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Die Venus erhält doppelten Besuch

Erstmals ist es möglich, den Planeten parallel aus zwei unterschiedlichen Positionen zu untersuchen.

Die beiden Raumsonden "Solar Orbiter" und "BepiColombo" schreiben mit zwei Vorbeiflügen an der Venus im Abstand von nur 33 Stunden am 9. und 10. August Weltraumgeschichte. Das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist an insgesamt fünf Messgeräten beteiligt und wartet gespannt auf die Daten. Die Anziehungskraft der Venus wird für eine Bahn- und Geschwindigkeitsänderung genutzt. "Um ihre Ziele im Zentrum des Sonnensystems erreichen zu können, müssen die Raumsonden Bahnenergie verlieren", sagt IWF-Direktor Wolfgang Baumjohann, unter dessen wissenschaftlicher Leitung eines der Magnetometer an Bord von "BepiColombo" entwickelt wurde.
Der doppelte Vorbeiflug bietet die erstmalige Gelegenheit, die Umgebung der Venus aus zwei unterschiedlichen Positionen teilweise gleichzeitig zu untersuchen. Beide Raumsonden sollen Daten über das Plasma in der Umgebung der Venus sammeln. "Die Wissenschafter sind froh, denn sie bekommen Datensätze von der Venus aus unterschiedlichen Blickwinkeln", sagt der Leiter des ESA-Missionsbetriebs im Kontrollzentrum in Darmstadt, Simon Plum.

"Solar Orbiter" flog am Montagvormittag in einer Entfernung von 7995 Kilometern an der Venus vorbei. An der gegenüberliegenden Planetenseite erreicht "BepiColombo" am 10. August um 15.48 Uhr in nur 550 Kilometern Höhe die geringste Distanz. Auf ihrem Weg zum Merkur, dem geheimnisvollen innersten Planeten des Sonnensystems, braucht diese Raumsonde Vorbeiflüge an Erde, Venus und Merkur selbst sowie das solarelektrische Antriebssystem der Sonde, um gegen die gewaltige Anziehungskraft der Sonne in die Merkurumlaufbahn zu steuern. Mit zwei Satelliten an Deck soll sie ab Dezember 2025 die Oberfläche und das Magnetfeld des Himmelskörpers untersuchen.

Die rund 1,5 Milliarden Euro teure Weltraumsonde "Solar Orbiter" der ESA und der US-Raumfahrtbehörde NASA war im Februar 2020 von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida gestartet. An Bord des 1,8 Tonnen schweren Orbiters sind zehn wissenschaftliche Instrumente. Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Sonne und das Magnetfeld. "Solar Orbiter" soll bis auf 42 Millionen Kilometer an die Sonne heranfliegen.

Die Sonde hat bereits erste Filme von Partikeleruptionen aus der Sonnenatmosphäre aufgenommen. Solche starken Sonnenwinde können das Weltraumwetter beeinflussen. Bei Planeten mit Atmosphäre können die Teilchen Polarlichter, aber auch technische Probleme auslösen.

Beide Sonden fliegen auf ihrer Reise mehrfach und geplant an Planeten vorbei, um abgebremst zu werden. Der "Solar Orbiter" wird im November zum letzten Mal die Erde passieren. Ohne diese Manöver würden die Sonden in Richtung Sonne durch die Anziehungskraft immer weiter beschleunigt werden.

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