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Österreicher schlafen immer schlechter

Sich stundenlang im Bett wälzen und erschöpft aufwachen: Die Qualität des Schlafs lässt immer mehr zu wünschen übrig. Salzburger Schlafforscher starten jetzt eine Umfrage zum Thema Schlaf, bei der jeder mitmachen kann.

Am Freitag, den 16. März ist Weltschlaftag. SN/stockadobe.com
Am Freitag, den 16. März ist Weltschlaftag.

Die Menschen in Österreich schlafen pro Nacht im Schnitt sieben bis acht Stunden, an Arbeitstagen etwas kürzer, dafür am Wochenende länger. Eine Onlineumfrage mit 1000 Personen in ganz Österreich im Alter von 18 bis 65 Jahren der Medizinuniversität Wien hat das ergeben. Es zeigte sich, dass 38 Prozent der Befragten regelmäßig untertags ein Nickerchen halten. Vor zehn Jahren taten das bei einer ähnlichen Umfrage nur 20 Prozent.

30 Prozent der Befragten klagen heute über regelmäßige Einschlafstörungen. Vor zehn Jahren waren es gerade einmal sechs Prozent. "Einschlafstörungen sind es dann, wenn man regelmäßig nachts länger als 30 Minuten zum Einschlafen braucht", erklärt Studienleiter Stefan Seidel vom Schlaflabor der Universitätsklinik für Neurologie. Er hat gemeinsam mit dem Neurologen Gerhard Klösch und der Epidemiologin Eva Schernhammer vom Zentrum für Public Health der Uni die Umfrage durchgeführt.

Noch häufiger als die Einschlafstörung ist die Durchschlafstörung verbreitet. Daran leiden mehr als die Hälfte aller Befragten. Man spricht von ihr, wenn Menschen nachts grundlos aufwachen und sich schlaflos im Bett wälzen. Vor zehn Jahren litten daran nur 25 Prozent der Österreicher.

Schlafstörungen auf dem Vormarsch

Die Ursachen für das Nicht-einschlafen-Können und das Nicht-durchschlafen-Können sind nach Meinung der Schlafforscher ähnlich: Meistens vertreibt eine innere Unruhe des Menschen Schlaf. Das hat jeder Mensch schon einmal erlebt: dass er im Bett liegt und grübelt und nicht einschlafen kann und sich das Gehirn über viele verschiedene Dinge zermartert, man eigentlich einschlafen will, aber nicht kann. "Und dadurch kommt das Gehirn einfach nicht zur Ruhe", erklärt Seidel. Erst dann kämen bei solchen Schlafstörungen andere, aber viel seltenere Faktoren ins Spiel wie Angst oder Schmerzen.

Auch der Salzburger Schlafforscher Manuel Schabus vom Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften der Universität Salzburg beschäftigt sich schon lange mit den möglichen Ursachen dafür, dass unser Schlaf immer schlechter wird. Er startet deshalb heute, Freitag, am Internationalen Tag des Schlafs, die Onlineumfrage "Wie schläft Österreich?". Unter www.sleeplounge.net beantwortet man Fragen zu seinen Schlafgewohnheiten, Schlafproblemen oder ob man eher ein Abend- oder Morgenmensch ist und sieht, wo man im Vergleich in Österreich liegt.

Die schlechte Schlafqualität habe ganz allgemein etwas mit der andauernden Reizüberflutung zu tun, der moderne Menschen ausgesetzt sind, erklärt dazu Schabus. Das Gehirn könne nie ganz abschalten. Als sogenannte Hilfsmaßnahme verwenden viele Menschen Alkohol, was aber tatsächlich das Gehirn nur vorübergehend betäubt.

Ähnliches gilt für Schlafmittel. "Man schläft bei hohem Alkoholkonsum schnell ein, aber kann meist nicht durchschlafen. Das Gleiche gilt bei Schlafmitteln", erklärt der Schlafforscher. Kontraproduktiv seien auch körperliche Aktivitäten wie Abendsport. "Es gibt eine einzige Ausnahme, das ist Sex", sagt Schabus. Sexuelle Aktivitäten nämlich seien erwiesenermaßen schlaffördernd.

Übrigens: Regelmäßig unausgeschlafen zu sein sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. 50 Prozent der Betroffenen sind tagsüber in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Neben Konzentrationsschwierigkeiten und Gereiztheit können auch körperliche Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme auftreten.

Phasen der Müdigkeit tagsüber deuten nicht unbedingt auf einen krankhaften Zustand hin. So sorgt der natürliche biologische Rhythmus z. B. für das sogenannte Nachmittagstief. Aber "wenn man tagsüber plötzlich einen zwingenden Schlafdrang hat und sich sofort hinlegen muss oder wenn man in sozial problematischen Situationen einschläft, dann sollte man sich medizinisch untersuchen lassen", rät Seidel.

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