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Verkanntes Wappentier erobert Österreich zurück

Lange fristete Österreichs Wappentier ein unbekanntes Dasein. Wer weiß schon, dass es sich bei dem stolzen Greifvogel um einen Seeadler handelt? Fast ausgestorben, erobert er nun nach und nach sein Revier zurück.

Österreichs Wappentier, der Seeadler, hatte es in den vergangenen Jahrzehnten nicht leicht. Nicht nur, dass er als Wappentier verkannt und oft mit dem Steinadler verwechselt wird, auch in natura hatte der Haliaeetus albicilla ziemlich zu kämpfen. Von 1946 an galt er in Österreich als ausgestorben. 2001 wurde dann die Hoffnung auf seine Rückkehr wach, als erstmals seit über einem halben Jahrhundert wieder ein Seeadlerpaar in Österreich brütete. Seither ist ihre Zahl stetig gewachsen. Die neueste Zählung von WWF, Nationalpark Donau-Auen und BirdLife kam auf 14 brütende Seeadlerpaare und es ist noch Platz für mehr.

Willkommenes Comeback Laut Claudia Mohl, Pressesprecherin des WWF, muss bei Seealdern zwischen "Österreichern" und "Durchreisenden" unterschieden werden. Bei ersteren handelt es sich um Vögel, die nicht nur hier überwintern oder rasten, sondern auch erfolgreich Junge großziehen. Spätestens Ende März werden wieder Seeadlerküken schlüpfen. Mit vier von insgesamt 14 Paaren in Gesamtösterreich, führt der Nationalpark Donau-Auen die Liste der Brutgebiete an.

Fast ausgerottet Warum aber wurde das Wappentier fast gänzlich aus Österreich vertrieben? "Die Hauptgründe sind Giftköder, verbotene Abschüsse und Spaziergänger, die die sehr sensiblen Vögel beim Brüten stören", erklärt Claudia Mohl. Seit 1999 betriebt der WWF ein Projekt zum Schutz des Wappenvogels. So werden Brutstellen mittlerweile weitläufig von Spaziergängern abgeschottet. In weiteren Schutzmaßnahmen werden Horste, die abzustürzen drohen, gesichert. Ein Problem besteht aber weiterhin in den Giftködern, die vor allem im Winter zur Bekämpfung von Füchsen, Mardern und Greifvögeln ausgelegt werden. Diese sind meist mit dem hochgiftigen Pflanzenschutzmittel Carbofuran präpariert. Adler, die sich im Winter verstärkt von Aas ernähren, fallen diesen Fallen somit ebenfalls zum Opfer.

Platz für 50 Paare Die Bemühung von Tier- und Umweltschützern scheinen zu fruchten. So wurden kürzlich 159 Seeadler in Österreich gezählt - ein Rekordwert. Und für dauerhaft hier lebende Vögel ist in Österreich noch jede Menge Platz. Eine Untersuchung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) in Zusammenarbeit mit dem WWF zeigt, dass sich weitere 30 bis 50 Adlerpaare dauerhaft ansiedeln könnten. "Überraschend viele Regionen des ehemaligen Verbreitungsgebietes der Seeadler sind immer noch bestens als Lebensraum geeignet, obwohl sich die Landschaft so stark verändert hat", freut sich Projektleiter Christian Pichler vom WWF. Am meisten Potenzial haben demnach das Waldviertel, gefolgt von den Auen an Donau, March und Thaya, wo bereits zahlreiche Seeadler erfolgreich brüten.

Tatsächlich Wappentier?Ist das österreichische Wappentier tatsächlich ein Seeadler? Bernhard Kohler vom WWF erklärt, woran an den Seeadler von anderen Arten wie Stein- und Kaiseradler unterscheiden kann: "Es sind im wesentlichen die gelben, unbefiederten Beine des Wappenvogels und sein einfarbig gelber Schnabel, die auf einen Seeadler hindeuten." Der Steinadler habe hingegen befiederte Beine und einen grauen Schnabel mit schwarzer Spitze. Auch der Kaiseradler käme als mögliches Wappentier in Frage, zumindest wäre er mit seinem ungarischen Hauptverbreitungspunkt ein idealer Symbolvogel der Österreich-Ungarischen Monarchie gewesen. "Insgesamt sprechen die Merkmale aber für einen Seeadler", erklärt Kohler. Und ohnehin: "Nach der Mauerkrone, der Kette, dem Hammer und der Sichel wird man allerdings bei allen freilebenden Adler vergeblich suchen".



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