Chronik

700 Gramm Kokain im Körper: Bodypacker in Salzburg verurteilt

Ein Nigerianer hatte 70 mit Kokain gefüllte Kapseln verschluckt und von Holland nach Österreich geschmuggelt. Für den lebensgefährlichen Schmuggel sollte er angeblich 2500 Euro bekommen. Stattdessen erhielt er jetzt am Landesgericht Salzburg zwei Jahre teilbedingte Haft.

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Um Suchtgift - meist besonders teure illegale Drogen wie Kokain oder Heroin - unentdeckt in andere Länder schmuggeln zu können, setzten Drogenorganisationen immer wieder auf sogenanntes Bodypacking. Dabei schlucken die Drogenkuriere (Bodypacker) das Suchtgift, das in kleinen Behältnissen (latexumhüllte Päckchen, Kapseln, Kugeln oder auch Kondome) abgefüllt oder verpackt wird. Die so im Magen-Darm-Trakt versteckten Mini-Behältnisse werden dann später - oft unter Hilfe von Abführmitteln - wieder "natürlich ausgeschieden".

Am Freitag musste nun ein 26-jähriger Nigerianer am Salzburger Landesgericht wegen Bodypackings auf der Anklagebank Platz nehmen. Der in Mönchengladbach in Deutschland lebende Afrikaner hatte am 29. April gleich 70 Kapseln mit jeweils rund zehn Gramm Kokain geschluckt und dann als Zugreisender von Amsterdam aus über Deutschland nach Salzburg eingeführt. Der 26-Jährige wurde schließlich in Klagenfurt von Drogenfahndern gefasst - das Suchtgift war offenbar für einen Abnehmer in der Kärntner Landeshauptstadt bestimmt. Im Zuge der damals laufenden internationalen Polizeioperation "Stormvoogel" (federführend: das LKA Wien) war man dem Nigerianer auf die Spur gekommen.

Der Nigerianer, verteidigt vom Wiener Rechtsanwalt Leonhard Kregcjk, zeigte sich gegenüber dem Schöffensenat (Vorsitz: Richter Christoph Rother) reumütig geständig. "Es war ein riesengroßer Fehler, dass ich das gemacht habe. Aber ich habe es wirklich nur getan, weil meine Frau damals große gesundheitliche Probleme hatte und wir Geld für eine Operation brauchten."

Nachdem er Freunden von der Misere erzählt und diese gefragt habe, ob sie denn nicht einen Job für ihn hätten, habe ihn eines Tages "ein Mann aus den Niederlanden" angerufen, erzählte der Angeklagte: "Er hat gesagt, ich soll nach Amsterdam kommen. Dort hat er mir diese größeren Kapseln gegeben zum Hinunterschlucken. Für den erfolgreichen Transport nach Österreich hat er mir 2500 Euro versprochen."

Auf die entsprechende Frage des Vorsitzenden, ob er denn gewusst habe, was er da mit viel Wasser hinunterschlucke, räumte der Nigerianer ein: "Der mir nicht näher bekannte Mann hat mir nicht direkt gesagt, was drinnen ist. Aber ich dachte natürlich schon an Drogen."

Verteidiger Leonhard Kregcjk verwies darauf, dass sein unbescholtener, schon länger in Deutschland lebender Mandant damals "aufgrund einer schier ausweglosen persönlichen Notsituation in die Fänge einer großen kriminellen Organisation geraten ist. Diese Leute ködern vor allem Menschen in Notlagen um vergleichsweise wenig Geld - von dem der Angeklagte nichts sah".

Der Schöffensenat verhängte über den Nigerianer wegen Drogenhandels bzw. der Vorbereitung dazu zwei Jahre teilbedingte Haft. Acht Monate davon wurden unbedingt ausgesprochen. Richter Christoph Rother verwies auch darauf, dass Bodypacking "hochgefährlich" sei: "Wenn solche Päckchen platzen, dann ist es wohl vorbei mit dem Leben."

Der Angeklagte nahm das Urteil an; weil auch Staatsanwältin Sandra Lemmermayer einen Rechtsmittelverzicht abgab, ist es bereits rechtskräftig.

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