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Privatunis wollen Unis heißen

In Österreich gibt es 13 Privatuniversitäten mit insgesamt 10.200 Studenten. Nicht alle verlangen saftige Studiengebühren. Manche sind jedoch weniger privat, als es den Anschein hat.

Jazzpianist Paul Urbanek (r.) unterrichtet an der Jam Music Lab Private University. SN/jam music lab
Jazzpianist Paul Urbanek (r.) unterrichtet an der Jam Music Lab Private University.

Volle Hörsäle, Knock-out-Prüfungen und viele Stunden im Selbststu dium vor dicken Wälzern - so sieht der typische Alltag vieler Jusstudenten in Österreich aus. Stella Galehr erzählt hingegen von Seminaren in Kleingruppen mit maximal 25 Teilnehmern, individueller Prüfungsbetreuung und angeleiteten Schnupperstunden bei Gericht und in renommierten Anwaltskanzleien.

Die 19-jährige Vorarlbergerin studiert zwar auch Rechtswissenschaft - allerdings an keiner öffentlichen Uni. Galehr zählt zur ersten Generation von 50 angehenden Juristen, die im Vorjahr ihr dreijähriges Bachelorstudium an der Sigmund-Freud-Uni (SFU) in Wien begonnen haben. Heuer kamen 26 neue hinzu, die laut Dekan Bernd-Christian Funk neben "einer profunden juristischen Ausbildung in Kommunikation und in außergerichtlicher Streitschlichtung" geschult werden.

Das hat seinen Preis: 8000 Euro pro Studienjahr, insgesamt also 24.000 Euro, kostet der Bachelor juris an der SFU. Die zwei Jahre Masterstudium zusätzlich, die man braucht, um Anwalt oder Richter werden zu können, sind da nicht eingerechnet. Im Falle von Jusstudentin Galehr kommen ihre Eltern für die Studiengebühren auf. "Ich habe mich bewusst für die SFU entschieden, weil die Studierenden hier das Studium aktiv mitgestalten können. Hier bin ich ein Gesicht und nicht bloß eine Matrikelnummer", sagt sie.

Seit 1999 dürfen Privatuniversitäten gegründet werden, seit Mitte der 2000er werden es immer mehr. Mittlerweile gibt es 13 Privatuniversitäten mit rund 10.200 Studierenden, 1900 Absolventen und 3200 Studienanfängern pro Jahr. Wer glaubt, dass nur Kinder aus reichem Elternhaus an Privatunis studieren, irrt. Wie eine Erhebung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) zeigt, weisen Studierende an Privatunis in etwa dieselbe soziale Durchmischung auf wie an öffentlichen Unis. Unterschiede kann man lediglich am Bildungsgrad der Eltern ausmachen. So stammt jeder zweite Privatuni-Student aus einer Akademikerfamilie. Auf Studierende an öffentlichen Unis und an Fachhochschulen (FH) trifft das nur auf 38 bzw. 24 Prozent zu.

Nicht an jeder Privatuni sind saftige Studiengebühren zu bezahlen. So verlangen beispielsweise die Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz oder die UMIT, die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik in Hall in Tirol, nicht mehr als die 363,36 Euro pro Semester, die auch an vielen FH üblich sind. Diese Privatunis werden maßgeblich von den jeweiligen Bundesländern finanziert. Oliver Vitouch, Präsident der Konferenz der öffentlichen Unis, fordert, dass sich nur jene privaten Hochschulen Universitäten nennen dürften, die nennenswerte Forschungsleistung erbrächten.

Karl Wöber, der Präsident der Österreichischen Privatuni-Konferenz, hätte nichts dagegen, das Wort "privat" aus den Namen der Privatunis zu streichen. Er fordert, dass im Gegenzug dieselben Regeln für öffentliche Unis und FH wie für Privatunis gelten sollten. Das brächte mit sich, dass auch sie ihre kostenpflichtigen Lehrgänge alle fünf Jahre reakkreditieren lassen müssten.

Die Jam Music Lab Private University in Wien hat das wieder in fünf Jahren vor sich. Sie wurde als Privatuni erst im Februar zugelassen. Als Konservatorium, das auf Jazz und Popularmusik spezialisiert ist, hat sie Rektor Marcus Ratka mit Mitstreitern bereits 2011 gegründet. Student Martin Zaunschirm hat schon damals dort beim österreichischen Jazzpianisten Paul Urbanek Klavier zu studieren begonnen, nachdem er an der öffentlichen Musikuni in Wien nicht aufgenommen worden war. Nun setzt der 26-jährige Kremser mit dem Masterstudium in Instrumental- und Gesangspädagogik an der neuen Universität fort. "Gäbe es die Jam nicht, wäre ich heute wohl kaum Profimusiker mit bis zu 150 Auftritten pro Jahr", sagt er. Deshalb seien die 4350 Euro Studiengebühr, die er nun pro Semester bezahlt, auch gut investiert. Denn die Jam biete ihren 200 Studierenden neben der klassischen Ausbildung zum Profimusiker und zum Musikpädagogen über eine hauseigene Agentur Begleitung in den Berufseinstieg. Für Hochbegabte, die sich die Studiengebühren nicht leisten könnten, gebe es Stipendien. "Wir weisen niemanden ab, der sich das Studium nur aus Geldgründen nicht leisten kann", betont Rektor Ratka.

Das handhabt die Paracelsus Privatuniversität (PMU) in Salzburg ebenso. Auch dort wird unterstützt, wer die Kosten bis zu 14.700 Euro pro Studienjahr nicht aufbringen kann. Seit Herbst kann man dort nicht nur Humanmedizin und Pflegewissenschaften, sondern auch Pharmazie studieren. 26 Studenten aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg haben sich heuer dazu entschieden. Sie erlernen hier neben dem Rund-um-Programm in Pharmazie etwa auch die Grundlagen der Betriebswirtschaft und der Präsentationstechniken. "Unser Ziel ist, sie adäquat als Apotheker und für die Pharmaindustrie sowie die Forschung auszubilden", sagt PMU-Sprecher Gottfried Stienen. Dazu wird in einem Jahr auch das neue Laborgebäude dienen, das gerade um 22 Millionen Euro gebaut wird. "Das werden neue Institute und moderne Laborplätze."

Aufgerufen am 15.10.2018 um 07:18 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/privatunis-wollen-unis-heissen-20728906

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