Chronik

Der Wolf bringt die Almbauern in Not

Der Wolf ist längst nach Österreich zurückgekehrt - mit Schäden für die Landwirtschaft. Geforderte Herdenschutzmaßnahmen lehnen die meisten Almbauern als unrealistisch ab.

Bild: Tomasz Zajda, stock.adobe.com SN/sw
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Die Betroffenheit im Gemeindesaal von Pfarrwerfen war spürbar, als Gerhard Huttegger, der Obmann der Agrargenossenschaft in Großarl, über den vergangenen Almsommer berichtete. Er informierte über die vielen toten Schafe und Lämmer, die man teilweise noch lebend in ihrem Leid vorgefunden hätte.

Huttegger schilderte die Anstrengungen, einige dieser Tiere von über 2000 Metern ins Tal zu bringen, um auch DNA-Proben für den Nachweis eines "Problemwolfs" liefern zu können. Er sprach vom Leid der Jungkühe: "Der Wolf trieb sie bergauf, und als sie nicht mehr weiterkonnten und zu Boden gingen, hat er sie aufgefressen. Das dürfte aufgrund der hinterlassenen Spuren lange gedauert haben", so Huttegger. Er legte einen Bericht über "die Katastrophe" vor, für welche die Bauern eine inoffizielle Bilanz schreiben. Sie beklagen neben 38 toten noch 40 vermisste Tiere.

Huttegger beschrieb "die Verzweiflung der Hirten und Betroffenen" und wie die Bauern die meisten Nutztiere ins Tal bringen mussten. Dort gab es unlängst einen Angriff des Wolfs auf eine hofnah gehaltene, eingezäunte Rinderherde im Ellmautal. Er erzählte von verschreckten und beunruhigten Tieren, einer trächtigen Kuh, die ihre Drillinge im Stress verlor, und über zwei weitere unauffindbare Rinder.

Die traditionelle Weidewirtschaft sei infrage gestellt, betonte Silvester Gfrerer, der Obmann des Alm- und Bergbauernvereins: "Wir haben in Salzburg 1800 Almen mit ähnlichen Herausforderungen und Bedingungen. Die traditionelle Weidehaltung muss vor den Wolf gestellt werden. Langjährige Verfahren wie das derzeitige Wolfsgutachten müssen einfacher und schneller gehen. Die Wolfspopulation in Europa muss neu definiert werden, denn der Wolf ist nicht, wie viele unserer Ziegen- oder Schafrassen, vom Aussterben bedroht."

Die über 500 Zuhörer, die aus dem ganzen Bundesland und auch aus Tirol und Kärnten zur Vorstellung der Studie von Wildbiologe Hackländer nach Pfarrwerfen gekommen waren, hörten zahlreiche Beteuerungen:

Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) sagte die dringend benötigte Unterstützung der Politik zu und sprach auch davon, "dass wir das ins Koalitionsabkommen schreiben sollen", und meinte weiter: "Österreich ist umzingelt von Wölfen und wir haben die höchste Nutztierdichte mit etwa 460.000 Tieren auf den Almen, die mehr oder weniger ungeschützt sind."

Die Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft, aber auch auf den Tourismus und vieles mehr seien längst da, "die Wölfe vermehren sich schneller, als wir die dringend benötigten Herdenschutzmaßnahmen stemmen können".

Dafür müsste auch endlich das österreichische Wolfszentrum "mit Leben erfüllt werden", so Wolfsbeauftragter Hubert Stock. Hierfür gab es einen Ländervergleich: In Frankreich wird pro Wolf und Jahr mit 70.000 Euro für Präventionsmaßnahmen kalkuliert. Man sprach vom "brennenden Hut", vom "fehlenden und befremdenden praktischen Verständnis vieler" und davon, "dass Wissenschaft und Praxis beim Wolf endlich Hand in Hand gehen müssten."

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