Wissen

Brustkrebs: Sieben Jahre Therapie sind optimal

Eine österreichische Studie für postmenopausale Patientinnen setzt weltweit eine neue Richtlinie.

Die Freude der Krebsforscher und Mediziner war am Donnerstag groß: Sie konnten mit einer Nachricht an die Öffentlichkeit gehen, die dem Wohl von Frauen dient, die an einer speziellen Art von Brustkrebs erkrankt sind.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Von den 5500 Patientinnen, die jedes Jahr in Österreich eine Behandlung brauchen, haben 500 bis 600 Frauen im letzten Abschnitt des Klimakteriums eine Krebsform, die auf Hormone reagiert. Die Hormone Östrogen und Progesteron können das Wachstum von Brustkrebszellen beeinflussen. Solche Tumore müssen mit Medikamenten behandelt werden, die die Hormone entziehen. Das hat für die Frauen erhebliche Nebenwirkungen bis hin zu schweren Fällen von Knochenschwund. Eine über 16 Jahre hinweg geführte, österreichische Studie mit 3484 Patientinnen ergab, dass eine sieben Jahre dauernde Anti-Hormon-Therapie bei Frauen mit einem niedrigen oder mittleren Risiko, im Lauf der Jahre nach der ersten Behandlung ein sogenanntes Rezidiv zu bekommen, das beste Ergebnis zeigt. Frühere Ansätze gingen von einer zehnjährigen Therapiezeit aus. Ob die Behandlung auch für Hochrisikopatientinnen geeignet ist, muss eine neue Studie klären.

Dies berichteten Michael Gnant vom Comprehensive Cancer Center der Medizinischen Universität Wien, Marija Balic von der Klinischen Abteilung für Onkologie der Grazer Universitätsklinik für Innere Medizin, Richard Greil vom Onkologischen Zentrum der III. Medizinischen Universitätsklinik Salzburg, zudem Leiter des Salzburg Cancer Research Institute, sowie Christian F. Singer, Leiter des Brustgesundheitszentrums an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien am AKH, "Das ist ein Meilenstein und für die Frauen von großer Bedeutung. Das reduziert Leid", sagten Michael Gnant, Marija Balic und Christian F. Singer. Richard Greil erklärte, dass man eine solche Therapie dennoch individuell an die jeweilige Patientin anpassen müsse: "Onkologie ist keine Kochbuchmedizin. Jeder Mensch muss individuell gesehen werden. Dennoch gibt uns das Ergebnis dieser Studie eine Richtlinie an die Hand." Er betonte zudem, dass die österreichische Krebsforschung im internationalen Vergleich vordere Plätze belege, diese Forschung aber "schwierig zu finanzieren ist. Der Staat stellt keine Förderprogramme zur Verfügung. Wir behaupten uns durch hohen Einsatz und Ideenreichtum."

Die Studie führte die "Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group" in 75 Zentren in Österreich durch. Die Arbeit wurde im renommierten "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.


Aufgerufen am 23.10.2021 um 10:37 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/brustkrebs-sieben-jahre-therapie-sind-optimal-107285434

Kommentare

Schlagzeilen