Innenpolitik

1914: Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war alles andere als "sauber" geführt. In dem vierjährigen Konflikt starben 20 Millionen Menschen, die Liste der Kriegsverbrechen reichte von Erschießungen bis zur Versenkung von Passagierschiffen.

1914: Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg SN/APA/dpa
Die Liste der Kriegsverbrechen reichte von Erschießungen bis zur Versenkung von Passagierschiffen.
VÖLKERMORD: Das schwerste Verbrechen im Ersten Weltkrieg ist der Völkermord an den christlichen Armeniern im Osmanischen Reich. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge fielen in den Jahren 1915 und 1916 bis zu 1,5 Millionen christliche Armenier Massakern und Todesmärschen zum Opfer. Die Türkei leugnet bis heute, dass es sich um einen Völkermord gehandelt hat.

HINRICHTUNGEN VON ZIVILISTEN: Karl Kraus berichtete nach dem Ersten Weltkrieg von 11.400 Galgen, die in Galizien errichtet wurden. Spätere Schätzungen gehen von 30.000 Personen aus, die von der österreichisch-ungarischen Armee in den ersten Kriegswochen wegen angeblich feindlicher Gesinnung umgebracht wurden. Etwa gleich viele Zivilisten starben auf dem Balkan. So gab es in der Kleinstadt Sabac schon fünf Tage nach Beginn des Feldzuges gegen Serbien ein großes Massaker an Zivilisten, die im Hof der Kirche niedergemetzelt wurden. Die Befehle dafür kamen laut dem Kriegsverbrechens-Experten Anton Holzer "von ganz oben". So seien bewusst Geiseln genommen worden, die dann bei Zwischenfällen zur Abschreckung der Zivilbevölkerung "justifiziert" werden sollten.

Die österreichisch-ungarischen Gräueltaten stellten jene der deutschen Armee in Belgien in den Schatten. Offiziellen belgischen Angaben zufolge wurden dort etwa 5.500 Zivilisten vorsätzlich getötet, berichtet der irische Historiker Alan Kramer in einem Artikel. Unrühmlicher Höhepunkt war dabei das Massaker an über 200 Bewohnern der Stadt Löwen zwischen 25. und 28. August 1914. In Frankreich brachten die Deutschen mehr als 6.000 Zivilisten um.

INTERNIERUNGSLAGER: Die österreichisch-ungarische Armee deportierte während des Kriegs Zehntausende "politisch Verdächtige" in Internierungslager, vor allem Ruthenen, Serben und Italiener. Laut dem Historiker Hans Hautman starb im Ruthenenlager Thalerhof bei Graz im Winter 1914/15 rund ein Drittel der 7.000 Insassen an Flecktyphus. In Linz gab es ein weiteres Lager für Italiener, doch wurden diese etwas pfleglicher behandelt als die slawischen Ruthenen (Ukrainer).

GASKRIEG: Ein zivilisatorischer Tabubruch war der Einsatz von Giftgas an der Front. Die deutsche Armee setzte am 22. April 1915 im belgischen Ypern erstmals Giftgas ein, das die Haager Landkriegsordnung aus dem Jahr 1907 verboten hatte. Die Deutschen führten in der Folge 50 Giftgasangriffe aus, an der Isonzo-Front wurde Chlorgas auch von der k. u. k. Armee eingesetzt. 5.000 bis 8.000 Italiener kamen beim wirksamsten dieser Angriffe im Juni 1916 ums Leben. Als Reaktion setzten auch die Alliierten Giftgas ein, prominentestes Opfer war der deutsche Gefreite Adolf Hitler, der im Oktober 1918 durch einen französischen Senfgas-Angriff kurzzeitig erblindete. Schätzungen zufolge wurden im Ersten Weltkrieg über 10.000 Tonnen chemische Kampfstoffe aus Flaschen abgeblasen und 20 Millionen Gasgranaten verschossen. 91.000 Menschen kamen im Gaskrieg ums Leben.

U-BOOT-KRIEG: Anfang 1917 erklärte das Deutsche Reich den Allliierten den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, um die Versorgungswege zu den USA und den Kolonien in Übersee abzuschneiden. Somit wurden nicht nur Kriegsschiffe, sondern auch Fracht- und Passagierschiffe ohne vorherige Warnung angegriffen. Die deutsche Marine versenkte über 6.000 zivile Schiffe. Für Empörung sorgte vor allem die Versenkung des aus New York kommenden britischen Passagierschiffes RMS Lusitania vor der Südküste Irlands im Mai 1915 mit 1.200 Toten, darunter 80 Kinder.

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