Chronik

Auf Tour: Gefahren vermeiden!

Trauer, Schock und Betroffenheit sitzen nach wie vor tief. Bei dem Lawinenunglück in Tweng kamen drei sehr junge Skitourengeher ums Leben.

Vor jeder Tour gilt es zu reflektieren: „Wer geht mit wem wohin? Passen unsere Leistung und das Können zusammen?“ Erfahrung, Wissen, persönliches Können und angepasstes Verhalten sind mitentscheidend für eine sichere Tour!  SN/sw/hp kreidl
Vor jeder Tour gilt es zu reflektieren: „Wer geht mit wem wohin? Passen unsere Leistung und das Können zusammen?“ Erfahrung, Wissen, persönliches Können und angepasstes Verhalten sind mitentscheidend für eine sichere Tour!

Skitourengehen erlaubt es wie kein anderer Wintersport, in die unberührte Bergwelt einzutauchen. Sonnige Firnhänge, staubende Abfahrten und einsame Winterlandschaften. Anders als beim Pistenfahren scheint es keine Grenzen zu geben - außer die eigenen und jene, die uns die Natur vorgibt!

Wie kann die Gefahr verringert werden? Und wird die heurige Wintersaison aufgrund der vielen Skitourengeher, die mit dieser schönen Sportart begonnen haben, eine gefährliche? Die PN haben dazu mit dem erfahrenen Bergführer Sepp Schiefer gesprochen: "Es sind deutlich weniger geworden, doch noch immer bewegen sich zahlreiche Tourengeher komplett ohne Sicherheitsausrüstung im Gelände. Auch gibt es immer noch die taktischen Energiesparer, die ihr Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) im Rucksack verstauen oder gar nicht erst daran denken, es einzuschalten. Die Batterien sollen schließlich für die ganze Saison halten. Soziale Medien wie Instagram und Facebook sorgen wiederum dafür, dass zwar ganze Monatsgehälter in sündteure Ausrüstung investiert werden. Aber die "Poser" - und ich meine das jetzt nicht böse - haben noch nie etwas von Begriffen wie Spuranlage, Hangneigung- und Richtung, Wechten oder etwa Triebschneeansammlungen gehört", sagt der St. Johanner. "Skitourengehen ist ein Sport, der umfassendes Wissen zu Lawinenkunde, Schneedeckenaufbau, Tourenplanung und Erste Hilfe bei einem Lawinenunfall benötigt. Es ist deshalb jedem anzuraten, nicht ohne eine entsprechende Ausbildung in freies Gelände zu gehen."

Schiefer betont, wie wichtig es sei, wenn "man mit dem Skitourengehen neu anfängt, sich jemand Erfahrenem anzuvertrauen, der einem alles erklärt, oder, noch besser, einen seriösen Ausbildungskurs zu besuchen". Er ist seit vielen Jahrzehnten leidenschaftlicher Motorradfahrer und nahm unter anderem sogar an der "Isle of Man Classic TT" teil, das Rennen gilt als das älteste, gefährlichste und umstrittenste Motorradrennen der Welt. "So wie ich nicht 1:1 von der Rennstrecke auf die Crossbahn wechseln kann, sollte man auch nicht ohne zusätzliche Ausbildung von der Piste ins Gelände wechseln", betont Schiefer, der auch Ausbilder bei der Bergrettung ist. "Ski fahren können ist das eine, aber wer hat auch das alpine Wissen?"

Auf der Piste begegnen einem auch sehr viele leistungsorientierte Sportler aus der Wettkampfszene. Das erklärte Ziel auf dem Weg zum Gipfel ist dabei, dass jede Sekunde zählt. Körperliche Fitness, maximale Motivation und eine optimierte Ausrüstung treiben den Highspeedtourer auf den Berg. "Für den Skibergsteiger zählt in erster Linie der Wettkampf, der Kampf gegen die Zeit und die Konkurrenten. Jede Sekunde entscheidet über Sieg und Niederlage! Die Hersteller stellen dafür ultraleichtes Equipment wie etwa bei Lawinenschaufel und Sonde zur Verfügung. Das ist für den Wettkampf gedacht, doch wenn man bei einem möglichen Lawinenunglück damit erste Hilfe leisten sollte, dann ist dieses Spielzeugequipment unbrauchbar! Im Notfall hat man lediglich 15 Minuten Zeit, einen Verschütteten mithilfe der entsprechenden Notfallausrüstung, sprich mit LVS-Gerät, stabiler Lawinenschaufel und Tourensonde, zu orten und zu bergen."

Nach Ablauf dieser Zeit nimmt die Überlebenskurve rapide ab und sinkt von 90 Prozent Überlebenschance in den ersten 15 Minuten auf 40 Prozent nach 30 Minuten Verschüttungsdauer. "Hier muss man zuvor effektiv geübt haben, um Leben retten zu können. Heuer gab es vor allem in den alpinen Hochlagen bereits viel Neuschnee mit Windeinfluss. Wind ist für die Entstehung von Lawinen immer Thema."

Der Bergführer rät dazu, genau und regelmäßig auch den lokalen Wetterbericht und den Lawinenlagebericht zu verfolgen.

Skitouren: Häufige Fragen und Antworten sowie praktische Tipps

Die Zeit drängt! Schnelle Rettung in den ersten 15 Minuten entscheidet. Notruf (140) absetzen.
Wer geht mit wem wohin? Passen unsere Leistung und unser Können zusammen?
Führen Sie immer eine Notfallausrüstung - zumindest LVS-Gerät, Sonde und Schaufel - mit und lernen Sie zuvor, damit umzugehen. Bei Notfällen braucht es Routine, um gut reagieren zu können. Machen Sie in Ihrer Gruppe vor dem Start ins Gelände einen LVS-Check.
Verfolgen Sie regelmäßig Wetter- und Lawinenlageberichte (lawine-salzburg.at).
Lassen Sie andere wissen, wo Sie unterwegs sind. Ob Angehörigen-Info, Zettel im Auto oder mit der App auf Alpenverein Aktiv - "Buddy beacon". Hiermit kann man Freunden seinen genauen Standort mitteilen. Neue Methoden wie "offenes Sondieren" oder Spiralsondieren sind für die Kameradenrettung ebenso wichtig wie die Beurteilung von Geländefallen bei der Tourenplanung bzw. beim Anlegen der Skispur! Halten Sie sich bei Gruppen an Abstandsregeln für Aufstieg und Abfahrt . Aus den Erfahrungen der Bergrettungsstatistik weiß man, dass viele Lawinenunfälle auch bei Variantenabfahrten passieren: Ab 30 Grad Steilheit sollten Abstände von zehn Metern beim Aufstieg und mindestens
30 Metern bei der Abfahrt eingehalten werden: Es gilt, nicht nebeneinander abzufahren und Abfahrtsspuren genau zu überlegen. Lawinenwarnstufe 2 ist kein Freibrief: Immer wieder wird der "2er" als "Go" für Steilabfahrten für jede mögliche Hangausrichtung gesehen. Linktipps: Lehrvideos des Alpenvereins auf YouTube wie Notfall Lawine, richtiges Schaufeln oder Sondieren etc.

PONGAU-NEWSLETTER

Jetzt kostenlos anmelden und wöchentlich topaktuelle Informationen aus Ihrer Region kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 17.01.2022 um 10:40 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/auf-tour-gefahren-vermeiden-114101317

Schöne Heimat

Paragleiter auf der Bischlinghöhe

Von Christa Kramer
17. Jänner 2022
...vor dem Sonnenuntergang

Kommentare

Schlagzeilen