kaverne gesprengt wurde, dauert etwa zehn Minuten. Den Anfang macht ein Dokumentarfilm, der die Arbeit der Archäologen zeigt. Nachdem die Leinwand hochgefahren ist, erzählt ein Film von Udlo und seiner Sippe. Als Projektionsfläche für die Animation dient eine Laserfolie mit Gitterstruktur, sodass das Originalschaustück - die Holzstiege - im Hintergrund sichtbar ist. Zur Abdichtung wurde zusätzlich zur Laserfolie eine spezielle transparente Schutzfolie gespannt, die zuvor im Münchner Fraunhofer Institut genau auf Tauglichkeit untersucht worden war. "Ursprünglich war eine Glasvitrine geplant. Doch das ließ sich im Berg nicht umsetzen. Nun sorgt die Folie dafür, dass die Atemluft der Besucher und damit Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen nicht an die Stiege herankommen. Sensoren überwachen das Klima", erklärt Hans Reschreiter. Entstaubt wird die Folie übrigens mit Straußenfederwedeln, wie sie in der Autoindustrie vor dem Lackieren von Karosserien verwendet werden.

Insgesamt wurden für die neue Attraktion 600.000 Euro investiert. www.salzwelten.at/de/hallstatt

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