Chronik

50 Jahre 1968: "Weißt du noch, damals in der Kellerbar?"

Seit 1968 steht "Conny" Lindenthaler aus Abtenau auf der Bühne. Gerade die Anfangszeit war magisch - aber auch äußerst beschwerlich.

Noch heute glänzen Konrad Lindenthalers Augen, wenn er an das erste Mal denkt, als er "Satisfaction" von den Rolling Stones hörte. "Ich war in Hallein in der Fachschule, es war '66 oder '67. Eigentlich war die Hafner-Diele DAS Lokal in Hallein, aber zum ersten Mal gehört hab' ich es im VAT 69 am Pfannhauserplatz. Das war ein Wahnsinn, das vergisst man nicht. Jedes Mal, wenn ich jetzt die Platte höre, denke ich ans VAT 69."

"Skilehrer und Musiker, mehr hast nicht braucht"

Seit genau 50 Jahren steht "Conny" Lindenthaler, Jahrgang 1949, auf der Bühne, zum ersten Mal 1968 als Gastsänger mit den "Club Three" in der damals angesagten Kellerbar des Hotels "Rother Ochse". "Da habe ich ,Dear Eloise' gesungen, von den Hollies. Danach haben die drei gesagt, es wär klass, wenn du Bass lernst, wir bräuchten einen Bassisten." Gesagt, getan, und ab 1969 spielte das nunmehrige "Club Quartett" in der Sommer- und Wintersaison: "Da ist es zugegangen, das war ein Wahnsinn. Da sind sogar viele Salzburger nach Abtenau gefahren, weil bei uns so viel los war." Sechs Mal die Woche spielt die Band für 200 Schilling pro Abend, also zirka 14,5 Euro, in der Kellerbar - 200 Schilling für alle vier Musiker wohlgemerkt. "Aber sechs Mal die Woche, da ist schon was zsammkommen, da hast mehr mit der Musik verdient als mit der Arbeit." Daher nahm er sich in der Saison immer einen Monat unbezahlten Urlaub von seiner Arbeit als technischer Zeichner. Und wie war das mit den weiblichen "Fans" damals? "Nebenbei war ich auch noch Skilehrer - Skilehrer und Musiker, mehr hast nicht braucht", schmunzelt er. Und so fand sich die Band auch an ihrem Ruhetag nicht selten als Gast in der Kellerbar ein.

"Wir wussten gar nicht, wo dieser Sound herkommt"

Gespielt wurde die gerade angesagte Tanzmusik von deutschem Schlager bis zu den Beatles und Santana sowie später Discomusik. Das Lernen der Stücke war mühsame Kleinarbeit - Noten gab es keine: "Du musstest die Platten kaufen oder die Songs aus dem Radio aufnehmen und dann x-mal zurücklaufen lassen, um einen Textteil oder einen Basslauf irgendwie hinzuimprovisieren." Das eingangs erwähnte "Satisfaction" stand übrigens nicht auf der Setlist - das wäre doch etwas zu viel Revolution gewesen: "Nein, bei Veranstaltungen spielen konnte man das damals nicht. Außerdem konnten wir das ja gar nicht spielen. Dieser Sound mit dem Verzerrer, wir wussten gar nicht, wo dieser Ton herkommt."

"Herst scho wieda die scheiß Beatle?"

Ganz einfach war das Dasein als langhaariger, modisch gekleideter Jugendlicher aber nicht immer, grade im wenig revolutionären Lammertal: "Da haben sie schon gemeint, du hast einen ,Huscher', wenn du Geige gelernt hast, wie ich in der Volksschule. Und mit den langen Haaren früher, das war schlimm, ein Wahnsinn, gerade in der Bauernhochburg Abtenau. Mein Vater war noch dazu Förster, zu allem, was englisch war, hat er gesagt: ,Herst scho wieda die scheiß Beatle?' Die ,scheiß Beatle' hat er immer gesagt", lacht Lindenthaler.

Zu laut, zu leise, zu modern, zu traditionell: Die Auftritte sind Drahtseilakte

Als er Mitte der 1970er arbeitsbedingt in die Stadt Salzburg zieht, intensiviert sich seine musikalische Tätigkeit, zuerst mit "The Selection" und dann mit den "Troubadours", damals eine der meistbeschäftigten Tanzmusikbands in Salzburg. Obwohl allesamt nur nebenberufliche Musiker, übernehmen sie Profi-Engagements in der Wagrainer Tenne und in der Großgmainer Tenne, spielen auf den großen Bällen in der Stadt Salzburg und treten in ganz Österreich und Bayern auf. "Da waren wir wirklich viel unterwegs, 50 Mal im Jahr reicht wahrscheinlich nicht." Der Auftritt selbst sei immer ein Drahtseilakt gewesen: "Die einen haben geschrien ,zu laut', den anderen war es zu leise. Haben wir ländlich-traditionell gespielt, hat die eine Seite gepfiffen, haben wir modern gespielt, die andere."

"Der Zuspruch der Jugend damals war enorm"

Anfang der 1980er steigt Lindenthaler dann aus, widmet sich mehr seinem Job als Innenarchitekt und der Familie. Der Musik bleibt er aber treu und steigt ab Mitte der 1990er auch wieder in Formationen verschiedenster Musikrichtungen ein, vom Oikumenia Gospelchor über die Untersberger Nachtschwärmer und das Martin-Langer-Duo bis hin zum Jazzquartett Standards Delivery und Schlagersängerin Hannah Rose.

Aber auch nach 50 Jahren bleibt ihm vor allem die Anfangszeit in der Abtenauer Kellerbar unvergesslich: "Das war eine wunderschöne Zeit. Wir haben die Jugend damals fasziniert, der Zuspruch war enorm, die reden heute noch davon. Wenn ich mal wieder dort bin, werde ich immer angesprochen, ,Spielst du noch, weißt du noch, damals, kannst dich noch erinnern, damals in der Kellerbar?'"

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