Weltpolitik

Deutsche Grüne punkten mit zwei vertrauten Gesichtern

Für die deutschen Grünen ist die EU-Wahl ein Triumph: Sie werden laut Prognosen mit 20,6 Prozent die zweitstärkste Kraft hinter CDU/CSU. Doch für was stehen die beiden Spitzenkandidaten Ska Keller und Sven Giegold?

Die Grünen in Deutschland können sich über starke Zugewinne freuen.  SN/AP
Die Grünen in Deutschland können sich über starke Zugewinne freuen.

Die Grünen sind der triumphale Sieger der Europawahl in Deutschland vom Sonntag. Im Wahlkampf haben sie auf zwei vertraute Gesichter vom linken Flügel gesetzt. Ska Keller und Sven Giegold verkörpern ein Hauptanliegen der Partei: Den Kampf gegen den Rechtsnationalismus in der EU.

Den Spitzenkandidaten, die bereits seit 2009 EU-Parlamentarier sind, spielt im Wahlkampf auch der hohe Stellenwert des Klima-Themas in die Hände.

Ska Keller setzt sich für den Kampf gegen Rechtsnationalismus ein.  SN/AP
Ska Keller setzt sich für den Kampf gegen Rechtsnationalismus ein.

Ska Keller - die Islamwissenschaftlerin aus Brandenburg

Die Grünen-Spitzenkandidatin wurde am 22. November 1981 im brandenburgischen Guben nahe der polnischen Grenze geboren. In ihrer Bewerbungsrede für die Europaliste erinnerte sie an die undemokratischen Verhältnisse in der früheren DDR ebenso wie an die Menschenrechtsdefizite im heutigen Polen. "Das Europa der Demokratie ist bedroht", lautet ihre Botschaft. Die 36-jährige Keller studierte Islamwissenschaft, Turkologie und Judaistik in Berlin und Istanbul.

Sie war Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg, bevor ihr 2009 erstmals der Sprung ins Europaparlament gelang. Dort machte sie sich als Expertin für Handels- und Einwanderungsfragen einen Namen und trat als scharfe Kritikerin der EU-Flüchtlingspolitik in Erscheinung.

Ihr Engagement verhalf der streitbaren Politikerin schon 2014 in die erste Reihe der EU-Politik: Sie wurde Spitzenkandidatin der europäischen Grünen. Seit 2016 ist sie Ko-Fraktionschefin der Grünen im EU-Parlament.

Im Wahlkampf setzte sie sich für ein "soziales Europa und ein Europa der Vielfalt und Menschenrechte" ein. "Es ist kein Naturgesetz, dass die Rechten immer stärker werden", sagte Keller. Am Wahlabend überschlug sich Keller fast vor Begeisterung: Sie sprach von einem "sensationellen Ergebnis" und einer "grandiosen Teamleistung".

Sven Giegold hat die gloablisierungskritische Organisation Attac mitgegründet.  SN/AP
Sven Giegold hat die gloablisierungskritische Organisation Attac mitgegründet.

Sven Giegold - kämpft für Umweltschutz und seinen Sohn

Auch der 48-jährige Wirtschaftswissenschaftler sitzt seit 2009 im Straßburger Parlament. Vor seinem Einzug hat er die globalisierungkritische Organisation Attac mitbegründet und deren europäische Vernetzung vorangebracht. Der Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament gilt als Fachmann für Wirtschaft und Finanzen.

Seit über 20 Jahren ist er in sozialen Bewegungen aktiv. Der am 17. November 1969 in Spanien geborene Giegold betont: "Europa bedeutet miteinander, nicht gegeneinander."

Das Präsidiumsmitglied des Evangelischen Kirchentags will "kein rechtes Europa, wir wollen ein gerechtes Europa". Im Wahlkampf warb Giegold für die Idee eines Green New Deals, um den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft zu erreichen. "Wir wissen, dass Ökonomie und Ökologie nur zusammen geht", sagte der Spitzenkandidat im Wahlkampf.

Beim Thema Umweltschutz wurde Giegold auf dem Nominierungsparteitag im November sehr persönlich: "Mein kleiner Sohn hat Kreidezähne", sagte er. Diese Störung der Schmelzbildung der Zähne könne durch Bisphenol A verursacht worden sein - einem Weichmacher, der in Plastik steckt. Giegolds Fazit: Chemikalien müssten aus dem Alltag verschwinden. Dafür zu kämpfen sei er auch seinem Sohn schuldig.

Quelle: SN, Afp

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