Weltpolitik

1. Mai - Zehntausende bei traditioneller Parade in Moskau

Zum Tag der Arbeit sind bei einer traditionellen Parade der russischen Gewerkschaften Zehntausende Menschen über den Roten Platz in Moskau gezogen. Angeführt wurde der Zug am Mittwoch von Bürgermeister Sergej Sobjanin. In der russischen Stadt St. Pepersburg wurden allerdings bei regierungskritischen Protesten dutzende Oppositionelle festgenommen.

Traditioneller Maiaufmarsch in Moskau SN/APA (AFP)/MLADEN ANTONOV
Traditioneller Maiaufmarsch in Moskau

Redner in Moskau forderten den Angaben nach auskömmliche Löhne und genügend Arbeitsplätze für junge Menschen und Beschäftigte in höherem Alter. Polizei und Gewerkschaft sprachen nach dem Ende der Veranstaltung von mehr als 100.000 Teilnehmern.

Landesweit gab es Aktionen zum Feiertag. Dabei seien bis Mittag mehr als 70 Menschen festgenommen worden, meldete der Radiosender Echo Moskwy. Dutzende Festnahmen gab es demnach etwa bei regierungskritischen Protesten in St. Petersburg. Etwa 2.000 Menschen versammelten sich dort am Mittwoch, um ihrer Unzufriedenheit mit der Regierung Luft zu machen. Gemeinsam skandierten sie Parolen wie "Putin ist ein Dieb" und "Das ist unsere Stadt".

Unter den Demonstranten waren auch Unterstützer des prominenten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. Nach Erkenntnissen der Bürgerrechtsorganisation OVD-Info nahm die Polizei in der zweitgrößten Stadt Russlands mehr als 30 Menschen fest, darunter viele, die Slogans gegen Putin gerufen hatten.

"Sie beschützen Putin, den Banditen", sagte die 70-jährige Demonstrantin Galina Onischtschenko und zeigte auf Fahrzeuge zum Abtransport von Festgenommenen. Die Demonstranten riefen auch "Faschisten" oder "Ihr jagt uns keine Angst ein".

Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der russischen Regierung hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Dazu trugen unter anderem eine Erhöhung des Pensionsalters und der sinkende Lebensstandard nach mehreren westlichen Sanktionsrunden bei.

Auch die Beliebtheitswerte von Präsident Putin waren zuletzt gesunken. Im März unterzeichnete er ein Gesetz, das es Gerichten erlaubt, wegen fehlenden Respekts gegenüber der Obrigkeit Geld- oder kurze Haftstrafen zu verhängen.

Organisierte Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmern wurden auch aus der Ostukraine gemeldet. In der Hauptstadt Kiew folgten Medienberichten zufolge nur wenige Dutzend Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften mit der Forderung nach höheren Löhnen.

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