Chronik

Brüder brachen europaweit in Wohnmobile ein

Wohnmobileinbrüche haben jetzt Hochsaison. Zwei Bosnier wurden dafür bereits in vier europäischen Staaten verurteilt - auch schon am Landesgericht Salzburg. Einzig im jüngsten Prozess, wieder in Salzburg,  ging das Duo im Zweifel frei. Die Polizei hat eine Reihe von Tipps an Wohnmobilfans, um derartigen nächtlichen Einbrüchen entgegenzuwirken.

Auf Autobahnparkplätzen abgestellte Wohnmobile werden häufig Ziel von Einbrechern (Symbolbild).  SN/robert ratzer
Auf Autobahnparkplätzen abgestellte Wohnmobile werden häufig Ziel von Einbrechern (Symbolbild).

. In den Sommermonaten sind wieder tausende Camper aus vieler Herren Länder mit Wohnmobilen oder Wohnwagen-Gespannen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs. Die fahrenden Unterkünfte der Reisenden sind allerdings immer häufiger auch Ziel von Einbrechern, oft bandenmäßig organisierte Kriminelle. Diese schlagen dann zu, wenn die Urlauber auf Autobahnparkplätzen oder -raststätten ahnungslos schlafen. Meist mit Spezialwerkzeug werden Türen in Sekundenschnelle geknackt und raschest Wertsachen erbeutet. Die Opfer bemerken meist erst in der Früh den Einbruch - wenn die Täter schon über alle Berge sind.

Erst vor wenigen Tagen drangen bislang Unbekannte auf Rastplätzen entlang der Tauernautobahn - konkret in Golling und in Krottendorf (Zederhaus) - nächtens in abgestellte Wohnmobile ein. Beute: In einem Fall ein Handy, ein Tablet und ein Rucksack, im anderen Fall nur eine Hose.

Dass Wohnmobileinbrecher selbst auch überaus mobil und bisweilen international "tätig" sind, bewiesen die zwei Bosnier Omer H. (37) und Sejdo H. (34) eindrucksvoll. Die beiden Männer waren nicht nur im November 2017 am Salzburger Landesgericht wegen eines halben Dutzend nächtlicher Wohnmobileinbrüche an Autobahnraststätten und -tankstellen vor allem im Land Salzburg verurteilt worden: Die letztlich dafür verhängten Haftstrafen von 12 Monaten bzw. 22 Monaten waren nämlich Zusatzstrafen zu einer bereits im Mai 2017 vom Amtsgericht München ausgesprochenen Verurteilung zu jeweils eineinhalb Jahren Gefängnis wegen eines Wohnmobileinbruchs in Deutschland.

Dem nicht genug war Omer H. schon 2014 in Frankreich wegen dort verübter gleichgelagerter Coups zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, aus der der 37-Jährige aber schon im Februar 2016 entlassen worden war. Eine einschlägige Verurteilung in Frankreich - bereits aus 2013 - und zudem auch noch eine weitere in der Schweiz im Jahr 2010 scheinen auch bei Sejdo H. auf: Aus beiden jeweils zweijährigen Haftstrafen war der 34-Jährige vorzeitig entlassen worden.

Am Montag mussten die bosnischen Brüder und international aktiv gewesenen Wohnmobileinbrecher nun erneut am Landesgericht Salzburg Platz nehmen. In der aktuellen Anklage von Staatsanwalt Alexander Winkler wurden dem in Puch-Urstein in Strafhaft sitzenden Duo weitere sieben Wohnmobileinbrüche angelastet. Diese sollen sie bereits zwischen 31. Juli und 8. August 2016 auf Rastplätzen und Tankstellen entlang der Südautobahn (A2) begangen haben. Laut Staatsanwalt ging es um Coups in Wohnmobile vor allem in Niederösterreich und der Steiermark, während die Besitzer ahnungslos schliefen. Die Täter seien mit einem genau zu den Angeklagten passenden modus operandi vorgegangen: Mit der "Schlossstichmethode" wurden blitzschnell verschlossene Türen geöffnet und unter anderem Bargeld, Handys und Elektrogeräte im Gesamtwert von einigen tausend Euro gestohlen.

Die zwei Bosnier wiesen die nunmehrigen Vorwürfe über ihren Verteidiger RA Franz Essl entschieden zurück: "Ja es stimmt: Meine Mandanten wurden mehrfach wegen solcher Einbrüche verurteilt. Aber mit diesen Taten haben sie nichts zu tun. Es gibt weder DNA-Spuren noch Fingerabdrücke. Zudem passen die Täterbeschreibungen überhaupt nicht zu den zwei Bosniern. Und einige Einbrüche wurden gar nicht mit der Schlossstichmethode verübt." Der Schöffensenat (Vorsitz: Richterin Martina Pfarrkirchner) sprach das Duo dann auch im Zweifel frei: Die Beweisergebnisse seien für eine Verurteilung nicht ausreichend. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Schutz vor Wohnmobileinbrüchen: Die Polizei gibt Tipps

Die Salzburger Polizei versucht mit verstärkten Kontrollen Wohnmobil- und Wohnwageneinbrüchen auf Raststätten und Tankstellen entlang den Autobahnen entgegenzuwirken. Dazu gibt die Exekutive den Campern folgende Sicherheitstipps:

Das Fahrzeug immer abschließen; die Fahrzeugtüren gegebenenfalls mit einem Spanngurt von Tür zu Tür sichern; die Wohnraumtüren mit Zusatzschlössern sichern.

Das Wohnmobil mit einem Wertdepot (fest verankerter Wohnmobiltresor) ausstatten. Diverse Türen und Klappen können auch mit Kontaktsensoren elektronisch überwacht werden - wird hantiert jemand an der Tür, kommt es zu einer Warnung durch lauten Alarm und Licht.

Wichtig ist auch die Wahl des Schlafplatzes. Abseits von Autobahnraststätten und -parkplätzen ist man sicherer. Keinesfalls das Wohnmobil an abgelegenen, dunklen Stellen parken und dort nächtigen. Vorzugsweise bewachte bzw. betreute Campingplätze ansteuern.

Die beiden Notrufnummern 133 und 112 sollen in jedem Mobiltelefon eingespeichert sein, um im Ernstfall rasch alarmieren zu können. Generell rät die Polizei zu steter Aufmerksamkeit. Verdächtiges umgehend melden.

Weitere Informationen beim Landeskriminalamt Salzburg, Kriminalprävention, Telefon: 059133/50-3333.

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