Oberösterreich

Stinkt Linz? 5 Vorurteile, und wie die oberösterreichische Hauptstadt wirklich tickt

Video & Insider-Tipps aus der drittgrößten Stadt Österreichs - von verführerischen Gerüchen, herrlich altmodischen Plätzen und coolen trendigen Locations.

Ein schroffer Taxifahrer, ein latent aggressiver Pensionist und Aussagen wie "Linz ist altmodisch, langweilig und ein bisschen rassistisch": Der Kurzfilm "Linz ist Linz" hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, indem er Vorurteile gegenüber der oberösterreichischen Landeshauptstadt satirisch aufs Korn nimmt.


Kurzfilm "Linz ist Linz"




Das habe ich zum Anlass genommen, wieder einmal nach Linz zu reisen und die fünf gängigsten Vorurteile gegenüber der Industrie-Metropole an der Donau zu hinterfragen. Stinkt Linz? Ist Linz altmodisch und hässlich? In meinem Video sehen Sie so manche überraschende Antwort.

Die Vorurteile im Detail - und wie sich Linz bei meinem Besuch wirklich gezeigt hat:

Vorurteil Nr. 1: "Linz stinkt."


Dieses hartnäckige Gerücht verdankt Linz seinem Status als Industriestadt. Längst halten nur Linz-Verweigerer an diesem Vorurteil fest, denn wahr ist vielmehr: Die Linzer Luftqualität ist längst genau so gut wie jene in den anderen größeren Städten Österreichs.

Bei meinem Kurztrip habe ich zudem zahlreiche köstliche Gerüche in die Nase bekommen. Ein paar Beispiele, die ich Ihnen zugleich als Tipps für Ihren nächsten Linz-Besuch ans Herz legen möchte:

Mandelduft in der Landstraße. Mein Stadtspaziergang startet in der beliebtesten Einkaufsstraße der Stadt, der Landstraße - wo sich Marken-Shops, aber auch originelle Läden und Speisenlokale aller Art aneinander reihen. Hier steigt mir zum Beispiel der süßliche Geruch von gebrannten und kandierten Nüssen in die Nase. "Linz riecht nach Mandeln", lacht die Verkäuferin, eine gebürtige Thai. "Linz und Thailand - das riecht gleich gut."

Süße Düfte bei den Naschkatzen. Ich schlendere durch die Altstadt und mache in der Hofgasse bei zwei Profi-Naschkatzen Halt: Anna und Anna produzieren hier handgemachte Zuckerln in bunten Farben - und auf Wunsch sogar mit Werbelogos. "Bei uns riecht es manchmal nach Cola, manchmal nach Banane, Himbeere - aber immer gut", sagt Anna Shtyn und zeigt mir, wie aus der heißen Zuckermasse die bunten Süßigkeiten entstehen. Bei Workshops können Besucher auch ihre eigenen Zuckerln kreieren.

Naschkatze Süßwarenmanufaktur, Hofgasse 6, naschkatze-shop.com

Würziger Geruch, der süchtig macht. "Brotsüchtig" nennt sich eine Bäckerei in der Herrenstraße vis-a-vis des Hotels Schwarzer Bär. Der Duft nach frischem Brot lässt meinen Magen knurren. "Was tun Sie denn da rein, dass Ihr Brot süchtig macht?" will ich von der Verkäuferin wissen. "Nur gute Zutaten: Ur-Dinkel und Roggen."

Brotsüchtig, Herrenstraße 8, www.brotsuechtig.at

Der Duft der weiten Welt. Ich folge meiner Nase und lande schließlich beim Inder in der Domgasse. Gorav Jasm sieht aus wie ein Inder, spricht aber eine lustige Mischung aus bayerisch und oberösterreichisch, mit bisschen indischem Akzent. "Linz riecht nach Gewürzen," meint Gorav und zeigt mir seine selbstgemachten Gewürzmischungen: "Koriander, Fenchel, Sternanis…"
Seine köstlichen indischen Spezialitäten hat er leicht den österreichischen Gaumen angepasst: "nicht zu scharf."

Domgasse 6, www.zaffran.at

Vorurteil Nr. 2: "Linz ist altmodisch."

Jugendstil & Linzertorte. Bei meinem Spaziergang durch die Linzer Innenstadt wird mir gleich klar: altmodische Nostalgie und coole Moderne liegen hier ganz nah beieinander. Zu meinen Lieblingsgassen zählt das Grätzel um die Bischofstraße, Herrenstraße und Spittelwiese. Hier finden sich Antiquitätenhändler, ein Herrenschneider mit Jugendstil-Portal und originelle Design-Läden mit netten Geschenkideen ebenso wie etwa die Konditorei Jindrak, die seit 1929 die "Original Linzer Torte" herstellt. Und die ist in allen möglichen Größen und Geschenkkarton-Varianten erhältlich. Aber selbst das klassische Torten-Wahrzeichen gibt's neben altmodisch verpackt auch jedes Jahr in einem neuen Design, entworfen von Linzer Künstlern. 2021 dient ein Linzertorten-Stück als Kopfpolster für eine schlafende Frau.

A propos Linzer Torte: Wer seinen Stadtspaziergang noch spaßiger gestalten will, kann mit der Visit Linz App Torten sammeln und so Bonusleistungen sammeln.

Konditorei Jindrak, Herrenstraße 22, www.jindrak.at

Wiener Kaffeehaus in Linz. Ein Ort herrlich altmodischer Kaffeehauskultur ist das Café Traxelmayr, das älteste Kaffeehaus der Stadt und quasi ein exportiertes Stück traditioneller Wiener Kultur, betont der Besitzer Ulrich Traxlmayr im Video-Interview: "Es ist von der Einrichtung und vom Angebot her ein typisches Wiener Kaffeehaus." Die Kaffeehaustischerln, die Melange, die mit dem Glas Wasser auf einem Tablett serviert wird, die Tortenvitrine, die unzähligen Tageszeitungen im Zeitungshalter, Jugendstil-Ornamente und Kristallluster - alles erinnert an die Zeit der (Wiener) Kaffeehausliteraten. "Wir sind das zweitälteste Kaffeehaus, das noch von der Gründerfamilie betrieben wird", sagt Ulrich Traxlmayr. "Man würde es in der Art heute nicht mehr bauen, aber so wie es dasteht, ist es klass".

Café Traxelmayr, Promenade 16, www.cafe-traxlmayr.at

Alte Fabrik mit coolen Ideen. Als Kontrast zum gediegenen Jugendstil-Café besuche ich die vordergründig grauen Gebäude der alten Tabakfabrik Linz. Der in den 1930er Jahren errichtete und heute denkmalgeschützte Industriebau ist jetzt eine Mischung aus Denkfabrik, Kunst-Quartier und Produktionsstätte sowie Versuchslabor für innovative Startup-Unternehmer. Bei Führungen bekommen die Besucher Einblicke in ein bedeutendes Stück Industrie-Architektur, können entlang der "Start up Straße" Bekanntschaft mit klugen Köpfen und jungen kreativen Unternehmern machen, Ausstellungen oder Veranstaltungen besuchen - und demnächst auch Linzer Bier genießen. Bis 2022 entsteht auf dem Gelände auch eine neue Brauerei.

Ab 19. November gastiert hier die Ausstellung "The Mystery of Banksy" - mit Werken des mysteriösen wie anonymen Graffitikünstlers, der mit jenem Bild berühmt wurde, das sich bei einer Versteigerung durch einen eingebauten Shredder teilweise selbst zerstörte - und dadurch erst recht zum einzigartigen Kunstwerk wurde.

Tabakfabrik Linz, Peter-Behrens-Platz 8, https://tabakfabrik-linz.at/

Moderne Kultur & Architektur an der Donau.

 SN/sn7linz tourismus/robert josipovic


Am modernsten zeigt sich Linz an beiden Seiten der Donau: Auf der Urfahraner Seite (also auf der "anderen" Donau-Seite von Linz) erstrahlt in der Abenddämmerung das Ars Electronica Center in coolem Licht. Wer wissen will, wie Künstliche Intelligenz schon bald unser Leben verändern wird, der sollte sich für das interaktive und wohl modernste Museum Österreichs unbedingt Zeit nehmen.

Ars Electronica Center Straße 1, ars.electronica.art

Auf der anderen Seite der Donau bietet das nicht minder beeindruckende moderne Kunstmuseum Lentos zeitgenössische und avantgardistische Ausstellungen.

Lentos, Ernst-Koref-Promenade 1, www.lentos.at

"Linz ist alles andere als altmodisch, sondern die modernste, vorwärts gewandteste und mutigste Stadt in Österreich", bringt es Kreativ-Direktor Chris Müller von der Tabakfabrik Linz im Video-Interview auf den Punkt.

Vorurteil Nr. 3: "Linz ist ein bisschen rassistisch."

Was manche Linzer nicht gerne thematisieren: Adolf Hitler verbrachte in Linz seine Jugend und plante hier später, seine Führerstadt zu errichten. Bauten an der Nibelungenbrücke erinnern daran, und unter dem Hauptplatz befindet sich eine riesige Bunkeranlage. Kurz Entschlossene können noch bis 31. Oktober im Stadtmuseum Linz die Ausstellung "Der junge Hitler" sehen.

Aber trotz des dunklen Kapitels der Vergangenheit - ist Linz heute noch "ein bisserl rassistisch", wie das im Kurzfilm anklingt? "Linz ist überhaupt nicht rassistisch", betont Bürgermeister Klaus Luger. "Bei uns leben Menschen aus über 140 Nationen friedlich zusammen."

Zu den spannendsten Multikultivierteln zählt der Südbahnhofmarkt, den mir Reisejournalisten-Kollege Bernhard Lichtenberger näherbringt: "Besonders am Samstag vormittag ist Linz hier richtig international. Da steht ein Foodtruck von der Anna aus Peru und vom Mario aus Mexiko, die servieren Tacos und Empenadas vom Feinsten." Südfrüchte, Gewürze, erlesene Öle und Kulinarik vom oberösterreichischen Bier bis zum Thaifood - auf dem Südbahnhofmarkt ist die weite Welt zuhause.

Südbahnhofmarkt, Marktplatz, www.suedbahnhofmarkt.com

Auch mit dem Linzer Häppchen-Pass (erhältlich bei der Tourist Information am Hauptplatz) lässt sich eine kulinarische Weltreise durch Linz unternehmen - mit verschiedenen Schmankerln von französischen Macarons über italienische Salami bis zum Thai-Food. Ab November locken eine Punsch & Kekse-Tour sowie eine "Green Tour" zu nachhaltigen Betrieben.

Details: www.linztourismus.at/genuss

Vorurteil Nr. 4: "Linz ist nichts für Feinschmecker."

Kebab-Buden und Fastfood gibt's in Linz wie überall sonst auch, aber Linz hat einen Schnellimbiss, der bis vor kurzem noch ein echtes Unikat war: den Leberkas-Pepi. Nur hier gibt's täglich zwölf verschiedene Leberkässorten, Klassiker wie Pferd, Käse und Chili ebenso wie Saison-Varianten mit Bärlauch bis hin zu Tomaten-Mozzarella, Kürbiskern mit Speck und Trüffel und Steinpilz. Mittlerweile ist der Leberkas-Pepi auch nach Wien expandiert, aber am stilvollsten genieße ich die Köstlichkeit am traditionellen Standort - mit der Leberkässemmel als nostalgisches Zunftzeichen an der Hausmauer.

Leberkas-Pepi, Rathausgasse 3, www.leberkaspepi.at

Sie können in Linz aber auch so richtig exquisit essen. Zum Beispiel bei Sebastian Rossbach und Marco Barth im Rossbarth. In einem unscheinbaren Haus in der Klammstraße zaubern die beiden in ihrem kleinen Gewölbelokal mit 25 Sitzplätzen jeden Abend immer genau ein Menü. Es geht nicht um Masse in der Auswahl, sondern um erlesene Qualität und außergewöhnliche Kreationen. Dabei gebärden sich die beiden auch schon mal als vermeintlich "böse Buben" wie im "Linz ist Linz"-Film, wo sie bedrohlich ihre Messer wetzen. Sebastian serviert mir ein "böses" Dessert aus Sellerie, Malz und Majoran - das ist süß, salzig und scharf zugleich. Ein geniales Geschmackserlebnis!

Rossbarth, Klammstraße 7, www.rossbarth.at, Reservierung erforderlich.

Vorurteil Nr. 5: "Linz ist hässlich."

Plattenbauten, wie sie im Kurzfilm ironisch als "architektonische Leckerbissen" bezeichnet werden, gibt's am Stadtrand von Linz schon auch. Aber wie hässlich ist Linz insgesamt? Das will ich genauer wissen und unternehme an einem grauen verregneten Vormittag einen Spaziergang mit dem Architekten Andreas Henter vom Architektenteam Tp3 durch die Linzer Innenstadt. "Wir beginnen in der Altstadt", sagt der Städteplaner und meint damit die gleichnamige Straße. "Der Lichtbrunnen, der hier vor drei Jahren auf einem alten Brunnen errichtet wurde, ist ein schönes Symbol dafür, wie sehr sich die Stadt zum Positiven verändert hat. Es macht wieder eine große Freude, durch die Altstadt zu flanieren." Der Hauptplatz wurde um eine begrünte Stadtoase und um Pflanzentröge bereichert. "Ein guter Schritt, Linz grüner zu machen," so der Architekt.

Zertifizierte Guides laden zu verschiedenen Themenführungen und Abendspaziergängen, um den Blick auf die Highlights von Linz zu lenken. Details und Termine: www.linzerleben.at

 SN/claudius rajchl

Coolste Rooftop-Bar in der Altstadt oder Kunst-Hotel beim Ars Electronica Center

Das gemütliche Hotel Schwarzer Bär mit feinem Frühstück samt Wohnzimmer-Atmosphäre und Rooftop-Bar - und das Arte Hotel für Kunstsinnige unweit des Ars Electronica Centers - zwei Hoteltipps für Ihren nächsten Linz-Besuch finden Sie jetzt in meinem Video-Blog rajchlreist.tv auf www.rajchlreist.tv/hoteltipps-linz

(Entgeltliche Einschaltung)

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