Chronik

Der jüngste Meister Österreichs

Im Alter von 19 Jahren schloss Eric Dengg aus Mariapfarr die Meisterprüfung als Goldschmied ab. Ein Beruf, den es nur noch äußerst selten gibt.

Nicht selten sitzt Eric Dengg am Sonntagnachmittag in der Werkstatt des Familienbetriebes und tüftelt an neuen Schmuckstücken herum. Kreativität, Geduld und feine Hände sind essenziell. Aus natürlichen, markanten und unförmigen Materialien wie Steinen erstellt er am liebsten Schmuck. Oft hat er schon beim Ansehen des Steins ein fertiges Bild vom Schmuckstück im Kopf. Löten, Granulieren oder Ziselieren sind nur drei von unzähligen Arbeitstechniken, derer es dafür bedarf. Er arbeitet bewusst mit den Techniken, die bis in das 17. Jahrhundert zurückgehen.

Die Arbeit mit Zeichenprogrammen und 3-D-Druckern beherrscht der junge Goldschmied, lehnt sie jedoch ab: "Ich führe zu 100 Prozent Handarbeit aus, weil so der Schmuck individuell ist und ein Unikat bleibt." Auf ein Gespräch mit dem Kunden, um seinen Geschmack kennenzulernen, legt er viel Wert. Es ist die Basis für die Planung und Fertigung des Einzelstückes. "Die Menschen schätzen den persönlichen Kontakt. Mich freut es, wenn Kunden das Geschäft mit einem Lächeln verlassen." Modeschmuck aus unechten Materialien verkauft die Firma nicht, denn dieser rufe oft Ausschläge hervor und sei nicht nachhaltig. "Schmuck hat einen Wert und wird über Generationen weitergegeben. Man kann aus alten Schmuckstücken neue machen." Damit setzt er bewusst ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. "Ich verarbeite jeden Gold- und Silberstaub wieder zu einem Draht oder Blech, bei uns wird nichts weggeschmissen."

Die Faszination für seine Arbeit ist dem Mariapfarrer anzusehen. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich Leuten eine Freude machen kann. Außerdem ist er sehr abwechslungsreich. Ich fertige vieles an - von Jagd- und Trachtenschmuck bis hin zu modernem und künstlerischem Schmuck."

Obwohl er schon als Kind mit seinem Großvater in der Werkstatt war und in den Ferien im Betrieb mithalf, hatte er nie den Berufswunsch, Goldschmied und Juwelier zu werden. Nach der Unterstufe des Gymnasiums besuchte Dengg kurz die HAK und entschloss sich im zweiten Jahrgang, eine Lehre als Gold-, Silberschmied und Juwelier zu beginnen. Die dreieinhalbjährige Lehre absolvierte er in einem großen Juwelierbetrieb in Graz. Ein gebürtiger Lungauer Meister, der schon von Denggs Großvater ausgebildet wurde, war nun auch sein Lehrlingsausbilder. Parallel machte er die Unternehmerprüfung sowie die Berechtigung zur Lehrlingsausbildung und erhielt die Giftbezug-Lizenz. "Ich konnte in der großen Firma sehr viel lernen. Der persönliche Kontakt zum Kunden ging mir jedoch ab", blickt er zurück. Nach der Lehrabschlussprüfung kam er in den Lungau zurück und strebte die Meisterprüfung an. Sehr viele Jahre lang wurden keine Meisterprüfungen in Salzburg durchgeführt, wodurch eine eigene Prüfungskommission gebildet werden musste. "Es gab weder einen Vorbereitungskurs noch Unterlagen, ich schrieb alles, was ich mitbekommen konnte und was mir beigebracht wurde, stets auf und kam letztendlich auf 8000 Seiten, die ich für die Prüfung lernte." Seit März 2019 ist er der jüngste Goldschmied-Meister Österreichs.

"Es gibt nur äußerst wenige Lehr- und Arbeitsstellen als Goldschmied. In meinem Lehrjahr waren wir österreichweit nur zu sechst in der Berufsschule." Grund dafür seien einerseits die schlechten beruflichen Aussichten danach und andererseits der finanzielle und zeitliche Aufwand für die Betriebe: "Man darf erst in den Arbeitsprozess eintreten, wenn man alle Schritte perfekt kann. Fehler im Schmuckstück kann der Kunde nicht akzeptieren." Schmuck, der von Dengg fabriziert wurde, durfte nach zwei Jahren Lehrzeit an den Kunden verkauft werden. Sein Lieblingsedelmetall ist Gold. "Es ist extrem verformbar, Blattgold etwa ist ein Zehntausendstel Millimeter dünn." Außerdem sei es in der Wertanlage am beständigsten, obwohl derzeit Palladium das wertvollste Edelmetall ist.

Denggs Vater Erich ist Geschäftsinhaber des Betriebes, seine Mama Ingrid und die Großeltern arbeiten ebenfalls mit. Auch heute ist der 20-jährige Schmuckbegeisterte mit seinem 82-jährigen Großvater, der 1963 die Firma gründete, noch gerne in der Werkstatt. "Ich habe viel von ihm gelernt und lerne nach wie vor von ihm."

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