Weltpolitik

Malta: Wollten Entführer Gaddafis Sohn freipressen?

Nach vier Stunden ist die Geiselnahme in einem libyschen Flugzeug beendet. Verletzt wurde niemand, die Entführer werden nun verhört. Was war eigentlich ihr Motiv?

Nach dem unblutigen Ende der Flugzeugentführung in Malta mit mehr als 100 Menschen suchen die Ermittler weiter nach dem Motiv der Geiselnahme.

Die Entführer hatten während der Geiselnahme keine Forderungen gestellt, sagte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Freitag vor der Presse. Bei den zwei Männern habe es sich "wahrscheinlich um libysche Staatsbürger" gehandelt, so Muscat.

Mehr Details waren zunächst nicht bekannt. Medienberichten zufolge sollen die Entführer in Malta Asyl gefordert haben. Maltas Regierungschef Muscat sagte jedoch, zu einem Asylgesuch sei ihm nichts bekannt.

Zunächst deutete alles darauf hin, dass die Entführer den ehemaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi unterstützten. Einer der Männer hatte in der Flugzeugtür die grüne, alte libysche Staatsflagge geschwenkt, die nach dem Sturz und Tod Gaddafis 2011 abgeschafft wurde.

Unbestätigten Berichten zufolge sollen sie die Bedingung gestellt haben, dass Gaddafis Sohn Saif al-Islam auf freien Fuß kommt. Dieser wurde nach dem Aufstand gegen seinen Vater im November 2011 festgenommen. Im Juli 2015 wurde Saif al-Islam in Tripolis zum Tod durch Erschießen verurteilt.

Einem libyschen Sender gegenüber sollen sie sich auch zu der bislang eher unbekannten Gruppe Al-Fatah al-Dschedida bekannt haben.

Die Waffen waren Replikate

Auf Fernsehbildern war nach der Festnahme zu sehen, wie bewaffnete Soldaten das Flugzeug untersuchten. Die nach der Entführung einer libyschen Passagiermaschine sichergestellten Waffen waren übrigens Nachbildungen. Das teilte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat am Freitag über Twitter mit.

Erste forensische Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich um Replikate handle. Zuvor hatte Muscat gesagt, dass bei den zwei festgenommenen Entführern eine Handgranate und eine Handfeuerwaffe gefunden worden seien. Bei der Durchsuchung des Flugzeugs sei noch weitere Waffe entdeckt worden.

Die Männer drohten Medienberichten allerdings mit einem Sprengsatz. Auch die unabhängige libysche Nachrichtenseite Alwasat berichtete von einer Drohung mit einer Bombe. Darüber habe der Kapitän den Tower auf Malta informiert. Ihre Quellen nannte die Seite nicht.

Der Airbus der staatlichen libyschen Fluglinie Afriqiyah-Airways war am Freitag von Sabha nach Tripolis unterwegs. Doch der Flug 8U209 änderte den Kurs und landete um etwa 11.30 Uhr auf dem Flughafen in der maltesischen Hauptstadt Valetta.

Die Entführer hatten sich vier Stunden nach der Landung ergeben, zuvor hatten sie nach Verhandlungen mit Maltas Behörden alle Passagiere und Crewmitglieder freigelassen. Die Entführer seien festgenommen wurden und würden verhört, sagte Muscat.

An Bord waren inklusive der Entführer 111 Passagiere und Crewmitglieder, darunter 82 Männer, 28 Frauen und ein Kind. Auch ein Angehöriger des libyschen Parlaments hatte sich an Bord befunden, meldete der Nachrichtensender Al-Arabija. Auch Crew und Passagiere sollen nun befragt werden, um den Tathergang zu klären.

Danach sollen die Passagiere mit einem anderen Afriqiyah-Airways-Flug nach Libyen zurückkehren, sagte Muscat.

Der anfangs völlig unterbrochene Flugverkehr war am Freitagnachmittag bereits teilweise wieder aufgenommen, noch bevor sich die Entführer ergeben hatten.

Die letzte größere Flugzeugentführung nach Malta gab es im Jahr 1985, als Palästinenser eine ägyptische Maschine kaperten. Eine ägyptische Sondereinheit stürmte das Flugzeug. Dabei kamen Dutzende Menschen zu Tode.

Quelle: Apa/Ag.

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