Chronik

Die ersten Touristinnen in Zell am See mussten ihren Schleier ablegen

Mit Fingerspitzengefühl wolle man das neue Gesetz gegen Gesichtsverhüllung vollziehen, sagt die Polizei. Die Gäste kennen die Regel schon.

Das junge Paar hat es plötzlich eilig. Als die beiden Araber die Polizeistreife in der Innenstadt von Zell am See sehen, schlagen sie eine andere Richtung ein. Trotzdem sind die Urlauber schnell eingeholt. Zwar trägt die Frau keinen Schleier. Aber auch die Atemschutzmaske, mit der sie ihr Gesicht verhüllt, ist ab sofort verboten.

Es ist die erste Amtshandlung, die Polizeibeamte in Zell am See wegen des neuen Antiverhüllungsgesetzes durchführen. Am Sonntag trat die Regelung in Kraft. Auch wenn die beiden Araber nur wenige Worte Englisch können, haben die Polizisten das neue Gesetz erklärt. Man hat hier viel Erfahrung mit Gästen, die weder Deutsch noch Englisch können. "Mit Händen und Füßen geht das", sagt die Polizistin. Die Urlauberin habe rasch eingewilligt, die verbotene Verhüllung abzunehmen. "Sie hat gesagt, sie trage die Maske wegen einer Stirnhöhlenentzündung."

Die Masken seien in den vergangenen Wochen immer häufiger zu sehen gewesen, sagt die Polizistin. Das neue Gesetz hat sich bei den Urlaubsgästen offenbar rasch herumgesprochen. Auch eine zweite Touristin, diesmal mit echtem Schleier bekleidet, gab an, das Gesetz zu kennen. Sie habe allerdings geglaubt, es trete erst am 11. Oktober in Kraft. Auch sie ist sofort bereit, den Schleier abzunehmen.

Die Polizei in Zell am See hat sich auf das Inkrafttreten des Verbotes vorbereitet. Das trifft auch auf den Medienandrang zu, der sich zur Einführung des neuen Gesetzes in der Stadt am Zeller See eingestellt hat. Martin Waltl vom Bezirkspolizeikommando gibt Interviews für mehrere Fernsehstationen, während vier Beamte vor den Linsen der Fotografen auf Streife gehen. Mit Fingerspitzengefühl wolle man das neue Gesetz durchführen, sagt Waltl. Eigene Kontrollen werde es nicht geben, die Regelung werde während der regulären Streifentätigkeit überprüft. "Wir haben nicht vor, auf arabische Gäste Jagd zu machen." Wer sich kooperativ zeige und die Verhüllung abnehme, komme mit einer Abmahnung davon. Sollte sich die Person weigern, könne sie zur Identitätsfeststellung auf die Polizeiinspektion mitgenommen werden. Bis zu 150 Euro könne ein Verstoß gegen das Verhüllungsgesetz kosten. Künftig soll es den Polizisten auch möglich sein, diese Strafe mit einem Organmandat zu ahnden.

Es ist kein Zufall, dass sich das mediale Interesse zur Einführung des österreichweiten Gesetzes auf Zell am See konzentriert: Die Stadt machte mit ihren Benimmregeln für arabische Touristen bereits international Schlagzeilen. Jetzt könne er Jahr für Jahr den Journalisten dieselben Dinge erklären, sagt Bürgermeister Peter Padourek (ÖVP). "Das mediale Interesse konzen triert sich auf die Sommerwochen, in denen wir viele arabische Gäste dahaben. Aber wir haben ein internationales, buntes Publikum." Er rechne deshalb auch nicht mit Einbußen durch die neue Regelung. "Sollten welche fernbleiben, werden mehr aus anderen Regionen kommen. Auch in Frankreich und Belgien, wo es ähnliche Gesetze gibt, hat der Tourismus nicht gelitten."

Von großen Problemen mit Gästen aus dem arabischen Raum möchte er nicht sprechen. "In manchen Belangen sind sie viel rücksichtsvoller als andere: Bei der Fronleichnamsprozession etwa zeigen sie sehr viel Respekt. Das kennen wir von Gästen aus anderen Ländern auch anders."

Laut Polizist Martin Waltl sind die arabischen Gäste kriminalpolizeilich nicht auffällig. "Die meisten sind freundlich und zuvorkommend." Zwar gebe es immer wieder Vorfälle im Straßenverkehr. "Aber das ist klar, wenn man mit einer anderen Straßenverkehrsordnung konfrontiert ist und die Gegend nicht kennt."

Waltl rechnet mit keinen großen Aufregungen durch das neue Gesetz. Auch am Sonntag kam die Polizei mit Abmahnungen aus und musste keine vermummten Personen strafen. Für Aufsehen sorgten die Kontrollen mit Kamerabegleitung dennoch. Ein Anrainer ließ sich den mehrsprachigen Folder mit dem neuen Gesetz auch geben und kommentierte die Kontrollen mit einem "Super". Eine Urlauberin aus Regensburg zeigte ebenfalls Wohlwollen für das neue Gesetz. "Ich will ja auch nicht, dass sie bei mir daheim nur mehr im Schleier herumrennen." Mehr Skepsis zeigte eine Betreiberin einer Pension in Kaprun, die mit ihren Gästen auf Tagesausflug in Zell am See ist. Ihre deutschen Gäste sehen das anders. "Wir müssen uns ja auch anpassen, wenn wir dorthin fahren", sagt die Urlauberin.

An der Bootsanlegestelle am Zeller See endet der Rundgang der Polizei. Verschleiert ist hier niemand. Ein arabischer Tourist weist noch einen Kameramann freundlich darauf hin, dass seine Frau nicht gefilmt werden möchte. Dann gehen die Polizisten zurück zur Dienststelle. "Wir haben ja auch noch anderes zu tun", sagt Martin Waltl.

Quelle: SN

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