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Eine Müllinsel im Meer größer als Indien

Ökokatastrophe. Im Pazifik wird eine riesige Anhäufung von Plastikabfall untersucht.

Eine Müllinsel im Meer größer als Indien SN/sn

Zu einer höchst ungewöhnlichen Expedition soll gestern, Montag, der französische Forscher Patrick Deixonne von den USA aus aufgebrochen sein: Der 48-Jährige will den sogenannten siebten Kontinent erforschen, der im Pazifischen Ozean liegt. Dieser "Kontinent" zwischen Kalifornien und Hawaii ist eine gigantische Anhäufung von Müll, vor allem von Plastikabfällen. Die besagte Kumulierung von Müll im Meer ist von ihrem Ausmaß größer als Indien und noch weitgehend unerforscht. Ein riesiger Wirbel hält den Mist, der von den Küsten und aus Flüssen in die Gewässer zwischen Kalifornien und Hawaii getrieben wird, dort fest.

Patrick Deixonne, der "Vater" der Expedition, war während einer Rudertour im Jahr 2009 auf die Abfallansammlung im Pazifik gestoßen: "Ich sah plötzlich all diesen Plastikmüll um mich herum. Ich habe mich gefragt: Wohin treibt das nur alles?" Zurück an Land begann der 48-Jährige zu recherchieren und fand die Antwort: Die Plastiküberreste vermengen sich am Treffpunkt von zwei Meeresströmungen, die auf die Erdrotation zurückzuführen sind und einen immensen Wirbel bilden.

Laut deutschem Umweltbundesamt sind es bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall, die in den Meeren liegen, schwimmen oder an die Strände treiben. Millionen Tonnen Müll treiben allein in den fünf großen Strudeln der Weltmeere, der Schmutz wird dabei langsam in deren Zentrum gezogen. Das Problem für die Wissenschafter besteht darin, dass diese "Suppe" vor allem aus Mikroüberresten aus Plastik zusammengesetzt ist, die unter der Wasseroberfläche schweben - manchmal in 30 Metern Tiefe. Diese Müllgebiete sind daher von Satelliten aus kaum auszumachen, sondern nur vom Boot aus sichtbar.

Die Oberfläche des "siebten Kontinents" im Pazifik umfasst nach Angaben der französischen Weltraumagentur CNES rund 3,4 Millionen Quadratkilometer. Weil dieser Müll in Gewässern treibe, die weder für die Schifffahrt noch für den Tourismus von besonderem Wert seien, "interessiert das Problem nur Umweltschützer und Wissenschafter", klagt Deixonne, der früher als Feuerwehrmann im französischen Überseegebiet Guyana gearbeitet hat und nun Mitglied der französischen Erforschervereinigung ist.

Seit der zufälligen Entdeckung des Mega-Abfallstrudels durch den US-Meeresforscher Charles Moore 1997 wurde die Plastikmüllbank im Pazifik nur in wenigen Studien auf ihre Umweltfolgen für das Meer untersucht. Deixonne will nun diese "ökologische Katastrophe" international bekannt machen, indem er vor Ort wissenschaftliche Untersuchungen anstellt und Bilder aufnimmt.

Quelle: (sn, Afp).

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