Weltpolitik

Houthis werfen Saudis Eskalation in Hodeidah vor

Nach Luftangriffen der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition nahe der Hafenstadt Hodeidah im Jemen haben die jemenitischen Houthi-Rebellen der Allianz eine "schwerwiegende Eskalation" vorgeworfen. Das könnte "das Abkommen von Schweden sprengen", sagte Rebellenführer Mohammed Abdessalem am Freitag laut dem TV-Sender Almasirah mit Blick auf eine Waffenstillstandsvereinbarung von Dezember.

Die Houthis würden die Koalition für die Folgen dieser Eskalation verantwortlich machen und die Position der Vereinten Nationen aufmerksam beobachten, sagte Abdessalem. Die Militärkoalition hatte am Donnerstag mitgeteilt, einen neuen Angriff auf die Houthi-Rebellen nahe der strategisch wichtigen Hafenstadt Hodeidah gestartet zu haben. Demnach wurden vier Anlagen zur Herstellung von Seeminen und ferngesteuerten Booten zerstört.

Es war der erste Angriff der Koalition auf die vom Iran unterstützte Rebellenbewegung seit einem Drohnenangriff auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien, zu denen sich die Houthis bekannt hatten. Die USA und Saudi-Arabien machten den Iran für die beispiellosen Angriffe verantwortlich, die einen Einbruch der Ölproduktion und einen Anstieg des globalen Ölpreises zur Folge hatten. Teheran wies jede Verantwortung dafür zurück.

Die Houthis kontrollieren seit 2015 die jemenitische Hauptstadt Sanaa und große Gebiete im Norden des Jemen. In einer Vereinbarung von Dezember sagten sie zu, sich aus der Hafenstadt Hodeidah zurückzuziehen, doch sind ihre Truppen weiter in der Stadt präsent. Abdessalem warf der Militärkoalition am Freitag vor, mehrere Schiffe am Einlaufen in den Hafen zu hindern. Dies komme einem "Kriegsakt" und einer "Aggression" gleich, sagte er.

Im Morgengrauen seien vor allem Produktionsstätten von Sprengstoffbooten und Seeminen angegriffen worden, berichtete die saudische Nachrichtenagentur SPA am Freitag. Zuvor sei ein ferngelenktes Sprengstoffboot zerstört worden, hieß es weiter ohne Ortsangabe. Die Boote und Minen stellten eine Bedrohung für die internationale Schifffahrt im südlichen Teil des Roten Meeres dar.

Saudi-Arabien führt eine Allianz arabischer Staaten an, die im Jemen seit Jahren gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen kämpft. Der Krieg hat die derzeit schlimmste humanitäre Krise weltweit ausgelöst.

Die Vereinten Nationen hatten im vergangenen September eine Feuerpause für die wichtige Hafenstadt Hudeidah und einen schrittweisen Rückzug der Kriegsparteien aus der Stadt ausgehandelt. Die Häfen der Region sind für die Versorgung des bitterarmen Jemens mit Hilfsgütern von großer Bedeutung.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Lage um die Stadt deutlich beruhigt, wie Anwohner der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Am Freitag habe es aber heftige Angriffe nördlich der Stadt gegeben. Zahlreiche Kampfjets seien in der Luft.

Am vergangenen Samstag waren saudische Ölanlagen in Abqaiq und Khurais von Raketen und Drohnen angegriffen und schwer beschädigt worden. Jemens Houthi-Rebellen reklamierten die Bombardierung für sich - als Vergeltung für den saudischen Militäreinsatz im jemenitischen Bürgerkrieg.

Aus Riad und Washington aber heißt es, die Raketen und Drohnen seien nicht aus dem im Süden gelegenen Jemen gekommen, sondern aus Richtung Norden. Sie sehen damit den saudischen Erzfeind Iran am Werk. Dies hat zu erheblichen Spannungen in der Region geführt.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 28.09.2020 um 02:54 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/houthis-werfen-saudis-eskalation-in-hodeidah-vor-76473724

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