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Städte besser für die Zukunft rüsten

Häuser und Straßen sollten flexibler und für die nächsten Generationen geplant werden.

Städte besser für die Zukunft rüsten SN/fotolia
Im Städtebau müssen mehr und mehr außer wirtschaftlichen langfristige soziale und umweltspezifische Aspekte in Einklang gebracht werden.


Für 2050 ist prognostiziert, dass 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten wohnen und arbeiten werden. Das stellt große wie kleine Siedlungen vor Herausforderungen. Ressourcen können knapp werden. Der Energieverbrauch steigt. Rasantes Wachstum und Klimawandel verschärfen die Situation. Es braucht mehr Wohnraum und gut durchdachte Verkehrskonzepte. Weltweit gibt es daher unzählige Projekte, die sich mit diesen Schwierigkeiten beschäftigen. Ziel der meisten ist eine nachhaltige Siedlungsentwicklung.

Woran muss bei Planungen gedacht werden? Genügt es, für eine Generation zu denken? Klaus Dosch, Wirtschaftsingenieur, Geologe und wissenschaftlicher Leiter der privaten Aachener Stiftung Kathy Beys, sagt Nein und erklärt das an zwei Beispielen: "Bislang war es so, dass man auf geringen Energieverbrauch während der Nutzungszeit Wert legt. Doch das ist zu kurz gedacht. Häuser stehen 50 bis 100 Jahre lang. Das bedeutet, man muss intensiver darüber nachdenken, wie man sie baut und wie die Straßen dazu aussehen müssen." Klaus Dosch und seine Kollegen arbeiten derzeit gemeinsam mit zwei Gemeinden sowie der RWE Power AG an Bauvorhaben. Der Verbrauch an Energie und anderen Ressourcen soll über ihren gesamten Lebenszyklus von rund 50 bis 100 Jahren möglichst gering gehalten werden.

In den Projekten geht es nicht nur um optimale Baumaterialien, wie Klaus Dosch berichtet: "Das Erste ist, dass wir flexibler bauen müssen. Das normale Haus hat unten einen Wohn- und Essbereich, oben Schlaf- und Kinderzimmer. Doch das ist nicht zielführend. Das passt nur, solange die Familie jung ist. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, hat man oben leere Zimmer, die man nicht vermieten kann. Im Alter muss man vielleicht ganz nach unten ziehen. Die nächste Generation benötigt wieder Räume, die anders angelegt sind. Wir brauchen also langfristiges Denken und flexible Architektur. Das spart bei notwendigen Umbauten viel Material und Energie." Auch an die Straßen ist zu denken. Straßen in Wohngebieten sind in der Regel asphaltiert. Doch lohnt es sich, nachzurechnen, ob nicht anderes Material verwendet werden kann, da Autos hier langsamer fahren. "Man könnte also Recyclingmaterial für den Unterbau nehmen statt des teuren Schotters, und die Fahrbahn aus Betonstein oder recycelten Pflastersteinen bauen. Das alles kostet weniger Energie. Zudem muss man Asphalt alle 30 Jahre erneuern. Pflastersteine könnte man einzeln ergänzen."

Den Untersuchungen der Wissenschafter nach hat sich für den Hausbau Holz als bestes Material erwiesen. Es ist nachwachsend und langlebig. Während des Wachstums entzieht es der Atmosphäre mehr CO2, als bei der Weiterverarbeitung freigesetzt wird. Man kann damit flexibel bauen. Moderne Verfahren sorgen dafür, dass es weder an Dämmung mangelt, noch die Feuergefahr größer ist als bei Stahlbauwerken.

Vorzeigeprojekte gibt es: Im Londoner Stadtteil Hackney steht ein Holzhaus mit neun Stockwerken. In Norwegen gibt es Einkaufszentren und mehrstöckige Appartementhäuser in Holzbauweise. In Österreich ist Vorarlberg eine Vorbildregion. Dort arbeiten Architekten, Handwerker und Zulieferer eng zusammen. So entstehen energieeffiziente Gebäude, deren Bau zusätzlich weniger Emissionen verursacht, weil die Wege zur Baustelle kurz sind.

Im Zusammenhang mit nachhaltiger Städteplanung ist immer wieder von "Smart Cities" die Rede. Klaus Dosch findet das nicht optimal: ",Smart Cities‘ sind mit viel Technologie verbunden. Das bedeutet, dass sehr viel vom Computer gesteuert ist. Das kostet Rohstoffe und es macht abhängig. Solche Systeme sind anfällig. Ihre technologische Fokussierung macht sie angreifbar. Ein Blackout oder Hacker können alles Leben lahmlegen. Es gibt Argumente, die zur Vorsicht mahnen."

Die Aachener Stiftung Kathy Beys ist eine politisch unabhängige, private und gemeinnützige Stiftung im Bereich Nachhaltigkeit. Ihr Ziel ist es, langfristige regionale Planungsprozesse in die Wege zu leiten und zu begleiten.

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