Weltpolitik

Erstmals Großdemo katalanischer Separatisten in Madrid

Die Proteste gegen das Gerichtsverfahren gegen zwölf katalanische Separatistenführer haben am Samstag die spanische Hauptstadt erreicht. Erstmals machten Zehntausende Unabhängigkeitsbefürworter nicht in Barcelona oder anderen katalanischen Städten ihrem Ärger Luft, sondern in Madrid. Hier müssen sich die Angeklagten seit Mitte Februar vor dem Obersten Gericht verantworten.

"Selbstbestimmung ist kein Verbrechen" SN/APA (AFP)/OSCAR DEL POZO
"Selbstbestimmung ist kein Verbrechen"

Ihnen werden unter anderem Rebellion und Aufruhr vorgeworfen. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Selbstbestimmung ist kein Verbrechen". Immer wieder skandierten die Menschen die Worte "Freiheit für die politischen Gefangenen!" und hielten Bilder der Angeklagten in die Höhe. Der zentrale Boulevard Paseo del Prado war ganz in die gelb-rot-blauen Farben der "Estelada" getaucht, der Flagge der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung - ein ungewohntes Bild in Madrid. Viele hielten riesige gelbe Schleifen in die Höhe, das Symbol für die Solidarität mit den Inhaftierten.

Zu der Großdemo hatten die Organisation "Katalanische Nationalversammlung" (ANC) und rund 50 weitere Verbände und Parteien aufgerufen. Um die Teilnehmer in die Hauptstadt zu bringen, wurden einem Bericht der Zeitung "El País" zufolge 500 Busse gechartert, auch 15 Sonderzüge waren im Einsatz.

Angeführt wurde die Demonstration vom katalanischen Regionalpräsidenten Quim Torra und zahlreichen Bürgermeistern der Region. "Spanien, höre diesen Schrei nach Freiheit, diesen Schrei nach Unabhängigkeit!", sagte Torra. Das Verhältnis zwischen der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez und der Region im Nordosten Spaniens ist weiter gespannt.

500 Polizisten sollten für Sicherheit und Ordnung sorgen. Über den Demonstranten kreisten Hubschrauber. Die Atmosphäre bei dem Marsch, der bei sommerlichen Temperaturen von 25 Grad stattfand, war aber aufgelockert und friedlich.

Den zwölf Angeklagten drohen im Zuge des illegal organisierten Unabhängigkeitsreferendums vom Oktober 2017 langjährige Haftstrafen. Der umstrittene Prozess wird seit Wochen live im spanischen Fernsehen übertragen, um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten. Ex-Regionalchef Carles Puigdemont, der vor der Justiz ins belgische Exil geflohen war, ist von dem Verfahren nicht betroffen. Er twitterte am Abend, der Erfolg der Demonstration berühre ihn tief: "Mit Esteladas, auf den Straßen und in fröhlicher Atmosphäre. Danke."

Quelle: Apa/Dpa

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