Weltpolitik

Geld vom Staat - ohne zu arbeiten

Finnische Forscher wagten den Großversuch mit einem "Bedingungslosen Grundeinkommen" - aufsehenerregende Studie wurde jetzt präsentiert.

Symbolbild. SN/sn
Symbolbild.

Mika Ruusunen konnte es zuerst gar nicht glauben: "Ich dachte, das wäre ein Scherz", berichtet er. "Ich habe den Brief ein paar Mal lesen müssen. Und habe nach einem Beweis dafür gesucht, dass das eine Fälschung ist." War es nicht. Seit Jänner 2017 bekam der zweifache Familienvater 560 Euro pro Monat von der Sozialversicherungsanstalt Kela überwiesen. Dafür musste er nicht nachweisen, was er mit dem Geld tat. Nicht, dass er bedürftig war. Nicht, dass er nach Arbeit suchte, noch nicht einmal, dass er arbeitsbereit war. Nein, das Geld kam bedingungslos. Genau das ist ja auch der Kern der Sache bei einem "Bedingungslosen Grundeinkommen".

Finnische Forscher haben das nun zwei Jahre lang an 2000 Probanden getestet. Am Freitag wurde das Ergebnis öffentlich vorgestellt.

Die Studienpräsentation zum Nachschauen (das Video startet ca. bei Minute 16):

Das bedeutet aber nicht, dass Finnland einen "Vollausbau" für die ganze Bevölkerung anstrebt. Das sähe dann nämlich so aus: Jeder finnische Erwachsene und jedes Kind bekämen 560 Euro netto pro Monat. Die Arbeitslosen und die, die arbeiten - und eventuell auch die Pensionisten. Dafür würde natürlich ein Großteil der alten Sozialleistungen entfallen, und damit viel Bürokratie. Das Ganze würde zwischen 15 und 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten, die man über höhere Steuern auf Einkommen hereinspielen müsste. Experten haben berechnet, dass das in Finnland eine Flat Tax von 45 bis 55 Prozent bedeuten würde. Anders gesagt: Alle Einkommen außer dem Grundeinkommen wären zur Hälfte an den Staat abzuliefern.

"Und da muss man sich ganz ehrlich dazu bekennen: Dieses Konzept führt zu einer Umverteilung von Geld. Und zwar von den Gutverdienern hin zu den Ärmeren", sagt Kangas Forscherkollege Pertti Honkanen. Ein beauftragtes finnisches Meinungsforschungsinstitut kam - Überraschung! - auch gleich zu diesem Ergebnis: Knapp 70 Prozent der Finnen finden die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens super. Wenn sie aber hören, wie viel sie dafür bezahlen müssten, stürzt der Wert auf gut ein Drittel Befürworter ab. Wobei, nächste Überraschung, vor allem die Gutverdiener sich mit Grausen abwenden.

Das wäre also schon der erste praktische Stolperstein für das "Volksgehalt" - vermutlich aber nicht der einzige.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.09.2019 um 10:30 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/geld-vom-staat-ohne-zu-arbeiten-65350252

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