Wissen

Wenig Bewusstsein für Lungenkrankheit COPD

70 Prozent der unter 30-Jährigen kennen Krankheit nicht. Weniger Therapieplätze wegen Corona.

Die Lungenkrankheit COPD trifft meist Raucher SN/apa (dpa/gms/franziska gabbert)
Die Lungenkrankheit COPD trifft meist Raucher

Die häufig als "Raucherhusten" bezeichnete unheilbare Lungenerkrankung COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist die dritthäufigste Todesursache weltweit. Dennoch wissen 70 Prozent der unter 30-jährigen Österreicher nichts davon, obwohl eine frühe Diagnose viel Leid ersparen könnte. Das zeigt eine aktuelle Umfrage, die die Gesundheitsplattform Home Care Provider kürzlich in Wien anlässlich des Welt-COPD-Tags am Mittwoch präsentierte.

Weltweit sterben jedes Jahr rund drei Millionen Menschen an COPD, davon 3000 bis 3500 in Österreich. Rauchen gelte als Hauptursache dieser Atemwegserkrankung, erklärt Gundula Koblmiller, Vorstandsmitglied der Österreichischen Lungenunion, die sich der Aufklärung und Selbsthilfe bei Lungenerkrankungen verschrieben hat. Bei einer von Spectra durchgeführten, repräsentativen Umfrage unter 500 Österreichern im Oktober nannten jedoch nur 62 Prozent Rauchen als "wesentliche Ursache" für COPD. "Täglich rauchen nach wie vor 20 Prozent der Österreicher, bei den 15- bis 24-Jährigen sind es sogar 32 Prozent - wir sind da im internationalen Spitzenfeld." Daher müsse man gerade bei den jungen Leuten verstärkt Aufklärung betreiben. "Die sind noch nicht krank, aber sie fangen zu rauchen an - und aufzuhören ist schwer", sagt Koblmiller weiter. "Rauchen kostet nicht nur Geld, es kostet vor allem Lebenszeit und Lebensqualität - das müssen die jungen Menschen kapieren."  Das einheitliche Krankheitsbild COPD gebe es erst seit rund 20 Jahren, erläutert Arschang Valipour, Lungenfacharzt an der Klinik Floridsdorf. Davor kursierten oft ungenaue Zuschreibungen wie "chronische Bronchitis" oder "Asthma". Auch der Begriff "Raucherhusten" sei irreführend, sagt Koblmiller: "Der Husten hört nicht auf, wenn man zu rauchen aufhört. COPD ist nicht heilbar." Bei früher Diagnose gebe es aber "viele gute, neue Medikamente", fügt Valipour an.

Die 400.000 Betroffenen in Österreich seien in der Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar, sagt Koblmiller. Sie sind auf Sauerstoffgeräte angewiesen und ziehen sich tendenziell zurück, vereinsamen und werden depressiv - was sich durch Corona weiter verstärkt hat. "Wir müssen es schaffen, dass Rauchen mit COPD assoziiert wird und klar ist, dass COPD hohe Einschränkungen im Alltag mit sich bringt. Das müssen die jungen Leute realisieren, bevor es zu spät ist", beschreibt Koblmiller abschließend.

Durch Corona ebenso verschärft hat sich der Zugang zu Therapieplätzen in der Lungen-Rehabilitation. Valipour schätzt, dass aktuell nur noch ein Viertel der COPD-Patienten Zugang dazu hat. Er appelliert bei dieser Gelegenheit auch an Betroffene, sich "so rasch wie möglich den dritten Stich" zu holen. "Patienten mit COPD sind definitiv eine Hochrisikopopulation. Die wenigen Patienten, die noch nicht geimpft sind, sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine Corona-Erkrankung einen schweren Krankheitsverlauf mit leider hoher Sterblichkeitsrate nach sich ziehen kann." Auch nahestehenden Angehörigen rate er daher, sich unbedingt impfen zu lassen.

Aufgerufen am 06.12.2021 um 09:50 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wenig-bewusstsein-fuer-lungenkrankheit-copd-112569904

Kommentare

Schlagzeilen