Weltpolitik

Das sind sechs der größten Klimasünder der Welt

Alle reden über den Klimawandel und seine weltweiten Folgen. Und dennoch: Ein Blick in die Welt zeigt, dass es in vielen Ländern noch gewaltigen Nachholbedarf gibt.

Der Weltklimagipfel findet zwar in New York statt – die USA sind aber kein Vorbild in Sachen Klimaschutz. SN/AP
Der Weltklimagipfel findet zwar in New York statt – die USA sind aber kein Vorbild in Sachen Klimaschutz.

Die Rednerliste beim UNO-Klimagipfel war lang: Angefangen bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel über Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron bis zu der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Alles drehte sich um die Frage: Wie soll der Klimaschutz in den kommenden Jahren aussehen? 66 Länder verpflichteten sich, bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität zu erreichen - das heißt: nicht mehr Kohlendioxid auszustoßen, als gleichzeitig abgebaut oder gespeichert werden kann. Doch während die einen Beiträge zum Klimaschutz machen, gibt es Länder, die schwiegen. Und das nicht nur, weil UNO-Generalsekretär António Guterres Klimasündern wie Brasilien oder den USA kein Rederecht gab. Diese Länder müssen ihren Klimaschutz noch auf Kurs bringen:



China

China ist als bevölkerungsreichstes Land der Erde auch der größte Klimasünder und der größte Verbraucher von Kohle - einer der umweltschädlichsten Energiequellen. Zwei Drittel der Energie in China kommen aus Kohle und es werden neue Kohlekraftwerke gebaut. Auch finanziert China rund ein Viertel aller Kohlekraftwerke, die heute im Rest der Welt noch gebaut werden. Gleichzeitig treibt das Riesenreich auch erneuerbare Energien voran. Nirgendwo sonst in der Welt wird so viel Energie aus Wasser- und Windkraft oder aus Solaranlagen gewonnen. Klar ist: China spielt schon wegen seiner Größe eine Schlüsselrolle. Seine bisherigen Anstrengungen bewerten Klimaschützer aber als "höchst unzureichend".



USA

Die USA sind laut US-Umweltbehörde mit einem Ausstoß von rund 6,5 Milliarden Tonnen CO2 hinter China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump ist stolz darauf, Umweltvorschriften nach und nach abzuschaffen. Zum Beispiel will Washington Kalifornien und anderen Bundesstaaten bei Autoabgasen künftig nicht mehr erlauben, eigene strengere Standards zu setzen. Trump spricht gern über die zunehmende Förderung von Öl und Gas; erneuerbare Energien kommen nur selten vor. Trotz der Haltung der Regierung haben sich viele Städte, Bundesstaaten und Unternehmen ehrgeizigen Klimazielen verschrieben.



Brasilien

Präsident Jair Bolsonaro hat seine Ankündigung bislang nicht umgesetzt, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszutreten. Seine Umweltpolitik geriet aber zuletzt massiv in die Kritik. Die Zahl der Abholzungen und Brände im Amazonasgebiet hat kräftig zugelegt. Bolsonaro will dort keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und lässt mehr Rodungen zu. Das dient unter anderem dem Export von Rindfleisch und Soja. Ein Fünftel des weltweiten Sauerstoffs gelangt nach Ansicht vieler Forscher über das Amazonaswaldgebiet in die Erdatmosphäre. Brasilien, das laut UNO sechstbevölkerungsreichste Land der Welt, liegt nach jüngsten Zahlen der Internationalen Energieagentur an 13. Stelle der Staaten mit den höchsten CO2-Emissionen.



Russland

Russland gehört zu den Ländern mit dem weltweit größten Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen. Grund dafür ist nicht nur die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Gas, Öl und Kohle. Durch das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien werden zudem gewaltige Mengen an Methan freigesetzt. Auch die Wald- und Flächenbrände sowie die Jahrhundertüberschwemmung in Sibirien sehen Umweltexperten als Folgen des Klimawandels. Zwar hat sich Russland zu den Zielen des Klimaschutzabkommens von Paris bekannt. Unklar ist aber, wie das Land die Ziele erreichen will. Sein Staatshaushalt ist extrem abhängig von Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport. Der Anteil der erneuerbaren Energien liegt in Russland bei nicht einmal einem Prozent.



Indonesien

Indonesien gehört unter den Schwellenländern zu den größten Klimasündern. Der riesige Inselstaat in Südostasien zählt inzwischen mehr als 260 Millionen Einwohner. Damit der wachsende Stromverbrauch gedeckt werden kann, werden derzeit viele Kohlekraftwerke gebaut. Das Land hat große Umweltprobleme, die sich auch negativ auf die Klimabilanz auswirken. Auf den Inseln Borneo und Sumatra stehen derzeit viele Wälder in Flammen. Dort wurden in den vergangenen Jahren große Flächen Urwald abgeholzt. Die Hauptstadt soll demnächst umgesiedelt werden - von Jakarta, einer Riesenstadt mit dramatisch steigendem Wasserpegel, nach Borneo.



Südafrika

Der sonnenreiche Kohleproduzent Südafrika gilt als Land mit den höchsten Treibhausgasemissionen des Kontinents Afrika. Weltweit gehört es zu den 15 größten Verursachern von CO2-Emissionen. Südafrika setzt überwiegend auf Kohle. Sie steht für etwa 90 Prozent der Stromproduktion. Der Stromanteil aus erneuerbaren Energien wird mit unter fünf Prozent angesetzt.

Um Klimaschutzvorgaben zu erfüllen, hat Südafrika zum 1. Juni eine CO2-Steuer von knapp acht Euro je Tonne für Unternehmen eingeführt. Umweltschützer rügten sie als zu gering, da sie durch Steuervorteile und Abschreibungen drastisch reduziert werden kann.

Quelle: SN

Aufgerufen am 03.12.2020 um 03:18 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/das-sind-sechs-der-groessten-klimasuender-der-welt-76650565

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