Chronik

Bei Rot in den Tunnel - unerwartete Gefahren für alle

Bei einem Unfall im Schönbergtunnel missachteten 20 Autofahrer die Tunnelsperre und fuhren trotz mehrerer Rotlichtampeln in den Tunnel ein.

Bei Unfällen in Tunnels kann es auch für Unbeteiligte schnell zu brenzligen Situationen kommen. SN/sw/ff schwarzach
Bei Unfällen in Tunnels kann es auch für Unbeteiligte schnell zu brenzligen Situationen kommen.

"Vor einer Woche bekamen wir die Alarmierung, dass im Schönbergtunnel ein schwerer Unfall passiert sei", schildert der Ortsfeuerwehrkommandant von Schwarzach, Markus Buzanich, die Problematik. "Eventuell seien Personen eingeklemmt und eine Rauchentwicklung gegeben.

Wir haben dann die Tunnelportale sofort abgesichert und die Tunneleinfahrten gesperrt. Das haben wir sogar mit einem Einsatzfahrzeug von uns klar sichtbar gemacht. Doch trotz mehrerer Rotlicht-Ampeln sind in dieser Zeit 20 Autofahrer - links vom Feuerwehrauto mit Blaulicht vorbei - in den Tunnel eingefahren."

Eine unglaublich gefährliche Situation für alle: "Einer meiner Männer, ein Absperrposten, wurde dabei fast niedergefahren. Als Ortsfeuerwehrkommandant ist es für mich das Allerwichtigste, dass ich meine Leute nach jedem Einsatz wieder gesund nach Hause bekomme. Doch bei diesem Einsatz musste ich um das Leben meiner Leute fürchten."

Während die 21 ausgerückten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach und die 19 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr St. Veit den Unfallopfern zu Hilfe kamen, standen plötzlich immer wieder Autos neben ihnen. "Wir haben die Unfallopfer versorgt und geschaut, dass wir die Menschen und Fahrzeuge wieder rausbekommen. Lebensgefährlich für alle Beteiligten, nicht nur für uns, sondern auch für jene, die Hilfe brauchen, und auch für die, die da bei Rotlicht immer wieder in den Tunnel einfahren."

Die Einsatzkräfte von Polizei, Rettung und Feuerwehr hatten alle Hände damit zu tun, dass sie die unzähligen Autofahrer wieder aus dem Tunnel hinausleiten konnten:

"Wir waren ja teilweise mit Atemschutz-Ausrüstung im Tunnel. Das kann dann schnell zur Todes-Hölle werden, wenn da Autos ungebremst daherkommen, während wir beim Versorgen von Verletzten sind oder Fahrzeugbrände löschen."

Der Schönbergtunnel wurde 1999 gebaut und ist 2988 Meter lang. Nach jeweils 1000 Metern gibt es zwei Fluchtausgänge. Er wurde mehrmals nachgerüstet, Ende 2015 auch aus Sicherheitsgründen eine so genannte Section-Control errichtet. Diese Überwachungsanlage hat innerhalb von drei Monaten 3000 Geschwindigkeitsübertretungen gemessen.

"Die Geschwindigkeitsüberschreitung bei Baustellen auf Straßen ist allgemein ein Problem", beobachtet auch der Leiter der Straßenmeisterei Pongau, Hannes Mußbacher. "Beim Schönbergtunnel müssen wir zwei mal jährlich eine fixe Sperre für Reinigungsarbeiten machen und leiten dann den Verkehr über Schwarzach um. Und obwohl hier ganz offensichtliche Hinweise für die Umleitung gemacht werden, fahren Fahrzeuglenker trotzdem in den Tunnel ein."

Für seine Mitarbeiter sei dann auch eine gefährliche Situation gegeben, "einmal hatten wir sogar einen Lenker im Tunnel, der meinte, sein Navigationsgerät hätte ihm das halt so angesagt".

Seitens der Straßenmeisterei werden immer alle aktuellen Sperren auch via Medien weitergegeben und angekündigt, "wir müssen ja manchmal auch nur kleinere Wartungsmaßnahmen durchführen, oder manchmal verlieren Lenker Ladegut oder es gibt kleine Pannen."

Mußbacher fällt - auch bei der aktuellen Sperre beim Mauttunnel wegen Steinschlagarbeiten - zunehmend eine gewisse Ungeduld der Fahrzeuglenker auf: "Keiner hat mehr Zeit zu warten."

Aber auch Ablenkungen wie durch das Handy spielten eine Rolle für eine Unkonzentriertheit der Lenker: "Die fahren dann einfach trotz Rotlicht anderen Fahrzeugen nach."

Sogar eigens aufgestellte Leitanhänger, die mit Pfeilen und Signallichtern in das Ortsgebiet von Schwarzach umleiten, werden von etlichen Lenkern ignoriert. "Es kann ja auch durchaus sein, dass für die Autofahrer dann eine Gefahr durch beispielsweise offene Kanaldeckel gegeben ist, damit rechnet ja niemand. Auch das Licht ist dann dunkler geschaltet. Wir stellen auch keine Verkehrsposten drinnen auf, und so ist das hochgefährlich." Wenn von der Straßenmeisterei solche Fahrzeuglenker ertappt werden, "dann winken wir sie einfach schnell durch, sonst können wir ja gar nichts machen".

Seitens der Polizei werde natürlich in solchen Fällen gestraft, einmal gab es gleich für 18 Autofahrer eine Strafe. Sie sind in den gesperrten Tunnel eingefahren, obwohl die Ampeln auf Rot gestellt waren, weil ein Auto eine Panne hatte. Die Videoaufzeichnung dient zur Verkehrsüberwachung, kann allerdings gegen Rotlichtsünder verwendet werden. "Die Unaufmerksamkeit der Lenker nimmt zu", sagt auch der Pongauer Bezirkskommandant der Polizei, Josef Nothdurfter. "Das ist nicht Absicht, sondern einfach eine Abwesenheit der Gedanken. Wir werden als Konsequenz einfach verstärkt kontrollieren." Die Strafen für solche Übertretungen sind übrigens hoch und ein Vormerkdelikt. Für die Freiwilligen der Feuerwehren heißt es auch, dass zusätzliche Einsatzkräfte zum Absperren und zum Anhalten des Verkehrs bereitgestellt werden, damit durch ignorante Autolenker nicht noch mehr passiert.

Aufgerufen am 23.07.2018 um 05:32 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/bei-rot-in-den-tunnel-unerwartete-gefahren-fuer-alle-31717981

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