Innenpolitik

Professoren lehren und forschen nur etwa Hälfte ihrer Zeit

Die Professoren an den österreichischen Universitäten wenden nur etwas mehr als die Hälfte (57 Prozent) ihrer Arbeitszeit während des Semesters für Lehre und Forschung auf. Der Rest entfällt auf akademische Selbstverwaltung, Aufgaben in der Scientific Community sowie Gutachtertätigkeiten, zeigt eine Umfrage des Verbands der Professorinnen und Professoren (UPV).

Österreichs Professoren verwenden viel Zeit für Verwaltungsaufgaben SN/APA/HANS PUNZ
Österreichs Professoren verwenden viel Zeit für Verwaltungsaufgaben

An der Studie haben Ende Dezember 645 der knapp 2.100 Professoren an den wissenschaftlichen Universitäten teilgenommen. Demnach wenden die Profs den größten Teil ihrer Arbeitszeit für die Lehre auf (32 Prozent). Darunter fällt auch die Betreuung und Beratung von Studenten sowie die Abhaltung von Prüfungen. Dahinter folgt mit 25 Prozent der Arbeitszeit die eigene Forschung inklusive der Verfassung der dafür nötigen Projektanträge.

Auf Platz drei landet mit 20 Prozent bereits die akademische Selbstverwaltung, also etwa die Tätigkeit in Gremien, aber auch die Koordination etwa von Erasmus-Studenten. Zehn Prozent der Zeit verschlingen Aufgaben und Funktionen in der Scientific Community wie etwa die Organisation von Tagungen oder die Tätigkeit in wissenschaftlichen Gesellschaften, neun Prozent gehen für Gutachtertätigkeiten drauf, die restlichen vier Prozent für andere Aktivitäten.

81 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Ausmaß der akademischen Selbstverwaltung ein zunehmendes Hindernis sehen. Vier Fünftel stimmten der Aussage zu, dass die universitären Verwaltungsabläufe die eigene Forschungstätigkeit hemmen. Auch die zunehmende Lehrbelastung behindert für 73 Prozent die wissenschaftliche Tätigkeit. "Die Forschungstätigkeit wird durch den zunehmenden bürokratischen Aufwand erschwert", so UPV-Vorsitzender Bernhard Keppler in einer Aussendung. "Zugleich hat unsere Studie gezeigt, dass die Professorinnen und Professoren großen Druck verspüren, Drittmittel einzuwerben. Eine Erhöhung des regulären Forschungsbudgets würde hier sicherlich Freiräume schaffen und insbesondere innovative Forschung fördern, die aus dem wissenschaftlichen Mainstream ausschert."

Ebenfalls abgefragt wurden die Arbeitsstunden der Professoren pro Woche: Während der Vorlesungszeit gaben acht Prozent an, mehr als 70 Stunden pro Woche zu arbeiten. 21 Prozent kamen auf 61 bis 70 Stunden, 45 Prozent auf 51 bis 60 Stunden und 24 Prozent auf 41 bis 50 Stunden. Etwas entspannter geht es in der vorlesungsfreien Zeit zu: Hier gaben drei Prozent an, mehr als 70 Stunden zu arbeiten. Zwölf Prozent nannten 61 bis 70 Stunden, 31 Prozent 51 bis 60 Stunden sowie 44 Prozent 41 bis 50 Stunden. Zehn Prozent blieben auf 40 Stunden bzw. darunter.

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