Weltpolitik

Turiner Grabtuch wird am Karsamstag online gezeigt

Zum erstem Mal in der Geschichte wird am Karsamstag das Turiner Grabtuch für ein Online-Gebet ausgestellt. Das Grabtuch, das laut Tradition das Leichnam Jesu umhüllt hatte, soll dank der Online-Plattform live gezeigt werden, kündigte der Erzbischof von Turin Cesare Nosiglia in einer Videobotschaft am Samstag an.

Franziskus besuchte das Grabtuch im Jahr 2015 SN/APA (AFP)/ALBERTO PIZZOLI
Franziskus besuchte das Grabtuch im Jahr 2015

"Die Liebe Jesu ist stärker als jedes Leid, jede Krankheit, jede Ansteckung und jede Herausforderung", sagte Nosiglia. Am Karsamstag um 17.00 Uhr werde er vor dem Grabtuch beten. In dieser Zeit wird die ganze Welt das Grabtuch sehen und sich dem Gebet anschließen können.

Der Erzbischof erklärte, dass er täglich tausende Botschaften von Gläubigen erhalte, die ihn um die Möglichkeit bitten, vor dem Grabtuch zu beten. "Ich nehme gern diese Aufforderung an. Dank Fernsehen und Sozialer Medien werden wir das Grabtuch der ganzen Welt zeigen können", sagte Nosiglia.

Seit Jahrhunderten verehren Christen ein in Turin aufbewahrtes Stück Stoff als das Grabtuch Jesu Christi. Das knapp viereinhalb Meter lange und gut ein Meter breite Leinentuch zeigt die Vorder- und Rückansicht eines nackten Mannes, der am Kreuz starb. Die "Sindonologie" versucht, das Geheimnis des Tuchs wissenschaftlich zu lüften. Die historische Dokumentation des Leichentuchs beginnt Ende des 14. Jahrhunderts. Danach wurde es seit etwa 1355 zunächst in Frankreich, seit 1578 dann in Turin aufbewahrt. Pollenanalysen, Webart und Abmessungen weisen Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass das Tuch aus dem Vorderen Orient stammt.

Mit Hilfe der Radiokarbonmethode, die der Altersbestimmung von archäologischen Objekten dient, ermittelten internationale Forscher 1988, dass das Tuch wohl erst zwischen 1260 und 1390 nach Christus entstanden ist. Somit könne es nicht das in den Evangelien erwähnte Grabtuch Christi sein. Allerdings gibt es auch Experten mit abweichender Meinung. Strittig ist unter anderem, ob die Gewebeproben von stark beanspruchten Stellen stammen, die im Mittelalter ausgebessert wurden. Papst Franziskus hatte im Juni 2015 das Turiner Grabtuch besucht.

Quelle: APA

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