Weltpolitik

Besuch von Kurz bei Trump noch im Februar möglich

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wird möglicherweise noch dieses Monat mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus zusammentreffen. "Es wird an einem Termin gearbeitet", heißt es dazu auf SN-Anfrage aus dem Bundeskanzleramt. Er ist nicht der erste österreichische Kanzler im Weißen Haus. Doch die meiste Beachtung erzielte - ein Lipizzaner

Empfang im Weißen Haus? Donald Trump soll noch im Februar Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz empfangen. SN/afp (2)/nicholas kamm, frederick florin
Empfang im Weißen Haus? Donald Trump soll noch im Februar Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz empfangen.

Laut SN-Recherchen soll ein konkreter Termin Bundeskanzler Sebastian Kurz' für seinen Besuch bereits fixiert worden sein. "Wir arbeiten an einem Termin. Der Besuch könnte noch Ende Februar stattfinden", hieß es im Bundeskanzleramt. Vom 13. bis zum 17. Februar ist der Kanzler in Asien, wenige Tage danach könnte es bereits soweit sein. In EU-Kreisen bringe man die rasche Anerkennung des Oppositionellen Juan Guaidó als Venezuelas Interimspräsidenten durch den Bundeskanzler mit dem Trump-Besuch in Verbindung.

Kurz wäre seit längerem wieder der erste österreichische Kanzler, der im Weißen Haus zu Gast ist. Österreichische Bundeskanzler besuchten die USA, Signatarmacht des Staatsvertrags, früher regelmäßig.

Den berühmtesten Auftritt eines Österreichers in Washington hatte allerdings kein Politiker, sondern ein Lipizzaner. Am 19. November 1982 machte Österreich dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan vor dem Weißen Haus einen der berühmten weißen Hengste zum Geschenk. Der vormalige Hollywood-Cowboy und Pferdenarr war begeistert, die Bilder von der Übergabe gingen um die Welt. Initiator der Aktion war der damalige Wirtschaftskammerpräsident Rudolf Sallinger, und auch zwei spätere Berühmtheiten waren an der Aktion beteiligt: Thomas Klestil, damals Botschafter in Washington, und Wolfgang Schüssel, damals Generalsekretär im Wirtschaftsbund.


Im Jahr 2001 kam Schüssel als Bundeskanzler wieder. Nach den Terroranschlägen vom 11. September übernahm der österreichische Kanzler eine Vermittlerrolle zwischen den USA und dem Iran. Ein gemeinsames Vorgehen gegen die Taliban sollte ausgelotet werden. Im Zuge dieser letztlich gescheiterten Vermittlungsmission wurde Schüssel im November 2001 von US-Präsident George W. Bush in Washington empfangen.

Wenig später bekommt auch Schüssels Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (FPÖ ) einen Termin im Weißen Haus. Sie sollte dort im Februar 2002 unter anderem Bushs Sicherheitsberaterin und spätere Außenministerin Condoleezza Rice treffen. Angesichts der internationalen Aufregung um die Regierungsbeteiligung der FPÖ sorgte dieser Besuch für erhebliche mediale Aufmerksamkeit. Zu viel Aufmerksamkeit für den Geschmack von Riess-Passers Parteifreund Jörg Haider: Um der Vizekanzlerin die Show zu stehlen, unternahm er seine erste spektakuläre Reise zum irakischen Diktator Saddam Hussein. Damit gehörten die Schlagzeilen wieder ihm.
Im Juni 2006 - Österreich hat gerade den EU-Ratsvorsitz inne - kommt US-Präsident George W. Bush zum EU-USA-Gipfel nach Wien. Er überrascht mit der Ankündigung, das umstrittene Gefangenenlager in Guantanamo schließen zu wollen, das es im übrigen heute noch gibt.

Bundeskanzler Franz Vranitzky bei Ronald Reagan im Weißen Haus. SN/apa
Bundeskanzler Franz Vranitzky bei Ronald Reagan im Weißen Haus.

Staatsvertrags-Bundeskanzler Bundeskanzler Julius Raab weilte 1958 zu einer vielbeachteten Reise in den USA, Alfons Gorbach 1962, Josef Klaus 1968 und Bruno Kreisky 1974 und 1983. Franz Vranitzky reiste auf dem Höhepunkt der Diskussion um die Kriegsvergangenheit des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim im Mai 1987 nach Washington. Waldheim war damals durch die US-Behörden mit einem Einreiseverbot belegt worden, sodass Vranitzky faktisch als Staatsoberhaupt auftreten musste. Später weilte Vranitzky auch bei George Bush sen. und 1994 bei Bill Clinton.

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