Weltpolitik

Diese Satiriker wechselten in die Politik

In der Ukraine könnte der Komiker Wladimir Selenski bald das höchste Staatsamt bekleiden. Er wäre nicht der Erste, der es von der Comedy-Bühne aufs Politikparkett schafft.

Beppe Grillo wurde zum Gesicht der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung. SN/AP
Beppe Grillo wurde zum Gesicht der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung.

Wladimir Selenski war schon einmal Präsident der Ukraine: In der beliebten Comedyserie "Sluha narodu", was übersetzt "Diener des Volkes" heißt, spielte Selenski jahrelang einen Präsident. Er mimt seine Parade-Rolle volksnah und bodenständig. Für viele Ukrainerinnen und Ukrainer weckt es die Hoffnung, dass er diese Charakterzüge nicht nur im Fernsehen, sondern auch als Präsident beibehält.

Wladimir Selenski mimte den Präsidenten der Ukraine schon im Fernsehen. SN/APA/AFP/GENYA SAVILOV
Wladimir Selenski mimte den Präsidenten der Ukraine schon im Fernsehen.

Wladimir Selenski wäre auf jeden Fall nicht der erste Komiker, der seinen Schritt in die Politik wagt.

Der Komiker, der eine ganze politische Bewegung gründete

Weil Beppe Grillo wegen eines Autounfalls von 1981 vorbestraft ist, kandidiert er nicht für politische Ämter. SN/APA (AFP)/GIUSEPPE CACACE
Weil Beppe Grillo wegen eines Autounfalls von 1981 vorbestraft ist, kandidiert er nicht für politische Ämter.

Der italienische Kabarettist Beppe Grillo machte sich im Fernsehen jahrelang über die Politik seines Landes lustig. 2009 gründete der 70-Jährige die Fünf-Sterne-Bewegung mit. Mittlerweile stellt sie mit der rechten Lega die Regierung in Italien. Grillo war das prominenteste Gesicht und galt als Strippenzieher der Bewegung. Er kandidierte jedoch wegen einer Vorstrafe nicht für politische Ämter.

Er versprach einen Eisbär für den Zoo - und gewann

Der Isländer Jón Gnarr war von 2010 bis 2014 Bürgermeister von Reykjavík. SN/AP
Der Isländer Jón Gnarr war von 2010 bis 2014 Bürgermeister von Reykjavík.

Ein Eisbär für den Tierpark und kostenlose Handtücher: Mit absurden Wahlversprechen angelte sich der Clown Jón Gnarr 2010 den Bürgermeisterposten in Islands Hauptstadt Reykjavik. Die Isländer liebten ihn - auch weil er offen zugab, wenn er keine Ahnung hatte. Nach vier Jahren kandidierte der heute 52-Jährige nicht noch einmal und widmete sich wieder anderen Themen.

Mit "Der Partei" schaffte er es bis ins EU-Parlament

Martin Sonneborn sitzt als einziger seiner Partei im EU-Parlament.  SN/ap
Martin Sonneborn sitzt als einziger seiner Partei im EU-Parlament.

Ähnlich wie Beppe Grillo hat auch der Deutsche Martin Sonneborn eine eigene Partei ins Leben gerufen - nämlich "Die Partei". Mit seinem Politikprojekt schaffte der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" bei den Europawahlen 2014 den Einzug ins Parlament. Sonneborn bleibt aber nach fünf Jahren in der EU mehr Komiker als Politiker. Sein größter Feind ist die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD). Bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verkleidete sich der Satiriker als Hitler-Attentäter Stauffenberg. Seine Idee: Er wollte bei der Lesung des AfD-Politikers Björn Höcke eine Aktentasche abstellen - so wie es Stauffenberg bei dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler getan hat. Die Polizei hinderte Sonneborn aber daran.

Der Wutbürger mit Hang zu Verschwörungstheorien

Roland Düringers „Wutbürgerrede“ wurde auf Youtube knapp 85.000 Mal angeklickt.  SN/APA/HANS PUNZ
Roland Düringers „Wutbürgerrede“ wurde auf Youtube knapp 85.000 Mal angeklickt.

Auch Österreich hat einen Kabarettisten, der in der Politik mitmischt. Bislang war Roland Düringer nicht sehr erfolgreich. Sein politische Engagement begann 2011 als er in einer Fernsehsendung eine "Wutbürger"-Rede hielt. In der er unter anderem sich über bizarre EU-Verordnungen aufregte. Die Rede wurde auf Youtube ein Hit. Doch die EU-Verordnung zum Import von Karamelbonbons ist ein Mythos. 2016 gründete Düringer die Partei "Meine Stimme G!LT" und trat bei der Nationalratswahl 2017 an. Doch die Liste scheiterte mit 0,9 Prozent der Stimmen an der Vier-Prozent-Hürde.

Erst parodiert er den Regierungschef, dann übernimmt er sein Amt

Der slowenische Ministerpräsident Marjan Sarec war vergangenes Jahr in Salzburg zu Besuch.  SN/APA/AFP/JOE KLAMAR
Der slowenische Ministerpräsident Marjan Sarec war vergangenes Jahr in Salzburg zu Besuch.

Bevor Marjan Sarec den Posten des slowenischen Ministerpräsidenten 2018 übernahm, übte er bereits auf der Bühne. Dort parodierte er den rechten Ex-Regierungschef des kleinen EU-Landes, Janez Jansa. In die Politik stieg der 41-Jährige 2010 als linksliberaler Bürgermeister der Stadt Kamnik ein. 2017 erreichte er bei der Präsidentenwahl den zweiten Durchgang. 2018 schlüpfte Sarec mit einer Minderheitsregierung schließlich in die Rolle des Regierungschefs - diesmal in echt.

Er profitierte von der Politikverdrossenheit in Guatemala

Jimmy Morales erhielt bei der Präsidentschaftswahl mehr als zwei Drittel der Stimmen. SN/APA (AFP)/LUIS ECHEVERRIA
Jimmy Morales erhielt bei der Präsidentschaftswahl mehr als zwei Drittel der Stimmen.

Der Fernsehstar Jimmy Morales aus Guatemala hat für seinen Job als Staatschef ebenfalls auf der Leinwand geprobt. In seinem letzten Film vor Amtsantritt 2015 wird die Figur durch Zufall in das höchste Staatsamt gewählt. Als politischer Außenseiter profitierte der Nationalist damals von der allgemeinen Politikverdrossenheit in dem armen mittelamerikanischen Land. Immer wieder ist der 50-Jährige seitdem ins Visier von Anti-Korruptions-Jägern geraten.

Quelle: SN-Dop, Dpa

Aufgerufen am 04.12.2020 um 04:05 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/diese-satiriker-wechselten-in-die-politik-68149138

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