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Parasiten: Schauerliche Schmarotzer

Unter allen lebenden Quartiergebern ist der Mensch das erste Haus am Platz. Kein Tier gewährt so vielen Parasiten Unterschlupf. Es gibt Kurzbesucher und Dauergäste, einige manipulieren gar den Direktor des Hotel Mensch.

Parasiten: Schauerliche Schmarotzer SN/Sebastian Kaulitzki - Fotoalia
Krätzmilbe, ein spinnenartiger Parasit.

Frau T. hat aus ihrem Urlaub etwas mitgebracht. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Afrika entdeckte der Arzt, bei dem sie zu einer Kontrolle war, das feine Reiseandenken. Amöben! Mit verunreinigtem Wasser oder zu wenig gewaschenem Gemüse schleichen sich diese einzelligen Parasiten in den Körper. Weil im Darm das Klima für sie gut passt, bleiben sie gleich dort. Sie können Probleme bereiten, müssen aber nicht. Bei Frau T. ging es gut aus.

Charakteristisch für Parasiten ist: Sie ernähren sich von einem fremden, meist viel größeren Lebewesen, das man als Wirt bezeichnet. In der Regel nutzen sie den Wirt aus, bringen ihn aber nur selten um. Sie würden ja ihren Kostgeber verlieren.

Krätzemilben gehören mit ihren acht Beinen zu den spinnenartigen Parasiten und kommen auch in unseren Breiten vor. Sie werden etwa einen halben Millimeter groß. Die Weibchen graben für die Eiablage kleine Tunnel in die Oberhaut. Dadurch entstehen Juckreiz, Rötungen und Pusteln - typische Symptome der Krätze. Mit mangelnder Sauberkeit hat ein Befall wenig zu tun, überall, wo viele Leute zusammenkommen, breiten sie sich aus. Schon bei Verdacht auf einen Befall ist der Besuch von Kindergarten oder Schule verboten.

Bandwürmer gibt es weltweit in 3500 verschiedenen Ausführungen, bedeutsam sind vor allem zwei Arten. Der Rinderbandwurm, den etwa 70 Millionen Menschen in sich tragen. Und der Schweinebandwurm, an dem zehn Millionen Menschen leiden. Rohes Fleisch ist die Infektionsquelle. Die Larven haken sich an der Darmwand fest und werden dort erwachsen. Die Beschwerden halten sich allerdings in Grenzen, weniger Appetit und Gewichtsverlust sind oft die einzigen Anzeichen. Schlimmer ist es, wenn sich Menschen nicht mit den Larven, sondern mit den Eiern des Bandwurms anstecken, denn die nisten sich in Muskeln und Organen ein. Wegen der konsequenten Fleischuntersuchung sind Bandwürmer in westlichen Ländern sehr selten.

In den Tropen sind die schauerlichsten aller Schmarotzer unterwegs. Nehmen wir den Fadenwurm Onchocerca volvulus in Afrika und Südamerika. Ein Stich von der Kriebelmücke, schon ist die Larve im menschlichen Körper. Die Würmer wachsen heran, werden bis zu 70 Zentimeter lang und leben jahrelang in kleinen Knötchen in der Unterhaut. Währenddessen produzieren sie Nachkommen. Wandern die in die Hornhaut des Auges ein, wird der Mensch blind. Flussblindheit heißt die Krankheit, denn die übertragenden Mücken leben nur in der Nähe fließender Gewässer. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation haben mehr als eine halbe Million Menschen durch den Fadenwurm Onchocerca volvulus ihr Augenlicht verloren.

Die Bilharziose ist eine Krankheit, von der beispielsweise viele Reisbauern betroffen sind, die oft im Nassen stehen müssen. Schnecken verbreiten die Larven eines Pärchenegels namens Schistosoma im Wasser. Geht dann ein Mensch hinein, bohren sich diese Larven in die Haut. Die Bohrlöcher entzünden sich heftig. Über die Blutbahn schwimmen die Larven zur Leber. Dort bleiben sie bis zu ihrer Geschlechtsreife. Als erwachsene Würmer suchen sie sich ein neues Organ, oft ist es die Harnblase, seltener der Darm. Ohne Therapie leben die Pärchenegel bis zu zehn Jahre im Körper und verursachen unterschiedlichste Beschwerden. Mindestens 300.000 Menschen sind betroffen.

Der Einzeller, der von Auslandsreisen am häufigsten mit nach Hause gebracht wird, heißt Giardia lamblia (s. Bild S. 1). Etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung trägt ihn im Darm mit sich herum. Sorgen macht er bei der Wasseraufbereitung. Nicht einmal mit Chlor kann man ihn umbringen. Darum erfolgt die Infektion meist über das Trinkwasser. Nur Ultrafiltrierung hilft. Für gesunde Menschen ist er aber nicht sehr gefährlich.

Anders bei Trypanomosa brucei. Dieser Parasit gelangt nach einem Stich der Tsetsefliege in den Körper, erobert dann die Lymphbahnen und Blutgefäße. Nach etwa einem halben Jahr erreicht er sein Ziel im Menschen: das Gehirn. Dort verursacht er die tödliche Schlafkrankheit.

Der größte Killer unter den tropischen Parasiten heißt Plasmodium, ein Einzeller, der von der Anophelesmücke übertragen wird. Plasmodien sind so klein, dass sie sich in den roten Blutkörperchen einnisten können. Dort reifen sie heran und vergrößern sich. Irgendwann platzen die roten Blutkörperchen. Das ist der Zeitpunkt, an dem Fieber und Schüttelfrost auftreten. Der Name der Krankheit: Malaria. Pro Jahr sterben eine Million Menschen daran, 75 Prozent davon sind Kinder.

Auch bei uns lauern kleine Parasiten. Bei Gartenarbeit beispielsweise oder dem Umgang mit Katzen kann es zur Ansteckung mit Toxoplasmen kommen, deren Lebensweg sehr trickreich ist: Eine Maus nimmt den Einzeller mit der Nahrung auf. Wird sie dann von einer Katze gefressen, sind die Toxoplasmen in ihrem Hauptwirt angekommen. Dazu tragen die Parasiten auf listige Art etwas bei. In der Maus wandern sie geradewegs in jene Hirnregion, die Gefühle und Angst steuert. Als Folge davon verkehrt sich die angeborene Furcht der Nager vor Katzenduft in ihr Gegenteil: Sie wird zur tödlichen Vorliebe. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Maus einer Katze zum Opfer fällt und der Parasit zurück zu seinem Hauptwirt gelangt. Clever für einen Einzeller.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 02:07 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/parasiten-schauerliche-schmarotzer-5973007

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