Innenpolitik

Küberl sieht Schönborn als "Sozialbischof" gefordert

Ex-Caritas-Präsident Franz Küberl widerspricht der Parteinahme von Kardinal Christoph Schönborn für die Sparpläne der Regierung. Schönborn hatte das angekündigte "Nulldefizit" am Mittwoch begrüßt und die von der Caritas ausgesprochene Warnung vor der Aushöhlung des Sozialstaates als Polemik bezeichnet. Küberl fordert Schönborn nun auf, in seiner Funktion als "Sozialbischof" tätig zu werden.

Ex-Caritas-Direktor Franz Küberl SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Ex-Caritas-Direktor Franz Küberl

"Wenn der Kardinal bei der Caritas Zerrbilder zu vermeinen scheint, dann könnte das auch damit zu tun haben, dass die Kirche mit ihrer Caritas zu wenig über das im Gespräch ist, was der Caritas und den Armen unter den Nägeln brennt", sagte Küberl der "Kleinen Zeitung" (Online-Ausgabe). Er wünscht sich einen neuen "Sozialhirtenbrief" der Kirche. Denn der letzte Sozialhirtenbrief sei fast 20 Jahre alt und über Verteilungsfragen und Fragen der sozialen Nachhaltigkeit müsse geredet werden.

Küberl sieht Schönborn hier sowohl als Vorsitzenden der Bischofskonferenz als auch als Sozialbischof gefordert. Die Caritas habe ungeheuer starke Antennen. "Wenn die auf etwas aufmerksam machen, würde ich der Gesellschaft schon empfehlen, hellhörig zu werden", kritisiert Küberl. Der Papst habe in den letzten Jahren vieles zu sozialen Fragen gesagt: "Das wird man in Österreich auch ein wenig verarbeiten, auf österreichische Verhältnisse umlegen müssen."

Schönborn hat am Freitag seine jüngsten Äußerungen pro Nulldefizit-Kurs der Regierung präzisiert. Der Wiener Erzbischof betonte zwar neuerlich, dass Schuldenmachen unsozial und ungerecht sei. Zugleich gelte aber auch: "Auf dem Rücken der Ärmsten zu sparen, ist unsozial und ungerecht", so Schönborn auf der Website seiner Erzdiözese.

Er sei der Caritas dankbar und unterstütze sie voll und ganz, wenn sie sich "dafür einsetzt, dass nicht bei den Ärmsten als erste gespart wird", stellte der Kardinal einen Konflikt mit der katholischen Hilfsorganisation in Abrede. Es sei aber klar, dass gespart werden müsse - "und dass Sparen nicht ohne Opfer geht". Dafür brauche es seiner Ansicht nach zweierlei, so Schönborn: "Erstens die Solidarität der Reichen mit den Armen, der Starken mit den Schwachen." Wer mehr als genug zum Leben habe, habe auch eine größere Verantwortung und müsse bereit sein, "etwas an die abzugeben, denen es am Nötigsten fehlt".

Zweitens brauche es einen breiten öffentlichen Diskurs über die Frage, wie die Lasten fair verteilt werden könnten. Ein solcher Diskurs brauche konstruktive Kritik, gute Vorschläge und ein Gesprächsklima, in dem ein Dialog möglich sei. "Ein Eingraben in Fundamentalopposition würde der Sache nicht dienen", warnte Schönborn vor Polarisierungen. Er plädierte für eine Abrüstung der Worte, um einen guten Dialog führen zu können, an dessen Ende ein sozialer und gleichzeitig sparsamer Staat stehe.

Schönborn erinnerte in dem von der "Kathpress" zitierten Beitrag an das Jahr 1970, in dem die ÖVP-Alleinregierung Klaus der nachfolgenden SPÖ-geführten Regierung Kreisky ein schuldenloses Österreich übergeben habe. Heute dagegen sei der Schuldenstand so hoch, dass der Staat jährlich 6,5 Milliarden Euro allein an Zinsen bezahlen müsse: "6,5 Milliarden Euro, die unserem Sozialsystem schmerzlich fehlen." Er begrüße daher den "Mut der Bundesregierung", keine neuen Schulden mehr machen zu wollen, erklärte Schönborn.

Quelle: APA

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