Chronik

Der "Retter von Gastein" will es nochmals wissen

Reinhardt Stefan Tomek überlegt, bei der Gemeindewahl im März 2019 in Bad Gastein anzutreten. Eventuell mit einer eigenen Liste.

1980 kam er nach Bad Gastein. Er sollte das legendäre Grand Hotel de l'Europe retten, das dem Turnauer-Konzern gehörte. Reinhardt Stefan Tomek hatte sich einen Namen als Sanierer gemacht, ihm schwebte ein "Monte Carlo der Alpen" vor.

Der gebürtige Niederösterreicher holte Weltstars ins Gasteinertal, wie Liza Minnelli, Charles Aznavour, Peter Ustinov. Der frühere Glanz von Bad Gastein flackerte wieder auf. Doch die Rechnung ging nicht auf, 1988 musste Konkurs angemeldet werden.

"Hingerafft haben uns die Bankenkrise und Tschernobyl", sagt Tomek. Er sieht keine Schuld bei sich: "Alle unsere damaligen Liegenschaften sind heute noch lebendig. Wir haben sie renoviert, sie haben neue aktive Eigentümer gefunden. Die Liegenschaften, die wir nicht in Besitz hatten, sind die Krux, weil die Bürgermeister an schlimme Investoren wie dem Herrn Duval alles verkauft haben, ohne zu prüfen, ob sie die Kompetenz dafür haben."

Die Kompetenz, Bad Gastein in eine bessere Zukunft zu führen habe er, sagt Tomek und meint: "Das ganze Gasteinertal ist eine topografische Besonderheit, das weit über den Tourismus hinausgeht. Es hat einen tollen USP und könnte ein europäisches Zentrum werden für Gesundheit und Ökologie." Dazu brauche es eine elitäre Bildungseinrichtung und Firmen, die intelligente Dienste und Produkte entwickeln. "Und Manager, die hier wohnen."

Er habe Experten und Investoren, welche dies ermöglichen können, sagt Tomek. Es benötige aber auch regionale politische Entscheider, welche Wirtschaft und Marketing verstünden. "Ich habe miterlebt, wie viel verhindert wurde durch Unwissenheit, Machterhalt oder kleinem Denken. Es braucht bei den örtlichen Entscheidern Persönlichkeiten, die Sprachen können, die verhandeln können, die mit einem arabischen Fürsten genauso reden können wie mit der Chefin von IBM. Das kann man nicht der Geschäftsführung des Tourismusverbandes überlassen."

Von kolportierten Plänen, Hotels im gehobenen Segment (4-Sterne-Superior bzw. 5-Sterne-Kategorie) zu errichten, hält Tomek nichts: "Eine Belebung mit einem Fünf-Sterne-Hotel wäre ja wünschenswert, aber das geht nur, wenn es ein großer Name ist - und ein solcher geht nicht hin. Die Großen machen nur Managementverträge, die pachten oder investieren nichts, es bräuchte 300 Millionen Euro." Die Realisierung seines Konzepts koste weniger, finanziert werden könne es durch Public Private Partnership.

Um seine Pläne umsetzen zu können, brauche er politische Unterstützung, sagt Tomek. Er überlegt, zur Gemeindewahl im kommenden März in Bad Gastein anzutreten. Und wollte wissen, was LH Wilfried Haslauer (ÖVP) davon halte. Dessen Antwort auf das E-Mail des 73-Jährigen war deutlich: "Bitte um Verständnis, dass ich diese Idee nicht unterstütze und ich mir - mit Verlaub - auch nicht vorstellen kann, dass eine derartige Kandidatur angesichts vergangener Ereignisse von Erfolg gekrönt sein könnte."

Tomek will sich nicht entmutigen lassen. "Mir geht es nicht in erster Line darum, Bürgermeister zu werden, sondern darum, kompetente Leute aufzustellen, die in der Lage sind, Zukunft für Bad Gastein zu gestalten und dem Ort neue internationale Bedeutung und Glanz zu gebe, wie ich es schon mal geschafft habe."

Er möchte bestehende Parteien ansprechen oder eine eigene Liste gründen. Warum tut er das alles? "Weil es in meinem Naturell liegt und ich der Meinung bin, gemäß meinem Leibphilosophen Epikur: Wenn dich etwas begeistert, ist es die beste Quelle für Gesundheit." Aber vor allem erhalte er viel Zustimmung, wenn er durch Gastein gehe. "Die Leute sind sehr freundlich zu mir, diejenigen, die mich nicht mögen sind in der Minderheit. Man erinnert sich an die tollen Zeiten des 'Monte Carlo der Alpen'."



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