Innenpolitik

Demokratie ist in Österreich unumstritten

Daran ändert auch der Wunsch von 25 Prozent der Befragten nach "starkem Führer" nichts.

Österreich gedenkt in diesen Tagen des "Anschlusses" an Nazi-Deutschland im Jahr 1938. Die Volkshilfe hat aus diesem Anlass eine Umfrage (Sozialbarometer) präsentiert, die sich mit der politischen Situation im Land beschäftigt. Demnach hat jeder vierte Österreicher durchaus Verständnis für einen "starken Mann". Konkret fragte das Meinungsforschungsinstitut SORA: "Sollte man einen starken Führer haben, der sich nicht um Parlament und Wahlen kümmern muss?" 26 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage "sehr" (acht Prozent) bzw. ziemlich (18 Prozent) zu. Im Gegenzug sagten 25 Prozent, dass sie dieser Aussage wenig, und 43 Prozent, dass sie ihr gar nicht zustimmen. Sechs Prozent machten keine Angaben. Befragt wurden von SORA in Face-to-Face-Interviews 1008 Österreicher ab 15 Jahren im Oktober des vergangenen Jahres. "Ich halte dieses Ergebnis für höchst gefährlich", kommentierte der Direktor der Volkshilfe, Erich Fenninger, das Ergebnis. Er forderte die Politik auf zu reagieren.

Allerdings sagten bei dieser Befragung auch 94 Prozent, dass sie die Demokratie als beste Regierungsform betrachten. Der Leiter von SORA, Günther Ogris, hat für den Wunsch nach einem starken Führer und dem gleichzeitigen Bekenntnis zur Demokratie folgende Erklärung. "Der Grundwert der Demokratie ist in Österreich unumstritten. Trotzdem gibt es aus Frustration mit der eigenen Situation oft auch eine Erlösungshoffnung, die sich im Wunsch nach einem starken Führer zeigt", sagt Ogris. Im Endeffekt komme es auf die Politik an, was sie aus dieser Stimmung in der Bevölkerung mache, "stärkt sie die autoritären Tendenzen oder nicht".

So wie die Demokratie schätzen die Österreicher auch das Demonstrationsrecht. Acht von zehn Befragten sehen dieses als wichtigen Bestandteil der Gesellschaft an. Gerade in letzter Zeit war immer wieder darüber diskutiert worden, ob Demonstrationen eingeschränkt oder örtlich begrenzt werden sollten, weil sie Umsatzeinbußen für Geschäfte brächten, die an der Route des Demonstrationszugs liegen.

Eine Einschränkung dieser Rechte wäre für 70 Prozent der Befragten sogar ein "Angriff auf die Demokratie", für 24 Prozent hingegen nicht.

Weiters wurde von SORA abgefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen Demokratie und freiwilliger Arbeit gebe, 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Engagement für die Gemeinschaft durch freiwillige Arbeit die Demokratie stärkt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:17 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/demokratie-ist-in-oesterreich-unumstritten-25381591

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