Der tiefe Fall des HC Strache

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Standpunkt Manfred Perterer

Das feuchtfröhliche Video aus Ibiza, das FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und seinen Klubchef Gudenus vor der Nationalratswahl 2017 in illustrer russischer Runde zeigt, erinnert fatal an den Ex-ÖVP-Europaabgeordneten Ernst Strasser. Auch der war seinerzeit geheim beim Schwadronieren über unmoralische Angebote und Gegenleistungen gefilmt worden. Damals waren es britische Journalisten, die Strasser in die Falle gelockt hatten. Er hatte diesen seine politische Unterstützung gegen Bares in Aussicht gestellt, wofür er rechtskräftig verurteilt wurde. Er hat die Strafe verbüßt.

Auf der Lieblingsinsel des Vizekanzlers scheint sich nun Ähnliches abgespielt zu haben. Ein Lockvogel dubioser russisch-lettischer Herkunft stellt hohe Investitionen in Österreich in Aussicht. Und Strache tappt prompt in die Falle. Er erzählt laut Video von der Möglichkeit verdeckter Parteispenden. Er bringt bekannte Unternehmer in den Geruch unerlaubter Zuwendungen. Er spricht vom Entzug staatlicher Aufträge für einen ungeliebten liberalen Bau-Industriellen. Er träumt offen von einer Pro-FPÖ-Kampagne der mächtigsten Zeitung Österreichs, sollte die erst einmal in die Hände der vermeintlichen russischen Gönnerin gelangt sein. Er fantasiert vom Austausch unabhängiger Journalisten gegen willfährige Lohnschreiber auf blauem Ticket. Im selben Atemzug privatisiert er einen ORF-Kanal und fiebert von 34 Prozent der Wählerstimmen für die FPÖ.

Was immer der Vizekanzler jetzt zu seiner Verteidigung vorbringen mag, sein Fall ist kaum aufzuhalten. Wie unstatthaft die Dokumentation dieses blauen Offenbarungseides zustande gekommen sein mag, und wer auch immer ihre Urheber waren, sie entlarvt die Denkweise der handelnden Personen. Die unerlaubte versteckte Kamera ist ebenso wenig Ausrede wie die alkoholschwangere Ferienstimmung. Strache hätte aufstehen und gehen müssen, wie es sich für einen anständigen Politiker gehört. Stattdessen blieb er und hat sich in einen Strudel hineingeredet, der ihn zwei Jahre später als Vizekanzler in die Tiefe zieht. Jetzt muss der Kanzler handeln.

Aufgerufen am 24.05.2019 um 11:31 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/standpunkt-der-tiefe-fall-des-hc-strache-70391449

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