Chronik

Blackout - Was nun? Panikmache oder sinnvolle Vorsorge?

Die Gemeinden Kuchl, Oberalm, Adnet und Golling arbeiten bereits seit einiger Zeit zusammen, was einen möglichen Blackout - auch genannt "Strom- und Infrastrukturausfall" - betrifft.


Ende Oktober kamen alle beamteten Katastrophenschutzreferenten der Länder zusammen, um sich auszutauschen. Das passiert ein Mal im Jahr. Dabei geht es hauptsächlich um bundesländerübergreifende Maßnahmen, denn Katastrophen und Krisen kennen bekanntlich keine Grenzen. "Sei es im Hochwasserfall, bei Lawinenkatastrophen oder einem möglichen Blackout - uns geht es darum, von den Erfahrungen der anderen Länder zu profitieren, aber auch mit den Verantwortlichen in der Politik Maßnahmen zu setzen, um den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung zu garantieren", betont Norbert Altenhofer vom Referat für Katastrophenschutz.

Wie definiert man ein Blackout?

Was ist überhaupt ein Blackout und wie wird er definiert? Herbert Saurugg, Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen, definiert einen Blackout wie folgt: "Ich verstehe unter einem Blackout einen plötzlichen, überregionalen, sprich weite Teile Europas umfassenden und länger andauernden Strom- und Infrastrukturausfall. Das bedeutet, dass der Strom nicht, wie sonst üblich, nach wenigen Minuten oder Stunden wieder aus der Steckdose kommt. In Österreich sollten wir bei einem Blackout mit einer Ausfallszeit von rund einem Tag rechnen. Bis die gesamte europäische Stromversorgung wieder funktioniert, wird zumindest eine Woche vergehen. Das hat weitreichende Konsequenzen für unser Leben. Denn im Gegensatz zu einem lokalen Ausfall würden damit auch alle anderen gewohnten Infrastrukturleistungen ausfallen wie Handy, Festnetz und Internet. Eine Hilfe von außen ist nicht möglich." Aufzüge bleiben stecken, Ampeln fallen aus, der Bankomat gibt kein Geld ab, Kassen funktionieren nicht, Tanken ist nicht möglich. Und so kommt das gewohnte Leben binnen kürzester Zeit völlig zum Stillstand. Je nach Region und Vorsorge sind dann auch Probleme bei der Wasser- und vor allem bei der Abwasserentsorgung zu erwarten.

Jeder einzelne sollte und kann vorsorgen

Aus einer Studie der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH weiß man, dass sich rund ein Drittel der Bevölkerung nicht in der Lage sieht, sich, ohne einkaufen zu gehen, länger als maximal vier Tage selbst versorgen zu können. Nach einer Woche betrifft das bereits zwei Drittel der Menschen. Aber die Versorgung wird erst nach dieser Zeit wieder anlaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist man noch immer weit weg von der gewohnten Vollversorgung. Daher lautet die wichtigste Botschaft: Jeder von uns muss so weit vorsorgen, damit er zumindest zwei Wochen, ohne einkaufen gehen zu müssen, über die Runden kommt. Und das betrifft neben den Lebensmitteln und dem Wasser auch die persönliche Medikamentenversorgung. "Am besten, man bereitet sich wie auf einen Campingurlaub vor, wo es keine Versorgung gibt," erklärt Saurugg.

Das sind die Aufgaben der Gemeinden

Während jeder Einzelne sich um seine persönlichen Bedürfnisse kümmern sollte, so hat die Gemeinde folgende Aufgaben: die Bevölkerung zu informieren, Krisenmanagement zu betreiben, Selbsthilfe-Basen einzurichten, die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu regeln und auch eine technische (Not-)Kommunikation einzurichten. Dazu kommen die Treibstoffversorgung für die Einsatzkräfte, die Gesundheits(not)versorgung und noch besondere Themenfelder wie beispielsweise die Landwirtschaft.

Kuchl und Adnet bereits auf Blackout vorbereitet

Die Gemeinden Kuchl und Adnet sind bereits auf einen längeren Stromausfall vorbereitet, indem die Trinkwasserversorgung durch die hohe Anzahl an Hochbrunnen sichergestellt ist. Genau so ist es mit der Abwasserentsorgung, denn der Hauptteil kommt ohne elektrische Energie aus. Die Einsatzkräfte (Feuerwehr, Einsatzleitung Gemeinde) verfügen über eine Notstromversorgung, um Hilfe leisten zu können.

Mini-Blackout bereits im Jänner in Adnet

"Wir hatten schon einen Mini-Blackout durch die Schneelast im Jänner. Wir konnten die sieben Häuser, die ohne Strom waren, gut eine Woche mit dem Notstromaggregat versorgen," so Adnets Bürgermeister, Wolfgang Auer, der selbst Elektromeister ist.

Stefan Vötter ist nicht nur bei der freiwilligen Feuerwehr und HTL-Lehrer, sondern auch Zivilschutzbeauftragter der Gemeinde Kuchl und meint: "Ein längerfristiger Stromausfall ist gut durch das Zusammenwirken der Gemeinschaft zu bewältigen. Die Bezirke bereiten sich auf einen Blackout vor, aber um die Bevorratung mit Essen sollte sich jeder selbst kümmern. " Die Gemeinde Kuchl arbeitet eng mit Adnet, Golling und Oberalm zusammen und teilt gerne ihr Wissen.

Blackout-Gefahr nimmt zu

Oberst i. R. Gottfried Pausch analysierte 2017 in der Fallstudie "Blackout und seine Folgen" die Auswirkungen eines Blackouts auf Gemeinden und schlug konkrete Maßnahmen für Familien, Betriebe, Behörden und Einsatzorganisationen vor.

Was macht Sie zu einem Blackout-Experten?

Im Wissen, dass Einsatz-, Rettungs- und Hilfsorganisationen allein die Herausforderungen einer Blackout-Katastrophe nicht bewältigen können, verfasste ich die Fallstudie. Ich habe bereits 90 Vorträge dazu gehalten.

Warum nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts zu?

Weil die Bedeutung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zur Steuerung der komplexen Stromnetze steigt und so vermehrt Störungen auftreten, die die (über-) regionale Versorgung mit elektrischer Energie gefährden. Für den Autor T. C. A. Greilich ("Bedrohung Blackout", 2018) ist es nicht die Frage, ob es zu einem Blackout kommt, sondern wann.

Ist es Panikmache oder Vorsorge, über einen Blackout zu spekulieren?

Mein Grundsatz lautet: "Handle wie ein Optimist, aber plane voraus wie ein Pessimist!" Denn wenn du mit dem schlechteren Fall rechnest, kannst du diesen besser bewältigen, als wenn er tatsächlich eintritt. Bei meinen Blackout-Vorträgen geht es keinesfalls um Panikmache, sondern um das Aufzeigen der logischen Folgen eines überregionalen und länger andauernden Strom- und Infrastrukturausfalls für unsere moderne Industrie- und Wohlstandsgesellschaft und v. a. darum, wie sich verantwortungsbewusste Bürger auf so eine Katastrophe vorbereiten können.

Sie erkennen einen Blackout an vier zentralen Merkmalen:
1. Der Strom ist weg.
2. Handy und Festnetz funktionieren eingeschränkt oder gar nicht.
3. Auf Radio Ö3 hören Sie im Verkehrsfunk, dass alle Tunnel gesperrt werden müssen. Das passiert binnen der ersten
eineinhalb Stunden. Der ORF kann 72 Stunden mit Notstrom senden.
4. Viele Privatradiosender sind nicht mehr zu empfangen.

Das können Sie vorab tun bzw. organisieren, um auf einen Blackout vorbereitet zu sein: Taschenlampen und Radio mit Batterie (im Notfall reicht auch ein Autoradio) organisieren. Einen Erste-Hilfe-Kasten mit Medikamenten und auch eine Ersatzkochgelegenheit wie zum Beispiel einen Griller oder Gaskocher parat stellen.Haltbare Lebensmittel sollten für ca. zwei Wochen zu Hause sein. Es ist auch wichtig, Bewusstsein in der Familie zu schaffen und Treffpunkte zu vereinbaren, falls die Kommunikation nicht möglich ist. Auf die Haustiere nicht vergessen und Futter für mehrere Tage einkaufen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.zivilschutzverband.at
Interessierte können auch die Fallstudie von Gottfried Pausch anfordern: GottfriedPausch@gmx.at


Aufgerufen am 10.12.2019 um 01:12 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/blackout-was-nun-panikmache-oder-sinnvolle-vorsorge-79483027

Kommentare

Schlagzeilen