Chronik

Der Hausmeister Gottes ist in der Wallfahrtskirche in Arnsdorf für alles und alle da

Die Wallfahrtskirche in Arnsdorf wurde sieben Jahre lang generalsaniert. In 1000 freiwilligen Arbeitsstunden behütete der Mesner das Projekt.

<strong>Die am 17. Juni 1520</strong> geweihte Wallfahrtskirche Maria im Mösl im Stille-Nacht-Ort Arnsdorf ist ein barockes Juwel.  SN/privat
Die am 17. Juni 1520 geweihte Wallfahrtskirche Maria im Mösl im Stille-Nacht-Ort Arnsdorf ist ein barockes Juwel.

"Wenn du die Muttergottes anbetest, fließt viel Kraft zurück. Maria hilft in schwierigen Zeiten", weiß Josef Hufnagl aus eigener Erfahrung zu berichten. Er zählt schwere Krankheitsfälle in der Familie auf. "Aber wir dürfen nicht nur bitten, wir müssen auch danken", bekräftigt der Mesner der Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf bei Lamprechtshausen und fügt hinzu: "Was unsere Vorfahren unter großen Entbehrungen geschaffen haben, müssen wir hier und heute erhalten."

Josef Hufnagl, im Dorf von allen Surer Sepp genannt, tut es und fühlt sich verantwortlich. Die Wallfahrtskirche erstrahlt wie ein Juwel. Zum 500-Jahr-Jubiläum wurde sie in den letzten sieben Jahren um 2,4 Millionen Euro generalsaniert. Das Weihejubiläum wäre eigentlich 2020 gewesen. Corona hatte Feierlichkeiten unmöglich gemacht. Nun aber können sie nächstes Wochenende nachgeholt werden.

Sepp Hufnagl hat 1000 ehrenamtliche Einsatzstunden geleistet. Tag für Tag, rund um die Uhr erreichbar, vom Friedhof bis hinauf zum Glockenturm, hat er die Facharbeiter und Helfer bei Laune gehalten. Er vergleicht das mit Management beim Hausbau. Kirche aufsperren, sich mit Firmen absprechen, konkrete Hinweise geben, Entscheidungen vor Ort treffen, Strom umleiten, Jause besorgen, dem Baumeister bei der Platzierung von Installationen dreinreden, Zeitmanagement und Absprache mit dem Pfarrer, ständig heißt und hieß es: "Sepp, hilf uns, wir brauchen dich!"

Mesner Sepp Hufnagl kümmert sich auch um die Pilger. SN/privat
Mesner Sepp Hufnagl kümmert sich auch um die Pilger.

Als Ansprechpartner im Renovierungsausschuss hat Hufnagl die Baulogistik beeinflusst und unzählige Freiwillige gewonnen. "Du musst die Leute anreden, ein bisschen mit Schmäh, die verstehen es. Auch Menschen, die mit der Kirche nichts zu tun haben, schätzen das, sie kommen und helfen. Sie sind hoch motiviert." Auf der Baustelle wurde angepackt, die Dorfgemeinschaft gefestigt. Insgesamt waren rund 100 Freiwillige, oft 25 an einem Tag, eingesetzt, sie haben 4000 Arbeitsstunden geleistet. Und gelegentlich musste der Mesner Alarm schlagen, wenn etwa der Betonfluss fehlgeleitet wurde, oder zu einer kleinen "Zwischenjause" motivieren.

Seit 2012 bekleidet Josef Hufnagl das Mesneramt. Sein Vorgänger habe ihn vage gefragt und am nächsten Tag die Kirchenschlüssel vorbeigebracht. Nach kurzer Bedenkzeit willigte Hufnagl ein. Auch wenn seine Frau Maria einmal während der Umbauphase humorvoll bemerkt habe, Sepp könne sein Bett gleich in die Kirche stellen, stünden sie und die ganze Familie voll hinter ihm. Der 64-Jährige - er hat vier Kinder und fünf Enkelkinder - übernahm den nahe der Kirche gelegenen Surerhof von den Eltern. Er hörte 1997 mit der Viehwirtschaft auf und arbeitete im Ziegelwerk. Nutzgründe wurden verpachtet, ab 1998 das Wohnhaus neu errichtet. Noch wird die Truthahnzucht betrieben, Haus und Hof sind seit Ende 2015 im Besitz von Sohn Josef jun. mit dessen Ehefrau Andrea.

Als Mesner hilft und dient Hufnagl dem Ortspfarrer. Er bereitet das Gotteshaus für Messen oder Begräbnisse vor, den Festtagen im Kirchenjahr entsprechend, sorgt für Dekoration, organisiert das Maikranzbinden, räumt zusammen. Er richtet, putzt, teilt ein, kümmert sich um Licht, Technik, Elektronik, Glocken, Glockenspiel und Wasser, Wein und Weihrauch. Zwischen Auf- und Zusperren kann schon schweißtreibende Arbeit liegen wie Schneeräumung im Friedhof oder Reparatur von Sturmschäden, wenn es ihm möglich ist.
Gern rückt Hufnagl mit der Wallfahrerfahne aus. "Meine Initiative zur Anschaffung der neuen Fahne 2020 freut die Pilger und die Einheimischen", berichtet er. "Es wird geschätzt, wenn sie mit der Fahne willkommen geheißen werden." Und obwohl der rührige Mesner Unzuverlässigkeit überhaupt nicht vertragen kann, ist ihm heuer am 11. Mai eine lustige Sache passiert. Laut Kalendereintrag war er um acht Uhr mit der Fahne den Pilgern aus Oberndorf zum Bittgang mit Messe entgegengewandert. In der Kirche wurde von Stellvertreter Karl Bachstein alles vorbereitet, Kerzen entzündet, Messwein eingeschenkt. Aber niemand kam. Die Enttäuschung klärte sich auf: Acht Uhr sollte acht Uhr abends heißen.

"Das Mesnersein ist eine schöne Aufgabe", schwärmt Hufnagl, "auf jeden Fall Vertrauenssache." Der gläubige Diener verehrt die Muttergottes. Nicht alles sei selbstverständlich; er blickt auf und ergänzt: "Sie horcht zu, wenn du jemanden brauchst zum Reden. Die vielen Votivtafeln sind nicht umsonst da."

Er spricht es und füllt weiterhin Weihwasserfläschchen ab, etikettiert sie und legt sie auf, ebenso Kirchenführer und Ansichtskarten. Wenn es sich ergibt, erklärt er schon einmal einer Gruppe das Ausmaß der Renovierung oder bastelt für den Pfarrer eine Regalmechanik in der Sakristei. Der Surer Sepp lächelt zufrieden.

Aufgerufen am 17.10.2021 um 07:40 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/der-hausmeister-gottes-ist-in-der-wallfahrtskirche-in-arnsdorf-fuer-alles-und-alle-da-104250376

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