Chronik

Die Jagd ist so alt wie die Menschheit

Auf Tradition und Nachhaltigkeit legen Jäger großen Wert. Insbesondere die Jägerinnen fühlen sich dem verbunden, deshalb werden sie immer mehr.

Gabriele Fidler mit ihrer 7-jährigen Bella, eine Hannoveraner Schweißhündin. SN/sw/Ricky Knoll
Gabriele Fidler mit ihrer 7-jährigen Bella, eine Hannoveraner Schweißhündin.

Gabriele Fidler ist Tierärztin aus Werfen und die einzige Frau im Vorstand der Salzburger Jägerschaft. Die Jägerei kennt sie schon seit der Kindheit, denn der Vater war ebenfalls Jäger und Tierarzt.


Redaktion: Frau Fidler, wie sind Sie zur Jägerei gekommen?
Gabriele Fiedler: Mein Vater hat mich mit dem Virus infiziert, ich bin damit aufgewachsen. Außerdem gab es bei uns ständig ein Rehkitz, das verletzt war und das meine beiden Schwestern und ich immer aufgepäppelt haben. Während des Studiums habe ich wohl die Beziehung etwas verloren, aber es kam wieder, als ich nach Salzburg zurückkehrte.

Wie kam der Bezug zur Jagd als Tierärztin zustande?
Ich war fünf Jahre lang als Amtstierärztin in der BH St. Johann. Weil ich da für die amtstierärztlichen jagdlichen Gutachten zuständig war, habe ich mit wieder mit der Jagd beschäftigt. 1997 habe ich den Jagdschein gemacht, und seither gehe ich auf die Jagd.

Wie passt das zusammen - als Tierärztin Leben zu retten und als Jägerin zu töten?
Wenn ich als Tierärztin nicht mehr helfen kann, dann muss ich auch eine Entscheidung treffen. Bei der Jagd geht es ja nicht nur ums Erlegen, es dauert sehr lange, bis es zu einem Abschuss kommt. Es gibt ein Jagdgesetz, und darin ist ein gewisser Abschuss sehr klar geregelt. Als Jägerin muss ich mich um viele andere Themen auch kümmern.

Was wäre das beispielsweise?
Wir müssen uns um die Hege und Pflege des Lebensraums der Tiere kümmern und darauf achten, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt. Wir müssen die Tiere artgerecht und regelmäßig füttern, damit das Wild einerseits nicht krank wird und andererseits keine Schäden durch Wildverbiss entstehen. Außerdem haben die Tiere durch den Tourismus, z.B. Tourengeher, Schneeschuhwanderer, viel Stress. Im Winter stellen sie normalerweise den Energiehaushalt um, Flüchten raubt jedoch viel Energie.

Der Anteil von Frauen in der Jagd steigt ständig. Warum?
So alt wie die Menschheit ist die Jagd und die ist mit Tradition und Nachhaltigkeit verbunden. Das ist den Frauen sehr viel wert, ebenso das Bewusstsein, die gesamte Natur und den Wildbestand möglichst an die nächste Generation weiterzugeben. Oder die Frage der gesunden Ernährung, Wild hat nur Natürliches aufgenommen und ist ein sehr hochwertiges Nahrungsmittel.

Wie hoch ist der Frauenanteil in der Salzburger Jägerschaft?
Im Jahr 2016 waren 1156 Frauen von insgesamt 10.111 im Besitz von gültigen Jahresjagdkarten, das sind also rund zehn Prozent.

Was machen Frauen nun anders als Männer?
Wir Frauen wollen das klischeehafte Denken aufbrechen, das dadurch entstand, weil die Jäger ziemlich unter sich geblieben sind. Jahrelang hat sich so ein riesiges Informationsdefizit und damit verbunden zahlreiche Berührungsängste aufgebaut. Wir wissen, dass mehr als 90 Prozent der Salzburger gerne in der Natur sind, aber auch, dass es nur miteinander geht. Das versuchen wir beispielsweise mit dem Salzburger Projekt "Respektiere deine Grenzen". Wenn die Leute aufgeklärt sind, sind sie bereit, gewisse Grenzen einzuhalten. Heute gehen Jagdpädagogen in die Schulen und informieren.

Früher wurden Jagdtrophäen ausgestellt, aber darum geht es nicht. Wenn ein Jäger einen Hirsch erlegt, tut er das nach bestem Wissen und Gewissen, dahinter steckt Kompetenz und nicht Trophäenlust. Ein Jäger muss mit dem Fernglas auf 100 Meter Entfernung erkennen, welches Tier das ist, ob es vielleicht krank ist und entnommen werden muss. Ein Jäger kennt seinen Wald und seine Tiere.

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