Pfingstfestspiele Salzburg

"La Perichole" als "Fast"-Oper in Salzburg bejubelt

Angekündigt war "La Perichole" von Jacques Offenbach bei den Salzburger Pfingstfestspielen als konzertante Oper. Auf der Besetzungsliste im Programmheft aber liest man aus gutem Grund vor allem den Hinweis auf die Dramaturgie von Romain Gilbert. Tatsächlich wurde in Salzburg zumindest halbszenische Oper geboten, die ihr Publikum im Haus für Mozart am Samstagabend begeisterte und zu Jubel hinriss.

La Périchole 2018: Ensemble mit Cecilia Bartoli und Marc Minkowski (Mitte). SN/salzburger festspiele / marco borrelli
La Périchole 2018: Ensemble mit Cecilia Bartoli und Marc Minkowski (Mitte).

Romain Gilbert hat einfach eines der Bühnenbilder von Gioachino Rossinis "L'italiana in Algeri" verwendet, das von der Premiere am Freitag ohnehin noch auf der Bühne stand. Wüsste man das nicht, ginge das Raumdesign statt als peruanisches Vorstadtlokal auch als moderne, gläserne Lounge und damit als hintergründige Regie-Idee durch. Die Darsteller tragen dazu passende Klamotten, die sowohl vom Modediskonter als auch aus der Festspiel-Kostümschneiderei stammen könnten. Vor allem aber: Das Bühnenpersonal bewegt sich organisch, die Sänger interagieren sinnstiftend und "spielen" die Geschichte. Damit vermitteln Gilbert, das Ensemble und wohl nicht zuletzt Pfingst-Intendantin Cecilia Bartoli den Eindruck, bei einer richtigen Oper dabei zu sein.

Der Vizekönig von Peru "Don Andres de Ribeira" muss seine Untertanen auf reichlich umständliche Art aushorchen. Statt wie heute einfach Nutzerprofile auswerten zu lassen, verkleidet er sich mit Dirndl und Perücke, mischt sich in Spelunken unters Volk und versucht auf diese Weise, die Beliebtheit seines Regierungsstils zu ermitteln. Dabei verliebt er sich in die Straßensängerin "Perichole" und will sie in seinem Palast zur Mätresse machen. Perichole aber liebt ihren ebenso mittellosen Kollegen Piquillo. Der Rest des Plots ist buffoneske Turbulenz, der schon bei der Uraufführung im Jahr 1868 nicht mehr wirklich zu überzeugen wusste - die große Zeit der Buffa neigte sich dem Ende zu, die Operette eroberte die Bühnen Europas.

Musikalisch aber ist dieser Zwei-Akter des deutschen Franzosen immer noch hörenswert. In gewohnt leichtgängiger Raffinesse reiht Offenbach eine gesangliche Arie an die andere und gibt Sängern die damals wie heute begehrte Plattform für Virtuosität und wirkungsvollen Stimm-Klang. Und genau das haben die Hauptdarsteller dieses mehr als konzertanten Opernabends im Haus für Mozart zu nützen gewusst: Aude Extremo als "Perichole" ließ satten, kraftvollen Mezzo hören und blieb in der Höhe dennoch beweglich und elegant. Schauspielerisch und sängerisch ebenso überzeugend agierte Benjamin Bernheim als "Piquillo". Alexandre Duhamel als Don Andres, Eric Huchet als "Graf Miguel", Marc Mauillon als "Don Pedro" und die ganze Truppe von Notaren, Hofdamen, Schank-Wirtinnen und höfischen Wichtigtuern präsentieren sich als absolut festspielwürdiges Top-Ensemble.

Marc Minkowski und Les Musiciens du Louvre gaben samtig weichen und keinesfalls kantig schroffen Originalklang. Entscheidend aber: Sie begleiteten einfühlsam und schwungvoll, nie zu laut, nie zu leise und (fast) immer höchst aufmerksam auf das Bühnengeschehen fokussiert. Damit haben die Musiker einen Gutteil des Premierenjubels auf ihr Konto verbuchen können.

Quelle: APA

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