Innenpolitik

Verwaltungskosten der Krankenkassen höher als ausgewiesen

Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind höher als offiziell ausgewiesen, sie sind aber mit einem Anteil von 4,7 Prozent der Gesamtausgaben im internationalen Vergleich im Normalbereich. In seinem aktuellen Jahresbericht beziffert der Hauptverband der Sozialversicherungsträger den Verwaltungsaufwand der Krankenkassen mit 492 Mio. Euro bzw. drei Prozent der Gesamtausgaben von 18,47 Mrd. Euro.

Gebäude des Hauptverbandes der Sozialvericherungsträger SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Gebäude des Hauptverbandes der Sozialvericherungsträger

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker rechnet im Gespräch mit der APA vor, dass zu den 492 Mio. Euro noch einiges an Verwaltungsaufwand dazugerechnet werden müsste. Dazu zählen etwa der "Vertrauensärztliche Dienst" (Chefarzt) mit knapp 90 Mio. Euro, der "keine Leistung gegenüber den Versicherten, sondern klar eine Verwaltungsleistung ist" sowie Abschreibungen in Höhe von 83 Mio. und sonstige betriebliche Aufwendungen wie IT-Kosten, Aufsichtsgebühren, Gerichtskosten, Werbeausgaben in Höhe von 95 Mio. Euro. Außerdem ist nach Ansicht Loackers die Einhebevergütung (330 Mio. Euro), die die Kassen dem AMS, der Pensionsversicherung, der Unfallversicherung und der Arbeiterkammer für die Beitragseinhebung verrechnen um 90 Mio. Euro zu hoch angesetzt.

Wenn man zu den offiziellen Verwaltungskosten die "verschleierten" Verwaltungskosten dazurechne, dann komme man auf 834 Mio. bzw. 4,7 Prozent. Auf diese Quote komme auch eine WKÖ-SV-Studie aus dem Jahr 2017, so Loacker. "Die Sozialversicherungs-Träger sind mit dem Verschleiern von Ausgaben sehr kreativ, wie man gerade bei den Verwaltungskosten sehr deutlich sieht. Die SV-Träger lagern im großen Stil Verwaltungskosten aus und verbuchen sie auf die 'sonstigen betrieblichen Ausgaben' oder die 'Leistungsausgaben-Konten'." Er forderte von den Kassen eine "ehrliche Auflistung anstatt der buchhalterischen Taschenspielertricks".

Mit 4,7 Prozent stehen die Kassen im internationalen Vergleich gut dar. In Deutschland liegt der Verwaltungsaufwand bei 5,4, in der Schweiz bei 4,3 und in den Niederlanden bei 4,1 Prozent.

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