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Muss man ständig erreichbar sein?

Die Salzburgerin Angelika Ahrens arbeitete an der Wall Street, moderierte 15 Jahre für den ORF und tanzte sich bei den "Dancing Stars" ins Semifinale. Nun ruft sie dazu auf, die Verabredung mit dem eigenen Leben nicht zu versäumen.

Angelika Ahrens unterrichtet „Belastbar und fit-Yoga“. SN/barbara wirl
Angelika Ahrens unterrichtet „Belastbar und fit-Yoga“.

Die Dame hat Gas gegeben in ihrem Leben. Angelika Ahrens hetzte von einem Termin zum nächsten, der Redaktionsschluss bestimmte ihren Terminkalender. Irgendwann rächte sich ihr Körper. Im Gespräch über ihr neues Buch "Belastbar & Fit" wirkt sie gelassen, nimmt tiefe Atemzüge und erzählt, wie "digitales Entgiften" funktionieren kann.

Frau Ahrens, wann haben Sie heute zuletzt auf Ihr Handy geschaut? Ahrens: Da muss ich nachdenken.

Ein gutes Zeichen? Ja! Ich habe vor etwa einer Stunde einen Blick auf das Handy geworfen, um zu sehen, wie viel Uhr es ist.

Sie sprechen in Ihrem Buch vom "Digital Detox" - das Handy auch einfach einmal weglegen. Gerade im Berufsalltag ist das Smartphone für viele unverzichtbar. Welche Alternativen gibt es? Die grundlegende Frage ist: Muss man ständig erreichbar sein? Wir haben so viele Kanäle, über die wir ständig kommunizieren. Hier sollten wir abspecken, auch in der Arbeit. Einmal persönlich zu einem Kollegen ins nächste Büro gehen verschafft uns digitalen Abstand und gleichzeitig Bewegung.

Welche Folgen könnte die digitale Überforderung für uns haben? In Florida gibt es ein Institut, in dem Chiropraktiker nur Folgen des Handywahnsinns behandeln. Dort reiben sie sich bereits die Hände, weil sie davon ausgehen, dass die Folgeschäden zunehmen. Wenn wir sitzen, belasten wir unsere Bandscheiben mit etwa 90 Kilogramm. Durch das Herabschauen auf ein Smartphone packen wir allein bis zu 27 Kilogramm zusätzlich in unseren Nacken.

Was sollten wir dagegen tun? Die beste Haltung ist immer die nächste. Abwechslung ist wichtig: einmal stehen, einmal sitzen.

Sie sind gelernte Bankkauffrau, haben an der Wall Street gearbeitet, waren als Moderatorin tätig. Wann haben Sie beschlossen, gegenzusteuern? Wenn man für die Nachrichten arbeitet, ist man ständigem Stress ausgeliefert. Eine Stunde vor Sendetermin kann es schon einmal sein, dass man seinen Beitrag wegwerfen muss, weil etwas Neues passiert ist. Ich bekam irgendwann Probleme mit meiner Wirbelsäule und besuchte im Jahr 1999 zufällig eine Yogastunde. Danach ging es bergauf. Irgendwann wollte ich wissen, warum ich nach dem Yoga immer Energie zum Bäume ausreißen habe. Also habe ich parallel zum Moderieren eine Yoga-Ausbildung gemacht.

Sie erzählen in Ihrem Buch von einem Experiment, bei dem Kühe mit "Perfect Day" von Lou Reed mehr Milch gaben als Kühe ohne Musikbeschallung. Langsame Musik scheint Stress zu mindern. Ist das ein Aufruf zu mehr Musik im Alltag? Ja, das ist es! Es gibt aber einen Unterschied in der Art der Musik: Je nachdem, ob man schon Stress hat oder nicht, sollte man unterschiedliche Musik wählen. Wenn wir akut Stress haben, sollten wir Musik hören, in der es ebenfalls zur Sache geht. Wenn wir entspannen wollen, brauchen wir etwas Langsameres. Man braucht etwas, was einen in dem Moment abholt, wo man gerade ist.

Welche ist die größte Erkenntnis Ihres Lebens? Wir haben nur diesen einen Körper und müssen auf uns selbst schauen. Wir können unseren Körper nicht an der Supermarktkassa umtauschen. Indem man auf sich selbst schaut, vertraut man sich mehr. Meistens haben wir Antworten auf Fragen in uns. Ablenkung führt dazu, dass wir zu wenig im gegenwärtigen Moment sind. Wir sollten uns öfter mit unserem Leben verabreden!


Buchtipp:Angelika Ahrens: "Belastbar & Fit", 167 S., 19,95 €, Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2018.

Aufgerufen am 10.12.2019 um 03:34 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/muss-man-staendig-erreichbar-sein-26057398

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